Ferienspielkinder tauchten in Welt der Archäologie ein

„Banditos“ auf großem Beutezug im Stich

Eifrig wird im Sand nach den Fundstücken gegraben (Bild unten). Stolz präsentieren die Banditos ihre Ausbeute (oben).Fotos: Hombach

Dieburg - Ein dicker und ein dünner Knochen, eine leere Getränke- und eine Cremeflasche, ein Löffel, ein Messer, eine Grillzange, ein 10-Pfennigstück, Muscheln, ein KVD-Anstecker, eine Tonfliese und noch vieles mehr befindet sich in dem bunten Sammelsurium, auf das die Diebuger Ferienspielkinder der Gruppe „Banditos“ am Mittwoch immer wieder neugierige Blicke werfen.

Für die achtjährige Katrin und einige andere Kinder gehört der Griff in die Kiste mit der ungewöhnlichen Sammlung an diesem Morgen zu ihren Aufgaben. Immer wenn ein neues Teil hinzu kommt, legt Katrin es auf ein Blatt Papier, umfährt die Konturen mit dem Buntstift und malt den so entstandenen Umriss schließlich aus. Aufgabe von Katrins Gruppe ist es nämlich, die Fundstücke zu dokumentieren.

Der Fundort von Löffel, Knochen und Konsorten liegt nur wenige Meter von Katrin und ihrer Kiste entfernt. Am Fuße des Mühlturms findet sich seit wenigen Tagen etwas, das aussieht wie ein großer Sandkasten. Angelegt hat ihn der Dieburger Bauhof. Doch auch wenn die Ferienspielkinder mit Schaufeln, Rechen und Sieben bewaffnet sind, hier werden keine Sandkuchen gebacken.

Vielmehr ist die Sandfläche eine Nachbildung dessen, was Archäologin Stephanie Beißler als Schnitt bezeichnen würde. Ein Schnitt, das ist in der Sprache der Archäologen die Fläche, die bei einer Grabung gerade auf archäologische Kostbarkeiten hin untersucht wird. Und damit im Schnitt am Fuße des Mühlturms auch etwas anderes als eine unendliche Anzahl Sandkörner zu finden ist, waren Beißler und ihre Kollegen vom Museum Schloss Fechenbach frühmorgens schon als archäologische Osterhasen tätig: Flaschen, Dosen. Muscheln und Knochen verschwanden im Sand, fachgerecht versteckt, so wie es in einem echten Schnitt eben auch wäre.

Die „Banditos“ stürzen sich auf ihrem Schnitt mit Feuereifer an die Ausgrabung. Manche haben dabei mehr Erfolg als andere. „Ich habe zwei Muscheln, den KVD-Anstecker und einen Knochen gefunden“, strahlt die siebenjährige Nachwuchs-Archäologin Mara. Und ihre Kollegin Franka zieht soeben einen großen Tonziegel aus dem Sand. Sorgfältig wird der neue Fund gewaschen, dann darf auch er in die Kiste voll ungewöhnlicher Preziosen. In der tummeln sich inzwischen schon zahlreiche Fundstücke, Katrin hat alle Hände voll zu tun, das Gesammelte zu dokumentieren. Auf dem Grabungsfeld werden die kleinen Archäologen derweil aufgrund nachlassender Fundhäufigkeit langsam ungeduldig..

„Ist hier noch was versteckt?“, „oder vielleicht hier?“, wird Beißler immer häufiger gefragt. Um aufs Geratewohl weiterzugraben, sind die kleinen Archäologen langsam zu hungrig. Zeit also für eine Mittagspause.

Danach geht es nicht wieder ans Durchforsten des Schnitts, sondern ans Sichten der Fundstücke. Eine eindrucksvolle Fundparade ergeben die einzelnen Gegenstände, als sie auf der Mauer hinter dem Museum aufgereiht liegen. Doch was haben ein KVD-Anstecker, eine leere Getränkedose und eine Muschel miteinander gemein und welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Sammelsurium? Diese Rätsel zu lösen, ist die Aufgabe, die sich den „Banditos“ nun stellt. Dafür rät ihnen Beißler, erst einmal zu sortieren, welche Fundstücke aus welchem Zeitalter stammen könnten. Und so stellen die Kinder nach dem Sortieren schnell fest: Das sind Fundstücke aus verschiedenen Epochen. „Und was sagt uns das?“, will Beißler wissen.

Die richtige Antwort lässt nicht lange auf sich warten, schließlich hat es die Archäologin ja mit kleinen Kollegen zu tun: Die Funde weisen darauf hin, dass an dieser Stelle eine Siedlung gewesen sein muss, und die älteren Funde künden davon, dass auch schon zu Zeiten der Römer Menschen hier gelebt haben. Und da die kleinen Archäologen jetzt schon mal in Fahrt sind, bringen sie gleich noch ein paar Keramikgefäße und Münzen, die Beißler ihnen vorlegt, in die richtige zeitliche Reihenfolge.

Schließlich geht der Arbeitstag der Nachwuchswissenschaftler zu Ende, die „Banditos“ sind jetzt archäologisch voll auf zack und Marlina weiß endlich, welche Geschichte hinter der Flasche steckt, die sie ziemlich komisch fand, als sie sie morgens aus dem Sand fischte.

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