„Ein Streichholz reicht da nicht“

Dieburg - Die letzte Etappe des Abstimmungsmarathons zum Bau eines Großlagers durch die Firma Fiege auf dem „Dieburger Dreieck“ bewältigten am Donnerstagabend die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr. Von Laura Hombach 

Bereits eine Woche zuvor war der erste Teil – die Stellungnahmen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange – der auf rund 900 Seiten versammelten und kommentierten Einwände zum Bebauungsplan, behandelt worden. Nun stand die Abstimmung über die von der Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck (BIBDD) und Bürgern eingegangenen Einwendungen an. Gut gefüllt waren auch dieses Mal wieder die Zuschauerreihen. Teils ebenfalls mit den dicken Ordnern, die auch vor den Ausschuss-Mitgliedern lagen, auf den Knien, verfolgten die Zuhörer das Geschehen.

Vor Beginn des Abstimmungsmarathons wollten die Ausschussmitglieder aber noch Klarheit bezüglich der teils auch in den Einwendungen angeführten Möglichkeit eines nur schwer löschbaren Brandes in dem Großlager, in dem hauptsächlich Neureifen eingelagert werden sollen. Dazu war Stadtbrandinspektor Sven Weyrauch in die Sitzung eingeladen worden. Auf die Nachfragen der Ausschussmitglieder erklärte Weyrauch, ihm seien das Brandschutzkonzept und die Pläne für die Brandschutzanlage des künftigen Lagers bereits vorgelegt worden. Das Konzept sei schlüssig und die Anlage sei auf dem Stand der heutigen Technik. „Es gibt dabei nichts, was ich auf den ersten Blick sehe, das mir Bedenken verursachen würde“, so Weyrauch.

Die Brandschutzanlage sei so dimensioniert, dass sie auch in der Entstehung befindliche Brände eigenständig löschen könnte. Zudem bedürfe es ohnehin einer sehr hohen Zündenergie, bis ein neuer Reifen zu brennen beginne. „Ein Streichholz reicht da nicht“, so Weyrauch. Die durch den Bau der Firma Fiege in Dieburg entstehende Situation sei mit den Bränden von anderen Reifenlagern wie etwa vergangenes Jahr in Gernsheim und Pfungstadt nicht zu vergleichen. Dabei habe es sich um nicht gesicherte Lager, teils um Altreifen gehandelt.

Bei Altreifen bestehe ein größeres Brandpotenzial, zum anderen verfüge das von Fiege geplante Lager über eine ganz andere Sicherungsanlage, erläuterte der Fachmann. Doch auch für den Fall, dass die Dieburger Feuerwehr an das „Dieburger Dreieck“ zum Löscheinsatz ausrücken müsste, sah Weyrauch sein Team gut gerüstet. Die Feuerwehr Dieburg sei personell gut aufgestellt und aufgrund anderer Betriebe vor Ort ohnehin dazu angehalten, ein gewisses Equipement vorrätig zu halten. Zudem gebe es für den Fall eines solchen Großbrandes einen mit dem Kreis abgestimmten Sonderalarmplan, der dann auch benachbarte Feuerwehren und deren Ausrüstung auf den Plan rufen würde.

Nachdem der Stadtbrandinspektor die Sorge um eine mögliche Brandkatastrophe so weitestgehend beruhigen konnte, hieß es nun, auf ein Neues über die einzelnen Einwendungen zu beschließen. Wie schon bei den Einwendungen zum Flächennutzungsplan, die der Ausschuss bereits Ende letzten Jahres beackert hatte, handelte es sich bei vielen der Schreiben um inhaltliche Wiederholungen. Einige Einwender hatten dabei die von der BIBDD in ihren Schreiben aufgeführten Argumente – teils wortgetreu – aufgegriffen.

Wie schon in den vorangegangenen Sitzungen herrschte im Ausschuss bei den Abstimmungen weitestgehend Einigkeit. Lediglich Irmgard Haberer-Six von den Grünen verlieh ihrem Protest gegen das Projekt entweder durch Nein-Stimmen oder Stimmenthaltungen Ausdruck. So folgte der Ausschuss mit großer Stimmenmehrheit den vom Planungsbüro „Wolters Partner“ erarbeiteten Beschlussvorschlägen zu den einzelnen Einwendungen. Über 700 Seiten später, beziehungsweise um 21.35 Uhr, war der dicke Ordner abgearbeitet. Mit erneut 9:1 Stimmen sprach sich der Ausschuss dafür aus, den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Das letzte Wort haben jetzt die Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag (19.30 Uhr im Rathaus).

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