Posten des Stellvertreters noch offen

Carsten Hammer ist neuer Stadtbrandinspektor

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Carsten Hammer (links) tritt die Nachfolge von Sven Weyrauch als Stadtbrandinspektor an.

Dieburg - Als schwierige Angelegenheit erwies sich die Wahl der neuen Stadtbrandinspektoren: Mit einem denkbar knappen Ergebnis hievten die Aktiven der Dieburger Wehr Carsten Hammer ins Amt. Von Michael Just 

Die Wahl eines Stellvertreters kam durch das Patt von Ja- und Nein-Stimmen nicht zustande. Es war vergangenen Monat, als der damalige Stadtbrandinspektor Sven Weyrauch zu einem Paukenschlag ausholte: Aufgrund von Differenzen mit Bürgermeister und Magistrat über die materielle Ausstattung der Blauröcke samt mangelnder Kommunikation kündigte er an, sein Amt niederzulegen. Die Jahreshauptversammlung am Freitag im Stützpunkt sah deshalb auch das Finden eines Nachfolgers für Weyrauch vor. Wie Bürgermeister Dr. Werner Thomas, der als Wahlleiter auftrat, unterstrich der vollzählig erschienene Magistrat die Bedeutung des Amtes, dessen Inhaber als Bindeglied zwischen Wehr und Stadt fungiert. Frank Haus, Dieburgs künftiger Verwaltungschef, hatte die Einladung an den Altstädter See ebenfalls angenommen. Neben dem Sammeln von Wissen für seine baldige Aufgabe als Dienstherr der Wehr trat er unterstützend als Wahlhelfer auf.

Mit Carsten Hammer brachten die Vorschläge nur einen Kandidaten hervor. Das Votum für den 39-jährigen Brandmeister, der das Amt für ein Jahr kommissarisch begleiten soll, fiel denkbar knapp aus: Mit 31-Ja- und 28-Nein-Stimmen wurde zwar ein Nachfolger gefunden, trotzdem rief das Ergebnis Fragen hervor. Hammer, der als IT-Projektleiter arbeitet und erst vor fünf Jahren nach Dieburg zog, interpretierte die Wahl nicht als Vorbehalt gegen seine Person: „Einige Kameraden hätten gerne einen Protest gegenüber der Stadt damit ausgedrückt, dass das Amt erst einmal unbesetzt bleibt“, erklärte er. Diese Ansicht teile er nicht. So sei die gegenwärtige Situation nun mal vorhanden und habe für ihn keinen Grund dargestellt, nicht anzutreten. „Eine Verweigerung ist wenig sinnvoll. Außerdem hat es die Mannschaft verdient, dass es weitergeht“, ergänzte Hammer.

Langjährige Mitgliedschaften aktiver und ehemals aktiver Kameraden ehrte die Wehr im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung. Unser Bild zeigt von links Winfried Storck, Thomas Krehl, Klaus Weber, Wolfgang Schwöbel, Reinhold Bormuth, Kreisbrandinspektor Ralph Stühling und Bernd Beilstein.

Während seine Ernennung mit knapper Mehrheit zustande kam, scheiterte die beim Stellvertreter durch ein Kuriosum: Auf Sebastian Habicht fielen 30 Ja- und ebenso viele Nein-Stimmen. Die Wahlverantwortlichen zeigten sich daraufhin erst mal unsicher, wie mit diesem Ergebnis umzugehen ist. Nach dem Wälzen von Verordnungen auf Papier und im Internet stand fest: An diesem Abend wird es keinen neuen Stellvertreter geben. Das muss in einer weiteren Versammlung passieren. Für diesen Verlauf hatten einige Mitglieder aus der Alters- und Ehrenabteilung nur Kopfschütteln parat: „Sowas gab es bis jetzt noch nicht“, hieß es mit Unverständnis. Gemeint war damit nur das Wahlergebnis, denn 2009 trat Stadtbrandinspektor Willi Enders mit dem gesamten Vereinsvorstand samt Feuerwehrausschuss ebenfalls zurück. Die Gründe von damals sind identisch mit den aktuellen von Weyrauch. „Auch 2009 wurden unter dem selben Bürgermeister Absprachen verletzt und Anschaffungen nicht umgesetzt“, sagte Enders rückblickend.

Die Jahreshauptversammlung war mit den Grußworten von Bürgermeister Thomas und Kreisbrandinspektor Ralph Stühling gestartet. Thomas dankte den Aktiven für die nicht einfache Arbeit, die jüngst beim Brand in der Dieburger Römerstraße mit der Bergung einer Toten evident wurde. Stühling berichtete von 2 609 Aktiven in den Einsatzabteilungen des Landkreises. Als bedenklich nannte er die Zahl von derzeit nur 50 Übertritten aus den Jugendbereichen in die Einsatzabteilungen. Früher habe diese Zahl im Kreis bei 180 bis 200 pro Jahr gelegen. Zwar könnten sich laut Stühling Kinder- und Jugendwehren nirgendwo über Zuspruch beklagen, das Gros höre aber vor dem Erwachsenenalter wieder auf. Hier müsse versucht werden, die Floriansjünger langfristig bei der Stange zu halten.

Sehen lassen können sich die Zahlen der Dieburger Jugendwehr: In seinem Bericht verwies Jugendfeuerwehrwart Florian Schledt auf 27 Mitglieder, darunter vier Mädchen. Vier Übertritte in die Einsatzabteilung wurden vermerkt. Die Alters- und Ehrenabteilung zählt laut Reinhold Bormuth 18 Mitglieder. Für ihre vorbildliches Engagement in der Einsatzabteilung durften sich am Freitag Florian Feigk, Tim Beilstein, Fritz Robin Hammann, Jens Schröter, Bernd Beilstein und Stephan Auer über die Anerkennungsprämie des Landes Hessen freuen. Befördert wurden Sebastian Resch, Martin Niehof, Maurice Beck und Lukas Siebart zum Feuerwehrmann, Steffen Acker und Lars Sturmfels zum Oberlöschmeister, Christoph Mielke zum Brandmeister und Heiko Hara zum Hauptbrandmeister.

Aktive und ehemalige Aktive, die dieses Jahr ein Jubiläum begehen, gibt es acht an der Zahl. Dazu gehören Marcus Siebart und Bernd Beilstein (25 Jahre) sowie Klaus Weber, Winfried Storck, Richard Vater und Thomas Krehl (40 Jahre). Auf 50 Jahre blickt Reinhold Bormuth während Wolfgang Schwöbel und Lothar Kaiser seit 60 Jahren der Wehr die Treue halten.

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