Eines der fünf Gebäude zu hoch

Baustopp an „Ludwigshall“

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Für das Haus Nr.10 des Ludwigshallen-Areals hat die Bauaufsicht des Kreises einen Baustopp verhängt. Für den Bauherren und seinen Architekten unverständlich, denn man habe in ständigem Kontakt mit der Behörde gestanden.

Dieburg - Es ist das größte laufende Bauprojekt in Dieburg, und ein Teil davon ist derzeit wegen eines Baustopps auf Eis gelegt: die Arztpraxen- und Wohnanlage „Ludwigshall“ in der Zentturmstraße. Von Ralf Enders 

Bei dem Projekt „Ludwigshall“ gibt es einen Baustopp: Weil eines der fünf Gebäude etwa 50 Zentimeter höher ist als ursprünglich geplant, hat die Bauaufsicht des Kreises Darmstadt-Dieburg verfügt, dass die Arbeiten an dem Haus Nr. 10 ruhen müssen. Es ist das quer zur Zentturmstraße stehende Gebäude im Osten des etwa 1 800 Quadratmeter großen Areals in Richtung Römerhalle.

Ulrich Scheinert von der Darmstädter Investorengruppe „Biskupek Scheinert Moog“ (bsm-invest) gegenüber unserer Zeitung: „Zwei Gründe sind für die geänderte Höhe verantwortlich: Zum einen mussten wir die Tiefgarage wegen des Grundwasserspiegels und des Herrngrabens etwa 20 Zentimeter höher bauen. Zum anderen ist das Erdgeschoss des Gebäudes etwa 30 Zentimeter höher geworden, weil für die geänderte Nutzung als Arztpraxis unter der Decke Leitungen verlaufen müssen. Beides war zu Beginn der Planung nicht absehbar.“

Der 68-jährige gebürtige Dieburger, der in seiner Heimatstadt zahlreiche Projekte realisiert hat oder noch in Angriff nehmen will, hat eigenen Angaben zufolge im Mai dieses Jahres einen entsprechenden Änderungsantrag an die zuständige Bauaufsicht des Kreises gestellt. Passiert sei monatelang nichts. Dass der Kreis nun den Baustopp verhängt hat, ist für ihn unverständlich.

In der Tat hat der Landkreis am 16. Oktober verfügt, dass die Arbeiten an Haus Nr. 10 zu ruhen haben. Wie der Kreis auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, sei die „abweichende Bauausführung“ bei einer Ortsbesichtigung in der 41. Kalenderwoche, also zwischen dem 9. und 13. Oktober, festgestellt worden.

Auch für Scheinerts Architekten Stefan Dobrowolski aus Darmstadt ist das Vorgehen der Bauaufsicht mehr als ärgerlich: „Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft, aber das ist mir noch nicht passiert.“ Bereits Ende 2016 – als im Haus Nr. 10 eine Arztpraxis statt wie ursprünglich gedacht Wohnungen geplant wurden – habe man mit der Bauaufsicht über die neue Höhe regelmäßig gesprochen. Seitdem habe es mehrere Treffen gegeben – mit ihm, der Kreis-Bauaufsicht und auch dem Dieburger Bauamt. „Ich habe die neue Höhe dabei vorgestellt“, sagt Dobrowolski. Ende April habe er dann den Änderungsantrag an den Kreis gestellt, am 4. Mai sei der Eingang bestätigt worden. „Dann hat die Sachbearbeiterin gewechselt, dann war jemand krank, und nichts ging voran.“ Das Problem ist für Dobrowolski, dass die „Ludwigshall“ wegen der darunterliegenden Tiefgarage ein Sonderbau ist, deshalb gelte die Drei-Monats-Frist für die Bearbeitung von Bauanträgen nicht.

Wie geht’s weiter? Nach Auskunft der Kreis-Bauaufsicht seien nun „diverse Fachbehörden“ zu beteiligen. Grundsätzlich sei die Genehmigung möglich, wenn der Bauherr die „erforderlichen baurechtlichen Befreiungen“ beantragt. Wann dies geschehen könnte, hänge auch davon ab, wann die Unterlagen nachgereicht würden.

Investor Scheinert wollte noch in dieser Woche die Unterlagen ins Kreishaus nach Kranichstein schicken. Es handele sich um einen neuen statischen Nachweis und ein neues Brandschutzgutachten. Scheinert ist zuversichtlich, dass die Genehmigung bald vorliege und dann auch an Haus Nr. 10 weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeiten an den anderen Häusern gingen derweil wie geplant weiter. In dieser Woche waren die Dachdecker zugange (auch an Haus Nr. 10), nächste Woche kommen laut Scheinert die Fenster und andere Gewerke an die Reihe.

Generell könne der geplante Fertigstellungstermin Ende des Jahres ohnehin nicht mehr eingehalten werden. „In Zeiten der Hochkonjunktur ist es schwer, Handwerker zu bekommen“, sagt Scheinert zur Begründung. Sein Unternehmen sei jedoch renommiert, und so seien alle Gewerke nun vergeben. Scheinert rechnet mit Bezugsfertigkeit der Gebäude im Sommer 2018. Dass sein Unternehmen mit der geänderten Gebäudehöhe einfach Fakten geschaffen habe, weist Scheinert im Übrigen zurück: „Definitiv nicht“, sagt er. Das habe sich aus den genannten Gründen „so ergeben“. Dieburgs Bürgermeister Frank Haus (parteilos) hat zumindest Zweifel: „Das ist ein Erklärungsversuch. Ich halte es jedoch für naiv, an ein Versehen zu glauben.“

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