Brandtrauma: malerisch

Künstler Hans Peter Murmann in Aktion: Schon während der Arbeiten war ihm die Aufmerksamkeit der Passanten in der Fußgängerzone sicher. - Foto: Hager

Schafsmaler Hans Peter Murmann macht Haus Kolb. Von Lisa Hager

zum Kunstobjekt

Dieburg - Ungewiss ist, was auf dem Gelände des abgerissenen Steinmetzhauses passiert – derzeit klafft dort eine wüste Baulücke. Auch das NachbarHaus Kolb (Nr. 17) wurde bei dem verheerenden Brand am 22. Februar 2011 stark in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem ist die Wohnung im Obergeschoss unbewohnbar, das Ladengeschäft unten nicht mehr nutzbar. Viel Geld haben die Besitzer, Maria und Heinz Kolb, seitdem in das Gebäude gesteckt, um Schlimmeres zu verhindern. Die Hälfte der von der Brandversicherung bezahlten rund 200 000 Euro haben sie in den Wiederaufbau der ans Haus Steinmetz grenzenden stark beschädigten Mauer gesteckt. Eine Investition, die sich für die Eigentümer nicht gelohnt hat, wie Maria Kolb (74) sagt, denn: „Nachdem die Wände geöffnet waren, hörten wir vom Denkmalschutz, dass bei der Komplettsanierung in den Achtziger Jahren, für die es auch einen Denkmalschutzpreis gab, nicht alles fachgerecht gemacht wurde.“ Inzwischen schätzen Gutachter den Sanierungsbedarf auf 300 000 Euro. Eine Summe, die Maria Kolb und ihr drei Jahre älterer Mann nicht mehr stemmen können. Deshalb möchten sie das Haus verkaufen. „Uns bleibt nichts anderes übrig“, sagt Maria Kolb bedauernd – Nr. 17 ist das Elternhaus ihrer Mutter.

Bis eine Lösung gefunden ist, wollten die Kolbs aber ihr Haus mit den verbarrikadierten Schaufenstern und Türen nicht einfach so stehen lassen. Deshalb baten sie einen Freund, Schafsmaler Hans Peter Murmann, sich der freien Flächen anzunehmen. Und was da entstand, wird ein neuer Anziehungspunkt in der Fußgängerzone werden: Neben einem Anne-Sattig-Turm, aus dem eine Hexe ausfliegt, gibt es ein Anglerschaf, das das Schild „Kreisstadt Dieburg“ aus der Gersprenz zieht. Aber auch der Brandmorgen, den die Kolbs nie vergessen werden, wird malerisch verarbeitet.

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