Vierte Dieburger Orgelmeile: Zu Fuß von Gotteshaus zu Gotteshaus

Besucherströme füllen Kirchen

In der Wallfahrtskirche begeisterten Andreas Boltz mit dem Vocalensemble vom Frankfurter Kaiserdom die Besucher.   J Foto: Scholze

DIEBURG - Voll besetzte Kirchenbänke: Das schaffte die 4. Dieburger Orgelmeile, über die bereits am frühen Samstagbend eine positive Bilanz gezogen werden konnte.

Diese erfolgreiche Musikveranstaltung, eingebettet in den Kultursommer Südhessen, ist einem Konzept zu verdanken, das leidenschaftliche Orgelmusik – gepaart mit anderen Instrumenten oder einem Vocalensemble – und kleine Spaziergänge von Kirche zu Kirche mit Verköstigung kombiniert.

Innerhalb von fünf Stunden hatten Musikliebhaber Gelegenheit, vier einzigartige und hochkarätige Konzerte zu erleben, für die sich die Türen der vier Dieburger Kirchen öffneten. Der große Zuspruch war nicht zuletzt der Qualität des Programms zu verdanken, das Richard Berg gemeinsam mit der Stadt zusammenstellte.

Das Auftaktkonzert um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Wolfgang übertraf alle Erwartungen: Mehr als 250 Besucher füllten das Gotteshaus. Bürgermeister Dr. Werner Thomas eröffnete die Veranstaltung und wies die Besucher auf die Namensgebung hin. „Der Weg von St. Wolfgang bis zur evangelischen Kirche beträgt 1,6 Kilometer und entspricht damit fast dem der englischen Meile mit 1,609433 Metern“, erklärte er. Dann begann die Konzertreihe mit Irith Gabriely (Klarinette), Hans-Joachim Dumeier (Orgel) und erstmalig dabei Riad Kheder (Percussion), die unter dem Motto „Kirche, Synagoge und Moschee“ Musikstücke spielten, die alle drei Weltreligionen in einem Konzert vereinten.

Weiter ging es in St. Peter und Paul, wo der Klang der Panflöte, gemischt mit dem der Orgel die Besucher berührten und begeisterten. Matthias Schlubeck, begleitet von Dietmar Mettlach spielten Stücke von Händel, Bach und Mozart. Schubeck ist einer der führenden Pan-Flötisten der Welt und offenbarte dem Publikum eindrucksvoll, wie man auch mit einer Contergan-Erkrankung sein Schicksal meistern kann.

Trotz einsetzenden Regens zwischen den Konzerten ließen sich die Besucherströme nicht abhalten und der Zuspruch der kurzfristig Interessierten, noch eine Karte zu erwerben, war groß. Um auf einige Nachzügler zu warten, begann das Konzert mit ein paar Minuten Verspätung, denn viele hatten keinen Schirm eingepackt und hasteten nun durch den Regen. In der Wallfahrtskirche erwartete das Publikum eine Darbietung des Vocalensemble am Frankfurter Kaiserdom unter der Leitung von Andreas Boltz, der ebenfalls die Begleitung an der mitgebrachten Orgel übernahm. Der Schwerpunkt der Darbietung lag auf Stücken von Hans Leo Hassler, der vor 400 Jahren verstarb. Dieses Konzert soll das letzte mit einer improvisierten Orgel sein, denn die neue ist bestellt und die Verantwortlichen sind sich sicher, dass diese zur nächsten Orgelmeile bereits zum Einsatz kommen kann.

Beim abschließenden Konzert in der evangelischen Kirche stand eine Kombination aus Orgel und Trompete auf dem Programm. Für Joachim Enders an der Orgel war es sozusagen ein Heimspiel, ist der ausgebildete Musikpädagoge, Diplommusiker und Konzertpianist doch ein gebürtiger Dieburger. Gemeinsam mit Manfred Bockschweiger bewiesen die beiden, wie man Orgel und Trompete sinnlich vereinen kann und entließen das Publikum mit einem glanzvollen Finale in die Nacht. J ves

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