Szenespiel in Dieburg

Bamberger Bärendreck für alle

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So ging es früher im Klassenzimmer zu. Gesittet melden sich die Schüler Marie und Karl.

Dieburg - Im vergangenen Jahr hat die evangelische Gemeinde Dieburg ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert (wir berichteten). Und kürzlich stand die staatliche Anerkennung der evangelischen Schule Dieburgs im Jahr 1863, also vor 150 Jahren, im Mittelpunkt eines Szenespiels. Von Stephanie Stiefler

Wie kam es dazu, dass in Dieburg eine staatlich anerkannte Schule nur für evangelische Kinder gegründet wurde? Und was hat Ernst Elias Niebergall, späterer Autor der Darmstädter Lokalposse „Der Datterich“; mit Dieburg und der evangelischen Gemeinde zu tun? Die Antworten auf diese Fragen und anderes Wissenswertes erfuhren die Zuschauer bei einem Szenespiel in der evangelischen Kirche. Von einem „Historiker“ wurde das Publikum durch die Zeit von 1803 bis 1863 geführt. „Denn“, so der Erzähler, „die ersten evangelischen Christen kamen im Jahr 1803 nach Dieburg. Die Kinder dieser Familien wurden meist von Hauslehrern unterrichtet, denn die evangelischen Schüler hatten es nicht leicht in der katholisch geprägten Schule, sie waren Fremde, wurden anders erzogen.“. So konnten die Zuschauer in der ersten Szene hautnah miterleben, wie der damalige Forstmeister Reitz den mittellosen Ernst Elias Niebergall im Jahr 1835 als Hauslehrer für zwölf evangelische Schüler anstellte. „Nach ihm waren es angehende Pfarrer, die sich während oder nach ihrem Theologiestudium in Dieburg als Hauslehrer verdingten“, so der Historiker. Dann verkündete ein Bote mit lauter Stimme: „Das Großherzogliche Ministerium hat mit Erlass vom 12. September 1863 beschlossen, die evangelische Schule in Dieburg staatlich anzuerkennen“. Wie der Unterricht zu dieser Zeit abgelaufen sein könnte, erlebten die Zuschauer in der zweiten Szene.

Zwischen den Spielsequenzen erfreuten die Jugendband und der Kirchenchor der evangelischen Gemeinde sowie ein Flötenensemble mit Musikstücken von damals und heute.

Mit herzlichem Beifall wurden die Laiendarsteller Henning Eckel, Selina und Florian Lehr, Klaus Malzahn, Stefan Reis, Eileen Selmeczi und Raimund Werthmann, zusammen mit Regisseurin Renate Wagner am Ende der kurzweiligen sowie informativen Geschichtsstunde bedacht. Auch die musikalischen Gruppen nahmen den Applaus der Gäste gerne entgegen.

Mit „Bamberger Bärendreck“ (Lakritz), einer Süßigkeit, die es auch schon vor 150 Jahren gab, bedankte sich Pfarrer Dieter Schmidt bei allen Beteiligten. Und er betonte: „Wie gut, dass sich die beiden Konfessionen im 20. Jahrhundert aufeinander zu bewegt haben und heute im Sinne der Ökumene ein sehr guter Austausch stattfindet.“

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