Brunnen aus Römerzeit

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Im Aushub des Straßenanschlusses vom Bahnhof zum neuen Tunnel wurden zwei römische Brunnen entdeckt.

Dieburg - „Gibt es jetzt einen Baustopp am Tunnel?“ Diese Frage beschäftigte diese Woche Dieburger, die Zeuge eines überraschenden römisches Fundes auf der Großbaustelle geworden waren. Von Lisa Hager

„Nein, keine Sorge“, sagt Ralf Klausmann, Grabungstechniker der Außenstelle Darmstadt der archäologischen Denkmalpflege Hessen. Er ist zwar als Fachmann begeistert von den zwei mit schweren Holzbrettern gefassten römischen Brunnen, die bei Erdaushubarbeiten entdeckt wurden. Den Fortgang der Arbeiten am Tunnel, wo derzeit die Anbindung vom Bahnhof her gebaut wird, beeinträchtigen die aufgetauchten Relikte aus der Römerzeit nicht. Die Trasse des künftigen Anschlusses der Straße „Am Bahnhof“ in die tiefer liegende Unterführung kann weiter gebaut werden. Am Montagvormittag haben Klausmann und seine Mitarbeiter die letzten Teile der beiden Brunnen geborgen.

Grabungstechniker Ralf Klausmann und Archäologiestudentin Jenny Berndt.

„Bis zum heutigen Tag sind die Brunnen, deren unteren Eichenteile im Grundwasser standen, hervorragend konserviert“, sagt der Archäologe, der in Dieburg kein Unbekannter ist. Nur die oberen Teile sind verrottet. In einem der quadratischen Kastenbrunnen steckten sogar noch Eichenfässer, bei denen Boden und Deckel entfernt waren. Damit hatten die römischen Bewohner eine Art Wasserleitungsröhre.

Die beiden Brunnen an dieser Stelle sind nicht die ersten Relikte aus der Römerzeit, die man während der Bauarbeiten an der Bahnunterführung gefunden hat. Schon im vergangenen Jahr war man wenige Meter weiter östlich auf einen Brunnen im Abschnitt der Trasse für die Frankfurter Straße gestoßen. Es stand sogar noch ein Bronzegefäß auf dessen Brüstung, das derzeit restauriert wird.

Allerdings ist der Fund nördlich der römischen Stadtmauer - sie verlief ungefähr in Höhe von Marienplatzkreisel und Minnefeld - doch ungewöhnlich. Klausmann schließt daraus, dass hier außerhalb der eigentlichen Stadt, rund 150 Meter von der römischen Civitas entfernt, eine weitere Siedlung gewesen sein muss.

Lediglich Scherbe und alter Holzdeckel gefunden

Oft geben Brunnen viel Aufschluss über die Lebens- und Ernährungsweise der ursprünglichen Bewohner: Versiegten die Wasserspender wurden sie oft als Abfallgruben genutzt. „Die Brunnen hier aber sind weitgehend leer“, so Klausmann. Lediglich einige Scherben und ein alter Holzdeckel wurden gefunden.

Eine dendrochronologische Untersuchung der Jahresringe des Holzes - es wurde damals frisch verarbeitet - soll jetzt eine genauere Datierung bringen. Der Experte schätzt das Alter der Brunnen aufs zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus.

Dass man an dieser Stelle noch weitere spektakuläre Funde macht, hält Klausmann für unwahrscheinlich. Beim Fund der Jupitersäule in einem römischen Brunnen auf dem Altstadtgelände im Jahr 1998 hatte wohl Göttin Fortuna kräftig mitgeholfen.

Quelle: op-online.de

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