Mordprozess am Landgericht

Bei der Bluttat in Dieburg doch Stimmen gehört?

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Die Spurensicherung nach der Tötung einer Seniorin am Tatort in Dieburg.

Dieburg/Darmstadt - Am sechsten Verhandlungstag des Prozesses um den Mord an einer 81-jährigen Rentnerin waren lediglich zwei Psychologen – darunter Ernst Ulrich Vorbach, der sich mehrfach mit dem Angeklagten Denny M. unterhalten hat – sowie einige Polizeibeamte als Zeugen geladen. Von Lars Herd 

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Gerade die Polizeibeamten waren teils nur wenige Minuten im Gerichtssaal, weil sie beispielsweise zur ersten Streife am Tatort gehörten und mit dem weiteren Verlauf der Ermittlungen wenig zu tun hatten. Außerdem war eine ältere Dame geladen, die im gleichen Haus wie das Opfer lebte beziehungsweise noch heute dort lebt.
Vorbach erzählte von der jüngsten Exploration (ein Gespräch) mit dem Angeklagten. Das habe am 9. Februar stattgefunden, nach dem zweiten Verhandlungstag. Die wurde zuvor abgebrochen, weil M. wieder Stimmen gehört habe. Bis zum ersten Prozesstag seien die Stimmen weggewesen, sollen erst wieder im Laufe des Tages zu hören gewesen sein. Zurückzuführen seien die Stimmen wohl auf Stress, den er während den Verhandlungen sicherlich hat.

Lange Zeit seien die Stimmen weggewesen, trägt Vorbach aus seinen Mitschriften vor, erst ein bis zwei Wochen vor der Tat seien sie wieder aufgetaucht und wieder lauter geworden. Die Stimmen höre er nicht als Gedanken in seinem Kopf, sondern wie normale Menschen direkt neben ihm. Auch melden sie sich zu belanglosen Themen, etwa welches T-Shirt er heute anziehen solle. Am Tag des Geschehens seien M. und die Mitangeklagte Jana F. zum Opfer in die Wohnung gegangen, um sie auszurauben, führt Vorbach seine Unterlagen weiter aus. Als er das Opfer festgehalten und sie angefangen habe zu schreien, sollen die Stimmen in M.s Kopf gesagt haben, er solle zustechen. Für diese Tat schäme er sich, wolle sich bei ihrer Familie entschuldigen, habe sich jedoch nicht getraut das zu tun.

Dass die Stimmen in seinem Kopf etwas mit der Tat zu tun gehabt haben sollen, habe M. in vorherigen Explorationen bereits bestritten, nachdem er sie in der ersten noch selbst erwähnt habe, erklärte Vorbach unlängst. Das habe M. nun jedoch wieder anders dargestellt. Die Stimmen seien in der Tat involviert gewesen. Er habe sie bestritten, weil er nicht in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt werden wollte. Er befürchtete, dass er dann seinen Sohn nicht mehr sehen dürfe. Außerdem habe M. von der Beteiligung der Mitangeklagten F. gesprochen. Unter anderem soll er gesagt haben, dass, wenn der Richter F. freispreche, M. zu ihm gehe und sagen werde: „Sie haben eine Mörderin freigelassen.“

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Gegen F. hat bereits ihr Ex-Freund ausgesagt, den sie am Tatabend besucht, ihm von dem Mord erzählt und ihn mehrfach mit einem Messer bedroht haben soll. Mit Dr. Andreas Spamer hat dessen Psychologe seine Aussagen verifiziert. So aufgewühlt, wie F.s Ex-Freund in den Explorationen gewesen sei, habe Spamer nicht den Eindruck, dass er etwas inszeniert habe, schließe es aus seiner eigenen Wahrnehmung gar komplett aus. Spamer habe das Gefühl gehabt, „er hatte wirklich Angst um sein Leben“.

Quelle: op-online.de

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