BI erstattet Anzeige

Aufregung ums Dreieck

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Grabenkämpfe haben jetzt um die Ansiedlung eines Mega-Centers des Logistikers Fiege auf dem „Dieburger Dreieck“ begonnen. Wegen der Mahd des Banngrabens hat die Bürgerinitiative gegen die Bebauung Anzeige wegen Verstoßes gegen den Naturschutz erstattet. Die Mahd ist allerdings von der Stadt veranlasst worden und steht nach Auskunft von dort nicht in Zusammenhang mit dem Bauvorhaben, sondern dient dem Hochwasserschutz.

Dieburg - Groß muss das Entsetzen bei einigen Mitgliedern der Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck (BIBDD) gewesen sein, als sie unlängst den im Süden des Geländes verlaufenden Banngraben zu Gesicht bekamen.

Uferbereich und Schilf sind frisch abgemäht, wie die BIBDD mit einem ihrer jüngsten Pressemitteilung beigefügten Foto belegt. Die Initiative vermutet einen Naturschutzfrevel im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung eines „Mega-Centers“ des Logistikers Fiege, die sie zu verhindern sucht - und hat deshalb Anzeige bei der Polizeistation Dieburg gestellt.  Andrea Löb, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, bestätigt den Eingang der „Mitteilung“ für den 15. Oktober. „Wir prüfen jetzt, ob eine Straftat vorliegt, und stehen dabei in Kontakt mit der Naturschutzbehörde sowie der Stadt Dieburg.“Was für die Einen so aussieht, als wäre wertvoller Lebensraum für Amphibien schnödem Mammon geopfert worden, als seien bei den Mäharbeiten sogar Kröten und anderes Getier zu Tode gekommen, ist für Wolfgang Schupp ein ganz normaler Vorgang.

„Wir mähen regelmäßig die Gräben im Stadtgebiet, um deren Funktion als Ableiter von Oberflächenwasser sicher zu stellen, und im Rahmen der turnusmäßigen Arbeiten war jetzt auch der Banngraben an der Reihe“, erklärt der Erste Stadtrat in Vertretung des urlaubenden Bürgermeisters Dr. Werner Thomas und lässt dabei spüren, dass er die Aufregung deshalb nicht so ganz versteht. Auf jeden Fall versichert er, dass die Mäharbeiten in keinem Zusammenhang mit dem geplanten Großprojekt stehen.

Dafür gibt es noch kein Baurecht. Der Beschluss zur Aufnahme eines entsprechenden Bauleitverfahrens ist im Dieburger Kommunalparlament einstimmig gefasst worden, und bisher sieht es so aus, als beeinflusse der unerwartet heftige Protest aus der BIBDD die Positionen der fünf Fraktionen (CDU, SPD, Grüne, FDP und UWD) ebenso wenig wie der Gegenwind, der inzwischen aus Nachbarkommunen weht. Aus Münster gibt es inzwischen ein „ja, aber“, verbunden mit einem umfangreichen Forderungskatalog, in dem der künftige Ausbau der B 26 ebenso eine Rolle spielt wie für die Position Babenhausens, das seine Meinung zum „Mega-Center“ mit der Frage der Südumgehung verbindet.

Parallel zu den heftigen Diskussionen, in deren Kern es vor allem um die ungewohnten Dimensionen der geplanten Großlagerhalle geht, und ungeachtet des noch ausstehenden Beschlusses zum Baurecht werden die vorbereitenden Maßnahmen für das Projekt auf anderen Ebenen vorangetrieben. So bestätigte 1. Stadtrat Schupp, dass der städtische Anteil an der insgesamt 15 Hektar großen Fläche bereits an den Logistiker aus dem Münsterland verkauft worden ist. Wie weit die parallelen Verhandlungen mit privaten Grundstücksbesitzern fortgeschritten sind, konnte Fiege-Sprecher Jens Hamann nicht sagen, ließ aber auch wissen, dass man grundsätzlich keine Auskunft über laufende Verhandlungen gebe.

Für Irritationen hatte Ende September eine Umsiedlungsaktion für Zauneidechsen gesorgt, die sonst dem Projekt naturschutzrechtlich im Wege gewesen wären (wir berichteten). Die Aktion ist von Fiege beantragt und von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises noch für dieses Jahr genehmigt worden - wohl, weil sonst der beabsichtigte Baubeginn im Frühjahr 2014 und die Ruhezeit der Kleinreptilien kollidiert wären.

Firma hat Projekt Fachbehörden vorgestellt

Frank Horneff, Pressesprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg, bestätigt grundsätzlich, dass die naturschutzrechtliche Genehmigung der Aktion durch die Untere Naturschutzbehörde hinsichtlich der Terminierung auch von Aspekten der Wirtschaftsförderung geleitet worden ist. Jedenfalls berichtet er von einem Termin im Landratsamt, bei dem die Firma Fiege Gelegenheit hatte, ihr Projekt allen beteiligten Fachbehörden vorzustellen. In seiner Mitteilung zum Thema heißt es zudem: „Sofern der Bebauungsplan nicht realisiert werden wird, können die Zauneidechsen wieder einwandern.“

Zur Mahd des Banngrabens hat sich inzwischen Ronald Gabele zu Wort gemeldet. Der CDU-Stadtverordnete hat als Baumaschinenverleiher seinen Unternehmenssitz im Dieburger Stadtviertel Schlangensee, dessen Oberfläche zum Teil über den Banngraben entwässert wird. Er bezieht sich dabei auf einen Starkregen im vergangenen Jahr, hat seiner Mitteilung Fotos einer kurzfristigen Überschwemmung rund um den Graben in der Altheimer Straße beigefügt und stellt fest: „Leider war der Banngraben zu diesem Zeitpunkt noch nicht gemäht worden und so konnte das Wasser nicht mehr ordnungsgemäß ablaufen.“ Der Graben soll auch bei Realisierung des Mega-Centers erhalten bleiben, allerdings ein Stück nach Süden verlegt werden. Fiege-Sprecher Hamann bedauert, „dass die BIBDD einer reinen Verhinderungsstrategie folgt und für Kompromisse unzugänglich scheint“. Dessen ungeachtet stehe man in Kontakt zur Initiative, suche weiter den Dialog und habe Vertreter der BIBDD zum informativen Besuch eines Fiege-Referenzobjektes eingeladen. Für den November kündigte Hamann zudem ein Pressegespräch an.

sr

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