Campus: Einsprüche gegen Bebauungsplan

Dieburg (jd) ‐   Eins vorweg: Die Interessengemeinschaft „IG Campus 80“ - benannt nach der Nummer des Bebauungsplans - hat sich keinesfalls zum Ziel gesetzt, die Bebauung des südlichen Campus-Areals (der DA berichtete mehrfach) zu verhindern. „Es ist lediglich unsere Absicht, die Belastungen für die Anwohner auf ein erträgliches Maß zu reduzieren“, formuliert es die IG.

Zwar sei das eigentlich Aufgabe der Behörden, von denen fühlen sich die Bewohner der umliegenden Straßen im Dieburger Osten aber nicht in allen Punkten ausreichend vertreten. Das führe „zwangsläufig zu Einsprüchen“, heißt es seitens der „IG Campus 80“ - die eben solche eingelegt hat.

Zum Ende der Offenlegung des Bebauungsplans Nummer 80 machte die Gruppe, für die unter anderem Fritz Tutt, Jürgen Kaufhold, Elisabeth Endres, Regina Johannes und Wolfgang Thomas sprechen, bei einem Pressegespräch die wichtigsten Anliegen deutlich.

Ein „Verkehrschaos“ sei „vorprogrammiert“

Die wohl größte Sorge: das Verkehrsaufkommen. Dieser Widerspruch wird unter anderem mit 48 Unterschriften von Bürgern, die direkt entlang der Max-Planck-Straße wohnen, untermauert. Die IG moniert, die im Bebauungsplan getroffenen Annahmen würden auf falschen Schätzungen beruhen - hinsichtlich der Qualität und der Quantität des Verkehrs, der während und nach der Bauphase auf das Gebiet zukomme. Ein „Verkehrschaos“ sei „vorprogrammiert“. Der IG liege eine „seriöse Schätzung“ - dessen Quelle die Interessengemeinschaft indes nicht preisgibt - vor, die 120 000 Tonnen Abraum prognostiziere. Hieße Lkw auf Lkw, der den Bauschutt vorwiegend über die Max-Planck-Straße abtransportieren werde. Hinzu kommen die ohnehin bereits 100 Busbewegungen am Tag - schließlich besitzt der Campus eigene Haltestellen in der Straße. Weiterhin kommen der Individualverkehr, später unter Umständen auch noch gewerblicher Verkehr und der Kundenverkehr hinzu.

„Eine Anbindung an die nur 80 Meter vom Campus entfernte Kreisstraße K 128 würde diese Belastung nachhaltig verringern“, nennt die IG ihren - nicht neuen - Wunsch. CDU, FDP und UWD machten in der Stadtverordnetenversammlung bereits ihre Zustimmung deutlich, während SPD und Grüne unter anderem aus Umweltschutzgründen gegen die Straße sind. In letzter Instanz genehmigen kann das Parlament den Bau, für den es einen separaten Bebauungsplan (Nummer 82) gibt, indes nicht. Das weiß auch die IG, die dennoch erwartet: „Die Koalition soll auf dieser Linie bleiben.“ Stimme in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag (24.) eine Mehrheit für Bebauungsplan Nummer 82, würde das einen Schub für das Genehmigungsverfahren bedeuten.

„Telekom-Wäldchen“ als „sehr wertvoll“ eingestuft

Weitere Sorge vieler Anwohner: das Grundwasser. Im Gebiet rund um den Campus verhindere eine Lehmschicht den Regenwasserabfluss, gebe es ein leichtes Gefälle von Groß-Umstädter Straße Richtung „Am Forst“ und Campus. „An der Grenze zwischen diesen Geländeabschnitten hat ein Grundwasserrückstau oft schon zu Wasseraustritten in Garagen und Kellern der Wohnhäuser geführt“, schildert die IG. Das würde zunehmen, wenn die angrenzenden Grünflächen überbaut würden und die Wasseraufnahme durch den Boden somit reduziert würde. Deshalb wird ein unabhängiges Gutachten gefordert.

Ein weiterer Widerspruch richtet sich gegen die geplante Rodung des „Telekom-Wäldchens“. Es werde aufgrund seiner Tier- und Pflanzenvielfalt als „sehr wertvoll“ eingestuft. Die Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle seien unzureichend.

Die IG hat zudem Einspruch gegen die Annahme eingelegt, dass die verfügbaren Parkplätze ausreichten. Im Falle einer Ansiedlung von Einzelhandelsgeschäften könne es knapp werden. Schon jetzt seien die Theaterveranstaltungen in der Hochschul-Aula bei den Anwohnern „gefürchtet“, weil diese mit einem „Parkplatzchaos“ einhergingen. Nach ursprünglichen Hoffnungen sollten die Veranstaltungen zumindest teilweise in die „Römerhalle“ umziehen. Aufführungstermine sind aber noch nicht bekannt, obwohl die Halle im Sommer eröffnen soll.

Rubriklistenbild: © Häsler

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