Stadtbibliothek zieht um

Bücherreigen im ehemaligen Tanzsaal

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Die Atmosphäre des alten Tanzsaals lässt sich nun wieder in dem Gebäude in der Schlecker-Passage erahnen, in das zum Jahresende die Stadtbibliothek umziehen soll.

Dieburg - „Jetzt spürt man wieder die Atmosphäre des alten Tanzsaals“, schwärmt Architekt Per Brauneck über das Gebäude in der Passage in der Zuckerstraße, in das Ende des Jahres die Dieburger Stadtbibliothek umziehen soll (wir berichteten). Von Laura Hombach 

Von den verborgenen Schönheiten, die sich nun wieder dem Auge des Betrachters offenbaren, ließ sich zu Zeiten der Schlecker-Filiale wenig erahnen. Seit den Siebziger Jahren bis zur Insolvenz des Unternehmens hatte eine Filiale der Drogeriemarktkette hier ihren Sitz. Niedrige Decken, wenig Tageslicht und sachliche Regalreihen gaben den Ton an. Selbst der Besitzer des historischen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert, in dem zunächst ein Tanzsaal und später ein Kino beheimatet war, wusste nicht, was sich unter abgehängten Decken und Verschalungen verbarg. Alte Baupläne für das Gebäude gibt es nicht, erläutert Brauneck, der mit seiner Firma für Architektur und Innenausstattung Pullmann aus Groß-Umstadt den Umbau des Gebäudes geplant und die Ausführungen der Arbeiten betreut hat.

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Schmökern in der Zuckerstraße

So ergaben sich im Zuge der Arbeiten auch viele Überraschungen. Brauneck schildert, wie beim Abriss der von Schlecker auf einer Höhe von 2,30 Meter abgehängten Decke immer weitere eingezogene Decken zum Vorschein kamen, die eine nach der anderen abgetragen werden mussten, bis der alte Tanzsaal mit seiner ganzen Raumhöhe freigelegt war. Auch ein alter Rundbogen im Innenbereich des Gebäudes wurde bei den Arbeiten entdeckt und ist jetzt wieder zu bewundern. Weniger erfreulich war hingegen die Entdeckung eines Kellers, von dessen Existenz niemand etwas ahnte. Wegen der besonderen Statik, die für den Fußboden der künftigen Stadtbibliothek erforderlich ist, musste eigens eine neue Decke in das Gebäude eingegossen werden. Trotz der Komplikationen liegen die Arbeiten voll im Zeitplan.

Auch ein Platz für Kleinkinder und Schulanfänger

Dass in dem nun tageslichtdurchfluteten Gebäude einmal Neonlicht beschienene Drogeriemarkt-Tristesse herrschte, kann man sich kaum noch vorstellen. Betritt man den Hauptraum der künftigen Stadtbibliothek, fällt der Blick auf hohe, bereits weiß getünchte Wände. An der Vorderseite des Gebäudes schwebt in luftiger Höhe ein großflächiger Balkon, auf dem ein Büro für die Bibliotheksmitarbeiter eingerichtet werden soll. Hatte man zunächst vermutet, dass der Balkon ein Relikt aus jener Zeit ist, als das Gebäude als Kino genutzt wurde, geht man nun nach den Funden bei den Innenarbeiten davon aus, dass der Balkon bereits zu Tanzsaal-Zeiten einen Blick aus luftigen Höhen auf das Geschehen im Parkett ermöglichte. Auch rechts und links des großen Veranstaltungsraumes habe es wohl damals eine Galerie gegeben, erklärt Kulturamtsleiterin Ulrike Posselt.

Bis zu den Umbauarbeiten kaum zu erahnen waren auch die drei schmucken Rundbogenfenster auf dem Balkon: Sie waren zugemauert und nur einige Glasbausteine ließen ein wenig Licht hindurch. Nach dem Abtragen der Steine und dem Einbau neuer Fenster kann man nun vom Balkon wieder den Rundbogenblick von einst genießen. Das Tageslicht, das durch die großzügigen Fenster fällt, sorgt auch für lichte Gefühle im darunter liegenden Hauptraum. Dem Balkon gegenüber liegt die ehemalige Bühne des Veranstaltungssaals. Sie wurde mittels einer Rampe barrierefrei gestaltet. Hier sollen künftig die Jugendliteratur sowie die Computerarbeitsplätze für die Nutzer der Bücherei zu finden sein. Auch Kleinkinder und Schulanfänger sollen ihren eigenen Bereich bekommen und so gleich die für sie passende Lektüre finden.

Nutzung ab Ende des Jahres

Blick vom Balkon auf den luftigen neuen Bibliotheksraum samt Bühne, auf der die Computerarbeitsplätze und Regale mit Jugendliteratur ihren Platz finden sollen.

Im Eingangsbereich, der auf der Fläche des ehemaligen Dönerladens entstanden ist, besteht nach der Fertigstellung nicht nur die Möglichkeit, seine Garderobe zu deponieren. Sitzgelegenheiten und eine Auswahl an Zeitschriften sowie die Möglichkeit, einen Kaffee oder andere Getränke zu sich zu nehmen, laden zum Verweilen, Blättern und Schmökern ein. Die Arbeiten im Gebäudeinneren sind fast fertiggestellt. Lediglich der Fußboden muss noch verlegt und ein Geländer an der Bühne angebracht werden. Bis Ende des Monats sollen auch diese Arbeiten ausgeführt sein. Bis Mitte September wird es indes noch dauern, bis auch das Gerüst an der Außenseite des Gebäudes verschwindet: Dann hat das Bibliotheks-Schmuckstück auch ein neues Dach erhalten.

Die neuen Räumlichkeiten einzurichten, ist dann Sache der Stadt, die das Gebäude anmietet. Theke, Regale, Sitzgelegenheiten und auch ein Teil der EDV sollen neu angeschafft werden. Die Ausschreibungen laufen bereits. In Weiß und Lichtgrau sollen die Regale gehalten werden, zugleich sollen sie mobil sein, so dass man sie für Veranstaltungen zur Seite rollen kann, erläutert Posselt. Farbakzente sollen mit Mobiliar in Apfelgrün gesetzt werden. Rund 100.000 Euro sind dabei für die Einrichtung, 27.000 für die EDV und 25.000 Euro für die Anschaffung neuer Medien vorgesehen. Vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst kann die Stadt dafür mit einem Zuschuss von rund 70.000 Euro rechnen.

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Ende diesen Jahres oder zumindest gleich zu Beginn des neuen Jahres dürfen dann auch endlich die Leser die neue Stadtbibliothek nutzen. Damit sie das ausgiebig tun können, werden auch die Öffnungszeiten erweitert. Montags bis donnerstags ist die Bücherei von 13 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 13 Uhr und am ersten und dritten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Statt den 196 Quadratmetern Fläche in der Goethestraße bietet das neue Bibliotheksdomizil dann 370 Quadratmeter Entfaltungsspielraum. Und den Nutzern das schöne Gefühl, in einem ganz besonderen Dieburger Schmuckstück auf Schatzsuche nach Büchern und Co. gehen zu können.

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