Besser mieten als kaufen

Dieburg - Der Verein „Barrierefreies Dieburg“ hat sein Vorhaben gekippt, eine mobile behindertengerechte Toilette zu kaufen und sie bei Festen den hiesigen Vereinen für kleines Geld zu vermieten. Grund: Die Preise sind explodiert. Von Jens Dörr

„Mit Anhänger für den Transport lagen die Kosten bei unserer ersten Anfrage vor nicht allzu langer Zeit bei 13 .000 bis 14 .000 Euro“, sagt Eva Rosenau, Vorsitzende von „Barrierefreies Dieburg“. Nun habe man nicht schlecht gestaunt, als die Anbieter geeigneter Modelle in neuen Angeboten plötzlich an die 20 .000 Euro aufgerufen hätten. Den Preissprung konnte sich auch Rosenau nicht erklären, gleichwohl blieb er Fakt.

Aktuell verfügt der Verein „Barrierefreies Dieburg“, den in der Stadt schon einige Gönner mit Erlösen aus diversen Aktionen oder schlicht Spenden bedacht haben, über ein Guthaben von 3500 Euro. Mit diesem Geld soll unter anderem zwar auch weiter die Funkklingel subventioniert werden, die Dieburger Geschäfte für kleines Geld am Laden anbringen können - damit Kunden, die den Laden nicht ohne Hilfe zu betreten vermögen, auf sich aufmerksam machen können.

Stadtverordnetenbeschluss sei nicht nötig

Das Geld soll aber auch nach der Entscheidung gegen den teuren Kauf dazu beitragen, dass bei Dieburger Festen eine behindertengerechte Toilette Standard wird und körperlich eingeschränkte Menschen den Besuch aus Mangel dessen nicht scheuen müssen. Für Vereine, die künftig feiern, übernimmt „Barrierefreies Dieburg“ nahezu die kompletten Mietkosten für eine behindertengerechte Toilette. Vereine müssten voraussichtlich nur einen Bruchteil der Gesamtkosten, rund 60 Euro für ein ganzes Wochenende, selbst übernehmen, so Rosenau.

Sie teilt derweil mit, mit der Stadt überein gekommen zu sein, dass es ab 2013 eine Auflage geben werde, nach der Vereine bei allen öffentlichen Veranstaltungen in Dieburg für eine barrierefreie Toilette sorgen müssten. Ein Stadtverordnetenbeschluss sei nicht nötig, um das in Kraft zu setzen, fügt Rosenau hinzu.

Die Vorsitzende von „Barrierefreies Dieburg“ hat gegenüber dem DA derweil Zahlen auf den Tisch gelegt, die untermauern sollen, dass man sich keineswegs für eine nur sehr überschaubare Gruppe einsetze. Dieburg hat aktuell 15 .300 Einwohner. „Laut Zahlen des Statistischen Landesamts haben 1 400 Dieburger eine anerkannte Schwerbehinderung“, beziffert Rosenau. Eine Sonderparkgenehmigung wegen außergewöhnlicher Gehbehinderung besäßen in Dieburg – wie närrisch-passend – 111 Personen.

Im Schnitt seien acht Prozent der Bevölkerung Hessens schwerbehindert, in Dieburg liege die Quote bei 9,2 Prozent. Das hänge unter anderem mit den behindertgerechten Wohnmöglichkeiten in der Stadt zusammen. „Durch die Alterung der Bevölkerung wird das künftig eher noch zunehmen“, prognostiziert Eva Rosenau.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare