Betonriese schleicht sich durch die Nacht

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Um die Teile in Dieburg an ihren Bestimmungsort zu bringen, waren aufwändige Vorbereitungen nötig

Dieburg - (ves)  In helles Licht getaucht war Samstagnacht die Baustelle am Bahnübergang in der Frankfurter Straße. Die Firma Max Bögl aus Aschaffenburg nutzte die späte Stunde für die Einpressung des südlichen Brückenteils, das für den neuen Tunnel unter die Gleise gesetzt werden soll. Dieses Brückenteil wird einmal als Tunneldecke für die geplante Unterführung fungieren.

Bauleiter Christof Benz und seine Mitarbeiter hatten schon monatelang auf den Einsatz hingearbeitet. Die Brückenteile, die es zu bewegen galt, wurden direkt an der Baustelle betoniert. Das kleinere der beiden Stücke, das dieses Wochenende auf der südlichen Seite bewegt wurde, wiegt rund 250 Tonnen und hat eine Größe von sechs auf 20 Metern. Das größere Stück wird nächstes Wochenende an seinen Platz gerückt und wiegt rund 400 Tonnen, bei einer Größe von zwölf auf 20 Metern. „Eine vergleichsweise kleine Aufgabe“, sagt Frank Deuerler, Projektleiter für Spezialtiefbau bei der Firma Bögl. „An der Baustelle der A3 haben wir Brückenteile mit bis zu 5000 Tonnen bewegt.“

Um die Teile in Dieburg an ihren Bestimmungsort zu bringen, waren aufwändige Vorbereitungen nötig. Entlang der Strecke, der die Unterführung einmal folgen soll, wurde beidseitig eine Bohrpfahlwand bis zu 25 Meter tief in den Boden gesetzt. Darauf wurden zwei dicke Stahlträger montiert, die für die Einpressung als Gleitlager dienen. Diese Träger wurden kurz vorm „Hauptakt“ mit Teflonfett eingeschmiert, um sie gleitfähiger zu machen. Angetrieben wurde das Betonstück durch zwei hydraulische Pressen, die das Brückenteil mit einem Druck von 250 Bar bewegten.

Um die Teile in Dieburg an ihren Bestimmungsort zu bringen, waren aufwändige Vorbereitungen nötig

Letzte Schweißarbeiten an den Pfählen erleuchteten die Nacht zusätzlich, alles wurde noch einmal aufs Genaueste geprüft - dann wurde es ernst. Zentimeter um Zentimeter schob sich der Betonriese auf den Trägern nach vorne. Nach rund einer Stunde war die vorgesehene Position erreicht. Brückenteil und Bohrpfahlwand wurden noch mit Beton verbunden.

„Zuerst haben wir das Gleis entfernt“, erklärte Deuerler die Vorgehensweise. „Jetzt verschieben wir das Brückenteil, befestigen darauf eine Behelfsbrücke und montieren das Gleis wieder. Ab Montag rollen dann schon wieder Züge drüber. Und nächste Woche machen wird das Gleiche auf der anderen Seite.“

Betonriese schleicht sich durch die Nacht

Trotz der späten Stunde hatten sich einige Passanten versammelt, um sich das Schauspiel zu betrachten. „Ich bin froh, dass wir uns das angesehen haben“, meinte eine Anwohnerin. „Es war sehr beeindruckend.“

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