Einblick in eine Ära, die vor 700 Jahren begann

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Das barocke Messgewand zieht die Blicke der Besucher der Sonderausstellung im Museum auf sich..

Dieburg ‐  „In der Zeit zwischen 1310 und 1802 gehörte Dieburg zum Besitz von Kurmainz“, erläuterte Museumsleiterin Maria Porzenheim. 700 Jahre ist es her, dass die Kurfürsten von Mainz die Herrschaft in Dieburg übernahmen. Aus diesem Grund hatte der Verein Freunde und Förderer Museum Schloss Fechenbach Dieburg eine Sonderausstellung angeregt, die am Mittwoch im Schloss Fechenbach eröffnet wurde. Von Verena Scholze

Im Verlauf des Mittelalters wurde Dieburg also kurmainzisch und gleichzeitig zur Residenz zahlreicher Adelsfamilien. Die erste urkundliche Erwähnung der Dieburger Fastnacht war im Jahre 1508 und gilt als erster schriftlicher Beleg der langen Tradition. Von 1600 bis 1630 sind für das Erzstift Mainz Dokumente erhalten geblieben, die den Tod vieler Menschen dokumentieren, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen. In Dieburg wurden rund 60 Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1802 geht für die Stadt die Ära Kurmainz zu Ende, Dieburg geht in den Besitz von Hessen-Darmstadt über. Landgraf Ludwig X. erhält die Kurmainzer Gebiete in Südhessen, einschließlich Dieburg, zugesprochen.

Lothar Lammer übernahm die Recherchen

Das Wappen des Mainzer Erzbischofs Uriel von Gemmingen ziert heute noch das Gebälk des Fachwerkhauses am Markt 2

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand bereits letztes Jahr“, berichtete Stadt-Pressesprecherin Ulrike Posselt. Zu Beginn diesen Jahres wurde mit der Umsetzung und dem Zusammentragen der Artefakte begonnen. Historiker Lothar Lammer übernahm einen Großteil der Recherchen. „Ich habe das alles immer zwischendurch, neben meiner Arbeitszeit, erledigt“, sagte Lammer lächelnd. Zunächst verschaffte man sich einen geschichtlichen Überblick, dann begann man mit der Forschung nach entsprechenden Unterlagen in den Archiven. Auch vor Ort wurde recherchiert, denn man stößt in Dieburg immer noch auf die Zeichen der damaligen Zeit. So findet man am Haus Markt 2, der heutigen Textilreinigung, im Fachwerkgebälk das Wappen des Mainzer Erzbischofs Uriel von Gemmingen (1468-1514). Auch der „Mainzer Hof“ wird noch immer vom „Mainzer Rad“, dem kurfürstlichen Wappen, geschmückt.

„Was ist vom Fürstentum geblieben?“

Was ist von der Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz geblieben?“, sinnierte Bürgermeister Dr. Werner Thomas, der die Ausstellung eröffnete. Neben der „Mainzer Landstraße“ und dem „Mainzer Berg“ geht vor allem das Dieburger Stadtwappen auf Kurmainz zurück. „Es ist zwar ein modernes Wappen, das 1951 geschaffen wurde, zeigt jedoch den Diözesanheiligen des Bistums Mainz, Sankt Martin, in der bekannten Überlieferung, wie er seinen Mantel mit dem Bettler teilt“, so Thomas.

Die Sonderausstellung „Dieburg als Kurmainzer Amtsstadt“ im Museum Schloss Fechenbach ist bis zum 7. November zu sehen.

Auf der Zeittafel direkt zu Beginn der Ausstellung kann sich der Besucher einen Überblick über die Stadtentwicklung bis zum Jahre 1310 verschaffen. Auf anderen Tafeln findet der Besucher viele Hinweise auf Burganlage und Stadtbefestigung, auf zwei Dieburger als Kurmainzer Minister, die Hexenverfolgung in Dieburg, das Mainzer Rad und St. Martin, auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Zeit oder auf Dieburg als mittelalterliches Töpferzentrum. Auch Informationen über das frühere Erzbistum Mainz sind erhältlich.

Leihgabe als Besuchermagnet

Ein Besuchermagnet der Ausstellung ist ein barockes Messgewand aus dem 18. Jahrhundert. „Es handelt sich hier um eine Leihgabe der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul“, sagte Porzenheim. Aber auch viele andere geschichtliche Kleinode aus Stein, Papier, Ton, Holz oder auch ein Gemälde wird der Besucher beim Rundgang durch die Sonderausstellung entdecken.

Ab nächster Woche ist auch eine kleine Begleitbroschüre erhältlich, die es den Besuchern ermöglicht, die vielen Informationen in Ruhe nachzulesen. „Die Ausstellung ist so umfangreich, dass manche Schulen sie im Zuge des Geschichtsunterrichts besuchen könnten“, schlug Thomas vor.

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