Marathon für Kinder von Casa do Menor

Basti rennt gegen Not an

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Bastian Karstadt rennt gegen die bittere Armut in Miguel Couto an.

Dieburg - Als Bastian Karstadt die Mail mit seiner Idee vom Marathon in Rio de Janeiro schickte, war Friedrich Wilhelm gleich Feuer und Flamme. Ist ja selbst ein Marathon-Mann, der Eppertshäuser Wilhelm, wenn auch einer im Freizeithemd. Das ist durchaus die richtige Ausrüstung für seine Ausdauerdisziplin. Von Barbara Hoven

Eine tüchtige Portion Hemdsärmeligkeit, die kann nur gut tun, wenn Wilhelm und ein kleines Team dem Geld hinterher rennen, um ein seit vielen Jahren von der Dieburger Pfarrgemeinde St. Wolfgang unterstütztes Straßenkinderprojekt in Brasilien am Laufen zu halten. Benefizkonzerte gab es schon, eine Schulklasse, die Kresse für den guten Zweck verkaufte, viele andere Aktionen.

Spendenkonto

Wer das Engagement von Bastian beim Rio-Marathon unterstützen will, richtet seine Spenden an folgendes Konto: Pfarrgruppe Dieburg, Spendenkonto 129000337, Sparkasse Dieburg, BLZ 50852651, Betreff: Bastian Rio-Marathon 2009.

Doch das, was „der Basti“ nun vorhat, so viele tausend Kilometer weit weg von Dieburg, das füllt tatsächlich beide Hälften des Begriffs Spendenmarathon mit Bedeutung. Die sportliche, weil der seit Oktober als Absolvent eines Freiwilligen Sozialen Jahrs für das Straßenkinderprojekt „Casa do Menor“ arbeitende Bastian Karstadt am 28. Juni den Marathon in Rio de Janeiro laufen wird. Und die soziale, weil er hofft, dass er für jeden dieser 42,195 Kilometer möglichst viele Sponsoren findet. Ein paar Cent pro Kilometer, einen Euro, gerne mehr. „Jeder Betrag“, hat der junge Sportler in einem von Pfarrer Alexander Vogl an die Pfarrgemeinde weitergereichten Aufruf versprochen, „kommt den Kindern unmittelbar zugute.“

Mehr Infos

Mehr Informationen zum Straßenkinder-Projekt, zur Spendenaktion und zu „Bastis“ Erlebnissen finden  Interessierte in Bastians Blog. Telefonisch erteilt Friedrich Wilhelm Auskunft unter 06071/31888.

Das war auch 1986 schon so, als St. Wolfgangs brasilianische Partnergemeinde das Projekt startete und sich der mittlerweile verstorbene Dieburger Pfarrer Manfred Gärtner als kreativer Werbetrommler in seinen Kreisen erwies. Als die Sache größer wurde und die Kraft schwand, versicherte sich Gärtner der Unterstützung qualifizierter Fachleute. Der pensionierte Banker Friedrich Wilhelm gehört seitdem dazu und der ehemalige Sparkassendirektor Rudolf Becker aus Groß-Umstadt auch.

Weil Spielmöglichkeiten fehlen, improvisiert „der Basti“ in Miguel Couto: „Ein kleines Beet, aus dem ich die Gräser entfernt habe, muss als Sandkasten herhalten.“

Menschen, die wissen, wie man mit Geld umgeht, sind wichtig. In den Slums von Rio, wie die Leute die rund um Bastian Karstadts Wirkungsort Miguel Couto gelegene Region Baixada Fluminese nennen, ist der Gedanke an ein Sparkonto Utopie. Bittere Armut raubt den Bewohnern die Hoffnung; viele treibt sie in die Kriminalität. In einem Blog, einem Internet-Tagebuch, schreibt Basti über seine Arbeit als eine Art Hausmeister in einem Kindergarten und im „Casa Angelo“, einem Zufluchtsort für neun- bis 14-jährige Jungen. „Manchmal kommen die Kinder nach einem Wochenende sehr hungrig im Kindergarten an. Doch tagsüber spielen sie glücklich im Kindergarten, auch wenn es keine wirklichen Spielgeräte gibt. Hier wird dafür gesorgt, dass sie zu Essen bekommen und duschen.“

Basti rennt gegen diese Zustände an, im Alltag und Ende Juni beim Rio-Marathon. Im August, kurz vor seinem geplanten Abflug in diese andere Welt, hatte er sich die Bänder im Fuß gerissen, musste operiert werden, trainiert nun wieder. „Dieser Marathon stellt für mich einen sehr großen Schritt dar. Doch mit dem Gedanken an die Kinder mache ich mich auf den Weg.“

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