Bürgermeister aus brennendem Rathaus gerettet

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Vom Rauch schon ganz geschwächt: Bürgermeister Dr. Thomas Werner wird aus seinem Amtszimmer „gerettet“.

Dieburg -  Ein lauter Knall kommt vom Rathaus, die samstäglichen Einkäufer auf dem Markt erschrecken und schauen hinüber: Von der Galerie im ersten Stock steigt Rauch auf. Aber da kommen sie schon, die roten Wagen der Feuerwehr. Den Fahrzeugen entspringen allerdings nicht die bekannten markigen Gestalten der Dieburger Feuerwehr, sondern sehr viel kleinere Ausgaben von Einsatzkräften. Von Ulrike Bernauer

Ihre erste 24-Stunden-Übung hatte der Feuerwehrnachwuchs am Samstag: 14 Jungen und ein Mädchen strömen aus den Wagen, bauen sich davor auf und hören sich von ihrem Leiter eine Einschätzung der Lage an. „Feuermeldung mit Person im Gebäude“, so stellt sich die Gefahrenlage dar. Trotz Wochenende arbeitet Bürgermeister Dr. Werner Thomas im Rathaus.

Schläuche werden ausgerollt, Verbindungsstücke angeschlossen und zwischendurch knallt es wieder so laut, dass alle Umstehenden zusammenfahren - mittlerweile hat sich auch eine Menge Schaulustiger eingefunden. Der Bürgermeister zeigt sich kurz am Fenster und ruft um Hilfe.

Das Dieburger Rathaus brennt! Das war am Samstag die Annahme für die erste 24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr.

Während die Schläuche für den Wasserangriff ausgerollt werden, macht sich ein anderer Trupp auf den Weg ins Rathaus, um dort die Lage zu erkunden. Langsam tastet sich die Gruppe vor, bis sie zum Amtszimmer des Bürgermeisters gelangt. Der ist ansprechbar, aber schon etwas rauchgeschädigt und wird deshalb vorsichtig von den jungen Feuerwehrleuten aus dem Rathaus geleitet. Glücklicherweise ist die Treppe noch frei. Die Wasserversorgung ist nun aufgebaut, mit drei Schläuchen haben die Nachwuchsfeuerwehrleute den Löschangriff auf das Rathaus gestartet. „Wasser, marsch“, heißt es allerdings nicht lange. Als der Bürgermeister wohlbehalten aus dem Rathaus kommt, gibt Jugendfeuerwehrwart Marius Graute den Befehl zum Beenden der Übung. Die Kinder und Jugendlichen stellen sich in einer Reihe auf und es gibt Manöverkritik. Für viele der Jungen ist es die erste Übung, die sie absolviert haben. Auch für das einzige Mädchen, Lara Nolte, die seit rund einem Vierteljahr Mitglied bei der Jugendfeuerwehr ist. „Es hat Spaß gemacht“, erklärt die Elfjährige. Über einen Bekannten ist sie zur Feuerwehr gekommen.

Ganz schön schwer ist der Schlauch für den zehnjährigen Sehuayb Abdi

Sehuayb Abdi ist auch erst seit kurzem dabei, durch eine Werbeaktion der Jugendfeuerwehr an der Schule ist er mit seinem älteren Bruder dazu gestoßen. Alte Hasen sind dagegen Kevin Koch und Fabian Hagen. Sie sind schon mehrere Jahre dabei. Die beiden 16-Jährigen freuen sich schon darauf, in die Einsatzabteilung zu kommen. In einem guten Jahr ist es soweit. Immer noch stehen die Jungen im blauen Rock aufgereiht, da kommt Dr. Thomas mit zwei Jacken über dem Arm. Neue Allwetterjacken, die gegen Regen schützen und ein einknöpfbares Winterfutter haben, hat der Magistrat den Nachwuchskräften spendiert. „Ich bin froh, dass sich unsere Feuerwehr so gut um den Nachwuchs kümmert“, sagt Thomas. Er will auch zum abendlichen Grillen aufs Feuerwehrgelände kommen, der Magistrat hat für kräftigendes Fleisch gesorgt. Aber vorher wartet noch eine Menge Arbeit auf die Jugendlichen. Noch mehrere Einsätze haben sie heute vor sich. Allerdings nicht am Dieburger Krankenhaus, das ist nur ein Gerücht, das die erwachsenen Feuerwehrmänner gestreut haben. Unter anderem wird es eine Übung mit der Jugendfeuerwehr von Münster an der John-F.-Kennedy-Schule geben und zum Abschluss in der Dämmerung eine Personensuche. „Dann hoffe ich, dass die Kinder und Jugendlichen todmüde in ihre Feldbetten fallen“, lacht Jugendfeuerwehrwart Graute. Nach einem kräftigen Frühstück am Sonntag haben sie dann ihre erste 24-Stunden-Übung hinter sich gebracht.

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