„Bebauung ist so grün wie möglich“

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Nach den Rodungsarbeiten auf dem Campus-Gelände steht nun das Aufräumen an. Die Grünen wollen indes geklärt wissen, wie es zu der Fällung von im Bebauungsplan als zu erhaltend ausgewiesenen Bäumen gekommen ist.

Dieburg - Die Flächen für das Neubaugebiet auf dem Dieburger Campusgelände sind gerodet, in den ehemaligen Wohntürmen der Fachhochschule haben die Abbrucharbeiten begonnen. Von Laura Hombach

Noch Ende Dezember 2011 hatte die regionale Investorengemeinschaft „ARGE Campus Dieburg GbR“ den Kaufvertrag für die Flächen im Nordosten Dieburgs unterzeichnet. Erfreuliche Neuigkeit bei der Vertragsunterzeichnung war, dass die beiden Unternehmer Christian Früchtenicht und Kevin Aumann aus Babenhausen beim Weiterverkauf der von ihnen erschlossenen Grundstücke an Privatleute auf möglichst großzügige Grundstückszuschnitte setzen wollen. Waren für das Gelände mit rund 5,8 Hektar Nettobauland und rund 0,8 Hektar Mischgebiet schon einmal bis zu 180 Wohneinheiten vorgesehen gewesen, sollen es nach Planung der Babenhäuser Investorengemeinschaft lediglich bis zu 120 Wohneinheiten werden.

„Wir haben zum Wohle der Stadt und der Anwohner auf dieses risikoreiche Vermarktungskonzept gesetzt“, erklärt Christian Früchtenicht. Doch der Erfolg bei der gut laufenden Vermarktung der Grundstücke gibt dem Konzept recht und auch die Bauarbeiten sind ganz im Zeitplan. Eine Anfrage der Grünen wirft jetzt allerdings einen Schatten auf die bisher für alle Beteiligten so erfreuliche Entwicklung.

Bebauungsplan hatte Erhalt der Bäume festgelegt

Auf dem Bebauungsplan für das Campusgelände sei der Erhalt von einzelnen Bäumen im gesamten Bereich festgelegt worden, so die Grünen. Die Fraktion hätte bereits im Verlauf der Rodungsarbeiten darauf hingewiesen, dass die zum Erhalt ausgewiesenen Bäume nicht geschützt würden und um sofortige Schutzmaßnahmen gebeten. Leider habe man jetzt feststellen müssen, dass zwischenzeitlich fast alle Bäume, die erhalten hätten werden müssen, gefällt wurden, so die Grünen. Mittels ihrer Anfrage wollen die Grünen unter anderem erfahren, ob der Bauherr durch die Stadtverwaltung aufgefordert worden sei, die rund ein Dutzend Bäume zu schützen.

Früchtenicht erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, der Erhalt der Bäume sei technisch nicht machbar gewesen. Der Magistrat habe daraufhin eine außerordentliche Genehmigung zur Fällung der Bäume erteilt. Bei der gerodeten Fläche habe es sich um einen Waldverbund gehandelt, erläutert Früchtenicht. Würde ein solcher gerodet, sei es problematisch, einzelne Bäume stehen zu lassen. Ein vorher von anderen Bäumen umgebener Baum wachse sich ganz anders aus als ein schon immer alleinstehender Baum. Daraus ergebe sich die Frage der Standsicherheit. Hinzu käme noch, dass bei der Erschließung des Geländes der Kanal an den Bäumen hätte vorbeigelegt werden müssen. „Dabei hätten wir die Wurzelmasse der Bäume geschädigt“, so der Investor. Der Erhalt von bestehenden Bäumen sei bei Bauprojekten häufig technisch nicht möglich. Trotzdem soll der Park-charakter des Neubaugebietes auf keinen Fall verloren gehen. „Die Bebauung ist so grün wie möglich“, versichert Früchtenicht und verweist auf die großzügigen Grundstücke, die dank der Reduzierung auf 120 Wohneinheiten für grüne Freiflächen sorgen. Auch Ersatzpflanzungen seien vorgesehen.

Magistrat genehmigte nur Fällung weniger Bäume

Die Stadtverwaltung hatte wiederholte Anfragen unserer Zeitung zu den gefällten Bäumen zunächst nicht beantworten wollen. Die Stadt habe diesbezüglich die „ARGE Campus Dieburg GbR“ um Stellungnahme gebeten. Da diese noch nicht erfolgt sei, wolle man sich nicht äußern. Die Aussage Früchtenichts, der Magistrat habe die Fällung genehmigt, wollte Bürgermeister Dr. Werner Thomas dann allerdings nicht unkommentiert lassen. Der Magistrat habe lediglich die Fällung von vier bis fünf Bäumen genehmigt, schränkt Thomas ein.

Während es in Sachen gefällter Bäume wohl noch Klärungsbedarf gibt, gehen die Arbeiten auf dem Campus-Gelände weiter. Anfang dieser Woche wurde mit den Abbrucharbeiten an den ehemaligen Wohntürmen begonnen. Die Gebäude werden zunächst entkernt. Bis zur Niederlegung der Türme werden sich diese Arbeiten wohl über das ganze Jahr erstrecken, so Früchtenicht. Parallel dazu werde mit den Erschließungsarbeiten für das neue Baugebiet begonnen.

Quelle: op-online.de

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