Ein Bürgermeister für alle Dieburger sein

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Den Fragen von Moderatorin Lisa Hager stellten sich die Bürgermeisterkandidaten Dr. Werner Thomas (parteilos) (l.), Dr. Harald Schöning (CDU) und Ferdinand Böhm (SPD) (r.).

Dieburg ‐ Ein Bürgermeister für alle Dieburger wollen sie sein, darin waren sich die drei Kandidaten für den Posten des Dieburger Verwaltungschefs bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung am Dienstagabend einig. Von Laura Hombach

Weshalb sie der Richtige für den Job sind und wie sie zu drängenden Themen der Kommunalpolitik stehen, wollte die Moderatorin des Abends und Redaktionsleiterin des DIEBURGER ANZEIGERs, Lisa Hager, von den Herren auf dem Podium wissen. Rund 350 Bürger waren in die Ludwigshalle gekommen, um sich selbst ein Bild von den drei Kandidaten zu machen. Am 27. März können die Bürger darüber entscheiden, ob sie dem derzeitigen Bürgermeister Dr. Werner Thomas (parteilos), Dr. Harald Schöning (CDU) oder Ferdinand Böhm (SPD) ihre Stimme geben wollen.

Die große Bedeutung von steigenden Gewerbesteuereinnahmen und die damit verbundene Wichtigkeit der Wirtschaftsförderung, die Notwendigkeit zum Sparen, der Wunsch, ausreichend seniorengerechten Wohnraum und Sporthallenplätze zur Verfügung zu stellen - im Großen und Ganzen waren sich die drei Kandidaten auf dem Podium bei vielen wichtigen Themen einig. So einig, dass ein Bürger aus dem Publikum ganz verzweifelt darum bat, sie sollten doch einmal deutlicher Position beziehen, ihre Aussagen seien einander so ähnlich, dass er überhaupt nicht wisse, wen er denn nun wählen solle.

Neue Ideen zur Haushaltssanierung gab es keine

Rund 350 Bürger verfolgten die Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten.

Ob Bau des Sportzentrums, den alle drei Kandidaten prinzipiell befürworten (aber nicht um den Preis neuer Schulden) oder die Ansiedlung neuen Gewerbes, um die für die Stadt so wichtigen Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen - die Haushaltslage war immer wieder Thema. Wie man es bewerkstelligen könnte, den Dieburger Haushalt, der zur Zeit mit knapp 8 Millionen Euro in den Miesen steht, wieder auszugleichen, war wohl eine der auch für das Publikum interessantesten Fragen, die Moderatorin Hager an ihre drei Gesprächspartner hatte. Thomas hatte vor wenigen Wochen eine Initiative ins Leben gerufen, durch die Dieburg in zehn Jahren schuldenfrei werden soll. Das seien alles nur Worthülsen monierte Böhm. Er forderte den Bürgermeister auf, zu sagen, wo er Einschnitte vornehmen wolle. Aus dem Handgelenk könne er keine Ideen präsentieren, die entsprechende Arbeitsgruppe habe erst einmal getagt, so Thomas. Als Möglichkeiten zum Sparen führte er aber einen weiteren Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit und eine stärkere Einbindung des Ehrenamts an.
Weitreichendere Ideen zur Sanierung des Haushalts hatten auch Böhm und Schöning nicht parat. Schöning rechnete vor, dass die Stadt allein bei den laufenden Ausgaben pro Jahr rund 3,5 Millionen über den Einnahmen liege. Da bei den laufenden Ausgaben nicht gestrichen werden könne, sei der einzige Weg, der langfristig aus den roten Zahlen heraushelfe, die Erhöhung der Einnahmen.

Böhm schlug vor, den Haushalt Posten für Posten noch einmal durchzugehen. Der Bürger müsse dann sagen, auf welche Wohltaten er verzichten wolle. Klar sei aber auch, dass es mit der SPD keine weiteren Gebührenerhöhungen geben werde.

Noch nicht fertiggestellt, aber mit ihren Mehrkosten von 1,8 Millionen Euro schon eine Veröffentlichung im Schwarzbuch wert, ist die Römerhalle. Dass solche Mehrausgaben bei künftigen Bauprojekten durch professionelles Controlling verhindert werden sollen, beantworteten alle drei Kandidaten übereinstimmend eine entsprechende Frage des im Publikums sitzenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Andreas Will.

Wie soll die Römerhalle vermarktet werden?

Uneinigkeit herrschte indes darüber, wie die künftige Dieburger Stadthalle vermarktet werden soll. Schöning sprach sich gegen einen professionellen Hallenmanager aus. Dieser koste nur zusätzlich Geld, das wiederum durch Veranstaltungen in der Halle erwirtschaftet werden müsse. Das widerspräche aber dem Anliegen, die Kosten für die Nutzung der Halle für Dieburger Vereine möglichst niedrig zu halten.

Das sah Böhm genau anders herum: Seiner Ansicht nach bedarf eine Halle solcher Größenordnung eines professionellen Managements, um die Zuschüsse in Grenzen zu halten. Thomas erklärte, es sei Aufgabe der Verwaltung, die Beschlüsse des Parlaments (das sich gegen einen Hallenmanager entschieden hatte) umzusetzen. Man müsse die Dinge nun erst einmal beobachten und dann entscheiden, ob eventuell noch Hilfe dazu geholt werden müsse.

Zuschauerin Ingeborg Steffens, Vorsitzende des Seniorenbeirats, kritisierte die Überlegungen, das für seniorengerechtes Wohnen vorgesehene Gelände der Ludwigshalle an den Fitnessstudiobetreiber Prinz Michael zu verkaufen. An dieser Stelle seniorengerechtes Wohnen zu ermöglichen, sei ihnen stets Anliegen gewesen, beteuerten alle drei Kandidaten.

Zum Schluss noch einmal Werbung in eigener Sache 

Und in der Tat scheint das prinzliche Angebot inzwischen vom Tisch zu sein. Der Stadt läge ein neues Angebot eines Investors vor, der seniorengerechte Wohnangebote auf dem Ludwigshallengelände anbieten wolle, konnte Thomas vom neuesten Stand der Dinge berichten.

Nach Beantwortung der von der Moderatorin vorgegebenen Fragen und zahlreicher Nachfragen aus dem Publikum, blieb noch die Antwort auf die Frage aller Fragen: „Warum gerade ich der richtige Bürgermeister für Dieburg bin“.

„Nach 20 Jahren in der Kommunalpolitik traue ich mir das Amt zu“, erklärte Böhm. Er versprach, als Bürgermeister über den parteipolitischen Tellerrand zu schauen. Auch Schöning verwies auf seine zehn Jahre im Dieburger Parlament. „Ich kenne die Themen, die in Dieburg brennen“, erklärte Schöning. Er sei der Richtige für das Amt des Bürgermeisters, weil dieser nicht als Einzelkämpfer agieren könne. Damit gab er das richtige Stichwort für den amtierenden Bürgermeister.

Thomas forderte dazu auf, ihn an seinen Leistungen der letzten sechs Jahre zu messen. Er habe in dieser Zeit gezeigt, dass ein Bürgermeister durchaus ohne den Rückhalt einer Partei agieren könne.

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