Blockaden lösen in der „Behandelbar“

Bürgermeisterwahl: Renée Exner privat

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Was zieh’ ich an den tollen Tagen an? Diese Wahl hatte Renée Christian Exner an Fastnacht noch selbst getroffen, am 12. März ist er auf das Votum der Dieburger angewiesen. - Foto: Dörr

Dieburg - Wenn es Zweifel daran gab, dass die Fastnacht eine besondere Rolle im Leben von Renée Christian Exner spielt, dann hatte sie der 44-Jährige spätestens Anfang Februar beseitigt: Auf neun Großplakaten war der CDU-Bürgermeisterkandidat seither im Stadtbild vertreten – in drei Kostümierungen. Von Jens Dörr

„Es gibt ja auch ein Leben neben der Politik“, sagt er und meint nicht nur seinen Beruf als selbstständiger Physiotherapeut. Dazu gehört für Exner vor allem seine „Familienzeit“ mit Ehefrau Rosi, den Söhnen Patrick (27) und Marc (15) sowie Hündchen Lilly. Ob Billard oder Spaziergang, Eisessen oder Konzertbesuch – „wir machen fast alles gemeinsam“, sagt Exner. „Meine Familie ist meine größte Stütze und mein schärfster Kritiker.“ Wenn der Familienrat am großen Tisch tagt, „kann es schon mal lebhaft zugehen“, verrät er. „Aber man muss sich eben ehrlich die Meinung sagen und seinen Standpunkt vertreten.“ Das hätten er und seine Frau auch den Söhnen mitgegeben. Und am Ende finde man immer eine Lösung.

Wenn Exner seine Freizeit mal nicht mit der Familie verbringt, steht für ihn die Fastnacht sehr weit vorne. Besonders schätzt er die Straßenfastnacht, bei der er aufwändig kostümiert mit Freunden durch die Innenstadt zieht. Auch sonst kann er kaum durchs Städtchen gehen, ohne auf Freunde und Bekannte zu treffen und in Gespräche verwickelt zu werden. „Diese Direktheit liebe ich an Dieburg“, sagt Exner, der hier sein gesamtes Leben verbracht und „nie etwas vermisst“ hat, wie er sagt.

Die Kandidaten im Porträt:

Thomas Disser

Gottfried Fischer

Erik Marx

Frank Haus

Seine Bekanntheit nutzt Exner, um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Denn neben dem intensiven politischen Engagement für die CDU und der Narretei denkt er auch an jene, die es im Leben nicht so gut haben: Mit Gleichgesinnten stößt er wohltätige Aktionen an. So „rettete“ er etwa einst mit seinem Freund Gerd Allmann zugunsten der „Clowndoktoren“ die geschichtsträchtigen Bühnenbretter der inzwischen abgerissenen Ludwigshalle. Als im vergangenen Oktober erstmals die „Dieburger Musiknacht“ rund 1000 Menschen in die Stadtmitte lockte, flankierte Exner dieses Event mit seinen Freunden von den „Mammuts“ für einen guten Zweck: Zugunsten der örtlichen „Lebenshilfe“ verkaufte die Truppe das „Dieburger Nationalgetränk“ Hütchen.

Eines seiner früheren Hobbys dagegen hat Exner inzwischen zu seiner „Berufung“ gemacht, wie er es nennt: die Politik. „Anfangs war es noch eine Art Running Gag, wenn ich über Jahre hinweg ermuntert wurde, doch für den Posten des Bürgermeisters zu kandidieren“, erzählt er. Vor zwei Jahren allerdings sei in Absprache mit seiner Familie die Entscheidung gereift, „aus meinem zeitintensivsten Hobby meinen Beruf zu machen“. Daran, Ziele zu definieren und Lösungen zu finden, habe er bereits als Physiotherapeut alltäglich gearbeitet. „Diese Fähigkeiten nutze ich seit fast zehn Jahren kommunalpolitisch und möchte sie auch als Bürgermeister einbringen“, betont er. Die Kandidatur sei „die logische Konsequenz aus dem, was ich seit Jahren mache“.

Guten Gewissens habe das Mitglied von KVD, CDU, Heimatverein, Museums-Förderverein und Gewerbeverein die Entscheidung getroffen, weil er sein berufliches Lebenswerk im Erfolgsfall weiterführen ließe: „Ich würde die Praxis verpachten und einen Geschäftsführer einstellen. Auch meine Mitarbeiter blieben alle erhalten, meine Patienten müssten sich nicht umstellen.“ Und da Blockaden zu lösen seine Spezialität sei, könne er aus der „Ansprechbar“ des Noch-Bürgermeisters Werner Thomas die „Behandelbar“ machen, sagt Exner augenzwinkernd. „Nur, dass ich dann statt körperlicher Blockaden politische Probleme anpacke.“

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