Film über Verein „Barrierefreies Dieburg“

Blick durch Simulationsbrille

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Ein Filmteam dokumentierte die Arbeit des Vereins „Barrierefreies Dieburg“ in der Innenstadt.

Dieburg - Über den Verein „Barrierefreies Dieburg“ informiert ein neuer Film. Das Drehbuch kommt von Christina Sulu, Ehefrau von Lilien-Kapitän Aytac Sulu. Von Jens Dörr 

Erneut hat ein Filmteam Vertreter von „Barrierefreies Dieburg“ in der Innenstadt begleitet, um die Arbeit des Vereins zu dokumentieren. Besonderer Hintergrund: Am 17. September dürfen die Dieburger zum zweiten Mal nach Dezember 2015 bei einem Heimspiel des SV Darmstadt 98 Lose verkaufen und für die eigene Vereinsarbeit werben. Es winkt – dank der Unterstützung der Aktion durch die Unternehmensgruppe PEAK als Premiumsponsor der Lilien – wieder ein mittlerer vierstelliger Betrag. Und „Barrierefreies Dieburg“ hat schon wieder viele Pläne, wie man das Geld investieren könnte.

Zwei Mitarbeiter der Firma Profi Vox drehten am vergangenen Mittwoch im Auftrag von PEAK. Herauskommen und in etwa einer Woche veröffentlicht werden soll ein Film von einigen Minuten Länge, der dann auf der PEAK-Website, auf jener von „Barrierefreies Dieburg“, auf der Facebook-Seite des Vereins sowie beim Lilien-Heimspiel am 17. September gegen Bielefeld in einem Zelt am Merck-Stadion am Böllenfalltor veröffentlicht werden soll. Im Film zu sehen sind Miriam Eicke, neue Vorsitzende von „Barrierefreies Dieburg“, ihre Vorgängerin Eva Rosenau (nun Zweite Vorsitzende), die Vereinsmitglieder Elisabeth Förster und Elke Purmann, Bürgermeister Frank Haus sowie der Handbiker Henning Opper.

Das Drehbuch für den Vormittag hatte der Verein im Vorfeld von der Ehefrau von Lilien-Kapitän Aytac Sulu, Christina Sulu, erhalten, die für PEAK arbeitet. Zunächst ging es kreuz und quer über den Dieburger Marktplatz. „Wir haben vor allem die Piktogramm-Stele gegenüber der Volksbank gezeigt und auch den Zugang und das Innere der Bücherinsel“, sagte Eva Rosenau nach dem Dreh. Die „Bücherinsel“ sei in Sachen Barrierefreiheit vorbildlich gestaltet – nicht nur der Eingang, sondern auch die Rampe im Inneren, wo das Geschäft nach hinten ansteigt. „Das haben die alles zusammen mit dem Denkmalschutz gemacht“, lobte Rosenau und nutzte die Gelegenheit, um mit einem gerade unter Bauherren weit verbreiteten Vorurteil aufzuräumen: „Es stimmt nicht, dass der Denkmalschutz nur verhindert. Man kann sich mit ihm schon einigen.“

Eine weitere Szene – neben O-Tönen vor allem von der Vorsitzenden Miriam Eicke –entstand im Außenbereich des „Mephisto“: Dort setzten Eicke, Rosenau und Co. Simulationsbrillen auf, die darstellen, wie schwer beispielsweise eine Speisekarte mit Grünem oder Grauem Star zu lesen ist. Als Helferlein können dabei Apps wie „Mein unsichtbarer Freund“ dienen. Um für die Probleme Sehgeschädigter zu sensibilisieren, will „Barrierefreies Dieburg“ vom Erlös des nächsten Losverkaufs (beim ersten Mal kamen auch dank der Aufstockung durch PEAK 5 074 Euro für die Vereinsarbeit zusammen, vor allem für Funkklingeln und Rampen) einen Satz der Brillen anschaffen. Optik Hackenberg am Fastnachtsbrunnen würde die Brillen für den Verein einkaufen und zum Einkaufspreis von 275 Euro weiterreichen.

Angeschafft werden sollen auch spezielle Kopfhörer, die beispielsweise einen Tinnitus (oft durch große Lautstärke oder Medikamente ausgelöste Geräusche im Ohr, denen jedoch keine äußeren Schallquellen zugeordnet werden können) simulieren können. Hinzu gesellen soll sich ein Alterssimulations-Anzug, der dem Hineinschlüpfenden ein Gefühl dafür geben kann, wie beschwerlich mancher Weg für alte und gebrechliche Menschen ist. Den Plan, eine weitere Piktogramm-Stele zu beauftragen und zu installieren, gibt es ebenfalls. Als Standort hat der Verein den Bahnhof auserkoren.

Ein Teil des im September zu erwartenden Geldes könnte noch in die „Aktion gegen rücksichtloses Parken“ gesteckt werden: Hierbei verteilt der Verein Aufkleber, die vor allem an Autos aufgebracht werden sollen, die einen Gehwerk so zuparken, dass man mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen nicht vorbeikommt und auf die gefährliche Straße ausweichen muss. „Es können ja nicht die Schwächsten dafür büßen, dass die Autos immer größer werden“, meint Rosenau. Da stimmen ihr offensichtlich auch viele andere zu: „Die Aktion hat ein großes Echo ausgelöst.“ Viele fänden die Hinweise gut, nur vereinzelt sei gemault worden. Einer war gar so überzeugt davon, dass er dem Verein völlig unerwartet 1 000 Euro spendete. „Auch die Stadt Dieburg hat sich an der Aktion inzwischen mit 360 Euro beteiligt“, freut sich Rosenau.

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