Bereit für Abc und Einmaleins

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Spielerisch erlernen die Kinder in Dieburgs Kindergärten (unser Bild zeigt Kinder in der Evangelischen Kindertagesstätte in der Odenwaldstraße) die Fähigkeiten, die sie für einen guten Start ins Schulleben benötigen.

Dieburg ‐ Ein aufregender Tag steht Dieburgs Abc-Schützen morgen bevor. „Unsere Kinder freuen sich riesig auf die Schule und sind ganz stolz“, schildert Brigitte Neuhaus, Erzieherin in der Kindertagesstätte St. Josef, die Stimmung der Kinder, die dem Kindergarten nun Adieu gesagt haben. Doch bei aller Freude, ist der Schulbeginn natürlich auch ein Schritt ins Unbekannte. Von Laura Hombach

Für die Kinder bedeutet der Schulanfang einen massiven Einschnitt“, weiß die Leiterin der Kindertagesstätte Muggelburg, Ina Karl, aus Erfahrung. „Übergänge sind selbst für Erwachsene einschneidende Erlebnisse“, bestätigt ihre Kollegin Claudia Moosdorf, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte in der Odenwaldstraße.

Daran, dass die Abc-Schützen mit einem guten Gefühl in ihre Schulzeit starten können, wird im Kindergarten vom ersten Tag an gearbeitet. Die Neugier der Kinder wird geweckt und sie lernen Stärken, aber auch Probleme zu benennen. Viele kleine Bastel- und Forschungsprojekte werden von den Kindern durchgeführt. Wichtig ist den Erzieherinnen dabei, ihren Schützlingen immer wieder vor Augen zu führen, was sie alles schon können. Das stärkt für neue Aufgaben, erklärt Neuhaus, – etwa auch den Neustart an der Schule.

Vorab-Schulbesuch gehört zum Kita-Programm

Im letzten Jahr vor der Einschulung können die Kinder schon einmal Erfahrungen in Sachen Schulunterricht sammeln. „Die Stunden sind zwar noch spielerisch gestaltet, aber sie sind klar strukturiert“, erläutert Moosdorf. Gefördert werden in diesen Stunden noch einmal grundlegende Kompetenzen wie konzentriertes Zuhören oder ausdauerndes Arbeiten, damit später das Lernen im Klassenverband auch gut klappt. Ein Schulbesuch, erste Kontakte mit einer Lehrkraft und das richtige Verhalten auf der Straße gehören ebenfalls zum Programm des letzten Kita-Jahres.

Um die Kinder optimal auf ihre Schulzeit vorzubereiten, arbeiten Dieburgs Kindergärten und Grundschulen intensiv zusammen. Gemeinsam wurde ein Konzept zum Übergang vom Kindergarten in die Grundschule erarbeitet und ein Kooperationsvertrag geschlossen. So sind die Erzieherinnen immer auf dem neuesten Stand, welche Fähigkeiten die Grundschulen bei ihren Erstklässlern voraussetzen. Neben den fürs Lernen wichtigen Kompetenzen, gilt es, den Kindern viele weitere Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, wie etwa das Zubinden der Schuhe oder einen Überblick über die eigenen Sachen zu haben. Auch das Kennenlernen des eigenen Ichs und der dazugehörigen Gefühlswelt ist wichtig, wenn die Kleinen schließlich in die große Welt entlassen werden sollen.

„Die Gefühlslage schwankt oft“

So stand etwa das vergangene Jahr bei den Kindern der Kita in der Odenwaldstraße unter dem Oberthema „Spurensuche“. Dabei gingen die Kinder auch auf Spurensuche bei sich selbst. Bei der Beschäftigung mit dem eigenen Körper erfuhren sie, dass auch andere Kinder Herzklopfen haben oder vielleicht rot werden, wenn sie aufgeregt sind. „Für die Kinder ist es sehr wichtig, dass sie wissen, das habe ich nicht alleine“, erklärt Moosdorf. Denn bei aller Freude, kann es den Kleinen beim Gedanken an die Schule schon mal angst und bang werden. „Die Gefühlslage schwankt oft zwischen riesiger Vorfreude und Angst, was sie in der Schule erwartet“, hat Karl beobachtet. Ab Ostern sei deutlich zu bemerken, dass in den kleinen Köpfen der Gedanke an die Schule mächtigen Raum einzunehmen beginnt. Trotzreaktionen und kleinkindliche Verhaltensweisen einerseits und das Einfordern von Eigenständigkeit andererseits, seien in dieser Zeit nicht ungewöhnlich. „Man nennt das auch Vorpubertät“, so Moosdorf. „In dieser Zeit ist es wichtig, viel mit den Kindern zu sprechen und Unsicherheiten abzubauen“, weiß Karl.

Wichtig ist dabei auch der Umgang der Eltern mit dem Schulthema. Deshalb gibt es von Seiten der Kitas neben schriftlichen Informationen auch Einzelgespräche mit den Eltern, so kann auf jedes Kind individuell eingegangen werden. Grundsätzlich sind das frühe Fördern von Neugier und Spaß am Erforschen der Welt, aber auch der Selbständigkeit der Kinder wichtige Grundsteine, die bereits im Elternhaus gelegt werden sollten. „Wenn die Eltern sich mit der Situation wohlfühlen, dann überträgt sich das auch auf das Kind“, so Moosdorf. Entwickeln die Eltern hingegen im letzten Kindergartenjahr den Ehrgeiz, dass ihr Kind jetzt noch ganz viel lernen muss, erzeugt das einen massiven Druck auf die Kleinen. Hilfreich sind vielmehr positive Schilderungen der Schule, dem Kind erklären, dass selbst die Großen in bestimmten Situationen aufgeregt sind, und die Versicherung „gemeinsam schaffen wir das“. So von den Eltern bestärkt, können die Kleinen morgen beruhigt in das Abenteuer Schule starten.

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