Straßenkinderprojekt „Casa Do Menor“ besteht seit 25 Jahren / Dieburg trägt monatlich 10 000 Euro bei / Delegation reiste nach Brasilien

Brücke der Freundschaft führt nach Miguel Couto

Pater Renato (M.) und Pfarrer Alexander Vogl (r.) bei einer Messe in Miguel Couto. Repro: Just

Dieburg - . Rund zwölf Stunden dauert der Flug von Frankfurt nach Rio, was die Metropole am Zuckerhut weit weg erscheinen lässt. Von Michael Just

Doch die Freundschaft, die einst von Pater Renato und Pfarrer Manfred Gärtner geschaffen wurde, ließ die Entfernung zwischen Dieburg und Miguel Couto zumindest in den Herzen dahinschmelzen.

In diesem Jahr blickt das Straßenkinder-Hilfsprojekt „Casa Do Menor“ von Pater Renato auf sein 25-jähriges Bestehen. Das veranlasste die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul im Jubiläumsjahr nach Brasilien zu fliegen und die „Brücke der Freundschaft“ zu pflegen. Unter der Führung von Pfarrer Alexander Vogl trat die 25 köpfige Gruppe im Oktober zu ihrer Reise an. Mit zwei Bischöfen, zehn Priestern und weiteren 1 000 Menschen wohnte sie dem Festtag in Miguel Couto bei, zu dem eine große Messe samt Feierlichkeiten in einer Halle gehörten. Daneben war es auch das Ziel der Dieburger, die touristischen Ziele mit den Naturschönheiten Brasiliens zu erleben. Nur ein Höhepunkt: Die berühmten Wasserfälle von Iguazu.

Doch wie stellt sich das Hilfsprojekt nach 25 Jahren dar? „Derzeit werden rund 100 Kinder betreut“, sagt Rudolf Becker, der den Ausschuss Casa Do Menor bei St. Peter und Paul leitet. Früher seien es mehr gewesen, doch der Staat verfolge nun eine andere Strategie.

„Wurde die Hilfe einst auch Kindern von der Copacabana zuteil, musste das Engagement nun auf die Region und damit das Hinterland von Rio zurückgeführt werden“, erzählt Becker. Dazu begrenzten die neuen Auflagen die Verweildauer der Kinder im Heim auf zwei Jahre. Bis dahin müssen sie spätestens in eine Familie zurück.

Dass der Staat nun stärker auf den Plan tritt, bringt eine Reihe von Fragezeichen mit sich. So weiß niemand in Dieburg und in Miguel Couto, wie sich die Zukunft entwickelt. Das bisher ungewohnte Engagement der Behörden sieht Becker nicht unbedingt negativ. Kritisch betrachtet er aber die aufkommende Bürokratie, die Pater Renato bis dato noch durch seine guten Kontakte abfedern konnte.

Unter dem Strich beobachten die Dieburger Helfer in den letzten Jahren eine positive Entwicklung, nicht nur des Straßenkinderprojekts, sondern auch des Landes selbst. So seien in Brasilien die Folgen des wirtschaftlichen Aufschwungs unverkennbar. Viele Dinge ließen sich nicht mehr mit denen vor fünf oder zehn Jahren vergleichen - etwa was geteerte Straßen oder die Müllbeseitigung angeht.

Hinzu kämen die Fußball-WM als auch die Olympischen Spiele mit teils einschneidenden Konsequenzen: „In Rio soll nun aufgeräumt werden“, weiß Pfarrer Alexander Vogl. Die Folgen für das Umland brächten neben Licht auch Schatten: „Die Mafia zieht sich ins Ländliche zurück und rückt damit auch Casa Do Menor näher.“ Ein weitere Negativentwicklung der letzten Jahre: Die Drogenproblematik ist mit einem Einstiegsalter von gerade mal elf Jahren eher gestiegen als zurückgegangen.

Die Dieburger Gelder - stolze 10 000 Euro im Monat - fließen in den Betrieb und die Sozialarbeit von Casa Do Menor. Was die Ausstattung und Renovierung der in letzten 25 Jahren geschaffenen Gebäude angeht, sind andere Hilfsorganisationen zuständig, denn durch seine Emsigkeit konnte der italienisch stämmige Pater Renato mittlerweile auch eine breite Unterstützung aus seiner Heimat, der Schweiz, Frankreich oder Monaco gewinnen.

Und wie geht es mit der „Brücke der Freundschaft“ weiter?

„Die 10 000 Euro monatlich aus Dieburg soll es weiterhin geben. Für die nächsten zwei Jahre ist dieses Niveau sicher gestellt“, sagt Becker. Neue Ziele und Projektideen formuliere man aber nicht, auch im Hinblick auf das Alter von Pater Renato, der bald das 70. Lebensjahr erreicht. Dazu sei eine Ausdehnung nicht möglich, weil St. Peter und Paul in Indien oder Afrika noch weitere Projekte unterstützt.

Die 10 000 Euro kommen nicht nur aus der Dieburger Bevölkerung, sondern aus der gesamten Region. Im Boot sitzen hier Privatspender wie Organisationen gleichermaßen. Der weiteste Spender kommt aus der Schweiz. Mittlerweile ist Pfarrer Manfred Gärtner bereits seit elf Jahren tot, sein Projekt lebt trotz vieler Veränderungen weiter. Für den Ausschuss-Vorsitzenden ein Verdienst des unvergleichlichen Monsignore Manfred Gärtner: „Er hat es geschafft, die Hilfe nicht nur an an seine Person zu binden, sondern ausgehend von der Pfarrgemeinde auf die ganze Region auszuweiten.“

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