DGB fordert: Dieburg muss mehr Ausbildungsplätze bereitstellen / Unmut im Rathaus über das Vorgehen

Bürgermeister sieht die Stadt „voll im Soll“

Anja Willmann (Jugendbildungsreferentin DGB Südhessen) (v. r.), Erhard Krocker, Horst Raupp (Gewerkschaftssekretär DGB Südhessen), Thomas Bischoff (Vorsitzender DGB-Ortsverband Dieburg) und Edgar Hirsch (Elternbeirat der berufl. Schulen Kreis) gingen für mehr Ausbildungsplätze auf die Straße.

Dieburg - (hov) Von einem „Armutszeugnis für die Stadt Dieburg“ war an einem Infostand des DGB-Ortsverbandes Dieburg auf dem Marktplatz in der letzten Woche die Rede.

Und von „Ignoranz gegenüber der Zukunft von Jugendlichen“. Den Anlass für solch deutliche Worte erläutern der DGB-Ortsverband Dieburg, der DGB Region Südhessen und die verdi-Jugend in einer Pressemitteilung: „Die Gewerkschafter/innen kritisieren scharf den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dieburg, die Zahl der Ausbildungsplätze bei der Stadt zu reduzieren: Schließlich bietet die Stadt Dieburg als eine der größten Städte im Landkreis pro Jahr ohnehin nur einen einzigen Ausbildungsplatz an – das ist schon beschämend genug. Jetzt soll es noch schlimmer kommen: Künftig will die Stadt nur noch jedes zweite Jahr einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen. Dieser Beschluss ist ein Armutszeugnis für die Dieburger Mehrheitsfraktionen CDU und FDP.“ Horst Raupp, Gewerkschaftssekretär DGB Region Südhessen, DGB-Jugendbildungsreferentin Anja Willmann und DGB-Ortsverbandsvorsitzender Thomas Bischoff appellieren an die Vorbildfunktion der Politik: „Junge Menschen haben ein Recht auf Zukunft und Perspektive – gerade auch in der Krise. Es kann nicht hingenommen werden, dass die Stadt Dieburg Millionen an Zuschüssen aus dem Konjunkturprogramm des Bundes und des Landes erhält und damit einen neuen Kreisel baut und in Beton investiert und gleichzeitig die Ausbildung herunterfährt.“ Die Kommunen müssten mit gutem Beispiel vorangehen und verstärkt Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. „Stattdessen setzt die Stadt mit Maßnahmen wie der Erhöhung der Kindergartenbeiträge oder der Streichung der Windelsäcke oder von Zuschüssen für Wohlfahrtsverbände genau die falschen Signale“, sagt Horst Raupp.

Angesichts solch drastischer Worte hat Bürgermeister Dr. Werner Thomas „keine Lust mehr, irgendwas dazu zu sagen“, und redet sich dann doch schnell in Rage: „Ich halte es für fahrlässig, wie die Stadt da attackiert wird, ohne dass der DGB sich vorher auch nur einmal bei mir gemeldet oder erkundigt hat“, sagt er. Fünf Auszubildende stünden bei der Stadt derzeit im Dienst, drei davon als angehende Verwaltungsfachangestelle in der Verwaltung, je ein weiterer in der Kläranlage und beim Gartenbauamt. Im letzten Jahr seien sogar auf eine ausgeschriebene Stelle zwei Bewerber eingestellt worden, weil beide „sehr überzeugend waren“, ergänzt Claudia Kaiser vom Personalamt. Schließlich sei die Stadt auch noch Mitglied im Ausbildungsverbund des Landkreises – ein weiterer Azubi absolviere daher ein Drittel seiner Ausbildung zum Bürokaufmann in Dieburg. „Mehr Kapazität haben wir auch gar nicht“, so der Bürgermeister. „Ich sehe uns voll im Soll.“

60 Angestellte arbeiten in der Kernverwaltung im Rathaus, insgesamt stehen derzeit knapp 140 Mitarbeiter im Dienst der Stadt. Ein Drittel davon hat bereits als Auszubildende dort begonnen. „Das muss man auch mal bedenken, dass wir unsere Azubis fast immer übernehmen, das ist auch nicht selbstverständlich“, betont Kaiser.

Mögen die Forderungen des DGB nach mehr Ausbildung und der Sparzwang der Stadt momentan als unvereinbare Gegensätze erscheinen, so ist doch ein zartes Licht am Ende des Tunnels zu sehen: Dem Magistrat liegt jetzt ein Vorschlag der Verwaltung vor, im nächsten Jahr zwei neue Ausbildungsplätze bei der Stadt zu besetzen.

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