Seit Mittwoch amtlich

Behindertenhilfe meldet Insolvenz an

Dieburg - Der Verein Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung ist zahlungsunfähig. Dies ist mit der Anmeldung der Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Darmstadt seit Mittwochmorgen amtlich.

Am Nachmittag teilte Thomas Wieler, der vor sechs Monaten als Sanierer angetretene Interims-Geschäftsführer des Vereins, der Belegschaft diese Entscheidung auf einer Betriebsversammlung mit.

Rund 350 Mitarbeiter beschäftigt der Verein, davon 236 mit Behinderungen. Für die nicht-behinderten Mitarbeiter fällt nun das Weihnachtsgeld aus, an die Stelle des Gehaltes soll das  Konkursausfallgeld der Bundesagentur für Arbeit treten. Für November hat der Verein eine Zwischenfinanzierung über einen Bankkredit beantragt. „Die Betreuung aller Klienten in allen Einrichtungen kann im gewohnten Umfang fortgeführt werden“, versicherte Wieler gestern in einer Pressemitteilung.

Weitere finanzielle Einschnitte für die Belegschaft sind auch für den Fall absehbar, dass es gelingt, einen neuen Träger für das vielfältige Engagement des Vereins zu finden. „Die Lohnkosten liegen zehn Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Einrichtungen“, verlautete schon vor einiger Zeit aus Kreisen des Verwaltungsrates, „und auch ein anderer Träger wird sich das sehr genau anschauen.“

Bis vor wenigen Tagen hat es Versuche gegeben, die Insolvenz abzuwenden. Wieler sieht die Verantwortung bei Gewerkschaft und Betriebsrat, wobei er differenziert: „Zahlreiche Mitarbeiter der Behindertenhilfe haben die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen der Geschäftsleitung nachdrücklich unterstützt.“

Die zuständigen Verdi-Sekretäre waren gestern nicht zu erreichen.

Eine selbstverwaltete, kontrollierte Insolvenz soll es werden, im Vorstand nun begleitet von Olaf Seidel, Fachanwalt für Insolvenzrecht. Dabei wird es nun darum gehen, eine neue Trägerschaft zu finden, um die Arbeit „in allen Bereichen“ – neben den Werkstätten auch Kinderbetreuung, Wohnen und die neue Tagesförderstätte – fortzusetzen.

Drei ernsthafte Interessenten gebe es. Am morgigen Freitag will Wieler sie zu Gesprächen empfangen. Der ursprünglich bis Ende November befristete Vertrag mit dem Sanierer ist um drei Monate verlängert worden.

sr

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare