Vertrag mit Berater / Vorstände gekündigt

Behindertenhilfe:Jetzt soll es ein Schwabe richten

Arbeiten jetzt zusammen: Berater Thomas Wieler und Werkstattleiterin Anja Chakrabarty auf der Baustelle für die neue Tagesförderstätte, die im Sommer eröffnet werden soll. - Foto: Hager

Dieburg - Jetzt soll es ein Berater für soziale Unternehmen richten: Der 57-jährige Thomas Wieler aus dem schwäbischen Waiblingen ist für ein halbes Jahr Interims-Manager des Vereins für Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung. Von Lisa Hager

Die Vorstände, Michael Knoll und Andrea Bartels, sind fristgerecht bis Mitte 2014 gekündigt und ab sofort freigestellt worden. Das hat Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Werner Thomas gestern bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Kurz vorher waren die Mitarbeiter über die Situation informiert worden.

„Mir ist ein Stein vom Herzen gerollt, der hätte in diesem Raum gar keinen Platz“, versuchte Thomas seine Erleichterung bildhaft zu verdeutlichen. Die Entscheidung im Verwaltungsrat sei einstimmig gefallen, sagte er. Ein schuldhafte Verhalten habe man auch nach externer Prüfung durch Berater bei den beiden Vorständen nicht feststellen können, so dass nur eine fristgerechte Kündigung in Frage kam.

Wie mehrfach berichtet war den Geschäftsführern in einem anonymen Schreiben aus den Reihen der Mitarbeiter wirtschaftliches Missmanagement und schlechte Personalführung vorgeworfen worden. Darin war auch die Besorgnis um die Arbeitsplätze zum Ausdruck gekommen, falls der Verein auf eine Insolvenz zusteuern sollte. In Folge hatte sich der Verwaltungsrat zum Einschreiten gezwungen gesehen.

Einer der Gründe für die finanzielle Schieflage des Vereins, sei die Tatsache, dass man den behinderten Mitarbeitern in den Werkstätten mehr Geld zahle als man müsse, so Thomas. „Das haben aber alle mitgetragen“, verteidigte er diese Mehrausgabe von rund 120 000 Euro pro Jahr, zu der man aus Achtung vor deren Arbeit gestanden hätte. Zudem habe man eine Werkstatt extra für einen Großauftrag ausgerüstet, der dann überraschend an eine Behinderteneinrichtung in Rödermark gegangen sei. Eine Alternative sei bislang nicht gefunden worden.

Wieler wird jetzt ein halbes Jahr in Dieburg sein und die Struktur der Einrichtung wirtschaftlich und personell durchforsten. „Da geht es nicht ums Sparen um jeden Preis“, sagte er in Anspielung auf seine schwäbische Herkunft. In erster Linie wolle er die Kommunikation und Kooperation, die am Schluss nicht mehr funktioniert habe, wieder herstellen.

Zur Frage, was diese personellen Veränderung koste, sagte Thomas: „Wir müssen deswegen keine neuen Verhandlungen mit der Bank führen. Wir sind stabil genug.“

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