Aktionstag für Goetheschüler zum Thema Sucht

„Betrunken“ am Bobbycarsteuer

„Besoffen“ am Steuer: Mit der „Rauschbrille“ auf der Nase war für die Goetheschüler selbst die Fahrt auf dem Bobbycar ein heikles Abenteuer.

Dieburg - (ula) „Hilfe, ich seh` alles doppelt“, schreit der Fahrer des kleinen roten Fahrzeugs. Gottlob ist sein Flitzer nur ein Kindergefährt und die Ursache der Sehschwierigkeiten nur Resultat einer Simulationsbrille. „Die Brille täuscht einen Vollrausch vor“, erläutert Petra Schmidt, Sozialarbeiterin an der Goetheschule.

Alkohol und illegale Drogen stehen an diesem Vormittag auf dem Lehrplan der Klasse 8a des Gymnasialzweigs. Zu diesem Zweck sind die Schüler mit Klassenlehrer Karl Rupp in das Jugendcafé ausgewichen. Mit der „Rauschbrille“ auf der Nase haben die Vierzehn- und Fünfzehnjährigen zunächst viel Spaß, „aber man fühlt sich auch sehr unsicher und hilflos“, ziehen die Jugendlichen anschließend Bilanz.

Der „Suchttag“ im Jugendcafé ist pragmatisch angelegt. Der Dieburger Polizeibeamte Ralf Drexelius unterstützt seine Ausführungen zu illegalen Drogen mit allerlei „Requisiten“: „Ich habe Dealerhandwerkszeug dabei, Kokainbesteck, eine Wasserpfeife…“, zählt er auf. Anhand von Fotos lernen die jungen Leute Drogen kennen. „Es gibt nichts Schlimmeres als ein gefährliches Halbwissen“, so Drexelius, der in ganz Südhessen Präventionsarbeit zum Thema „Drogen“ anbietet.

Seine Aufklärungsarbeit führt er nicht mit erhobenem Zeigefinger durch, sondern sucht den Dialog: „Keiner muss sich outen“, so der Polizist, wohl wissend, dass bereits Kids ab zwölf Jahren Erfahrungen mit unterschiedlichsten Drogen haben. Und leider müsse heute niemand mehr in die Großstadt reisen, um selbst harten „Stoff“ zu kaufen. Die Goetheschule setzt daher in Kooperation mit der Polizei auf Aufklärung.

„Gerade der Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft ist ein Phänomen, mit dem man umgehen muss. Diese legale Droge steckt sogar im Essen, in Medikamenten und Süßigkeiten. Da hilft es nichts, es zu verbieten“, weiß Petra Schmidt. In Zusammenarbeit mit den Schulzweigleit-ungen der Goetheschule erarbeitet sie ein Konzept, um Präventionsarbeit fest im Unterricht zu installieren.

Gewalt und Internet stehen bei den siebten Klassen auf dem Programm, die „Achter“ lernen Fächer übergreifend zum Thema Sucht und Essstörungen.

Ein Kompaktseminar wie an diesem Morgen soll insbesondere den Abschlussklassen aller Schulzweige angeboten werden. „Sucht ist ein ganz wichtiges Thema mit all seinen Facetten“, so Klassenlehrer Rupp, „ich bin froh, dass es an unserer Schule angegangen wird.“

In den Themenkomplex werden auch Videogames, Fernsehen, Internetsurfen und Zigarettenkonsum einbezogen.

Ob die Umfrage unter 20 Schülern der 8a repräsentativ ist? 13 Jugendliche schauen täglich fern, zehn surfen jeden Tag im Internet, 15 beschäftigen sich nie mit Videospielen. 17 Schüler verneinen auf dem anonymen Fragebogen den Konsum von Zigaretten, 13 das Trinken jeglichen Alkohols.

„Richtig besoffen war ich noch nie“, erklärt der Fahrer des kleinen roten „Bobby-cars“ mit der Rauschbrille auf der Nase.

Und vielleicht ist seine Erfahrung am Steuer mit simuliertem Vollrausch so eklatant, dass es auch dabei bleibt.

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