Chancen, aber auch Anforderungen gestiegen

Dieburg (mj) - Zahlreiche Eindrücke sammelten eine Woche lang die Schüler der Anne-Frank-Schule (AFS). Fünf Tage lang ging es von Betrieb zu Betrieb, um die Arbeitswelt hautnah kennen zu lernen.

Dabei stand ein Besuch in der Schreinerei Fäth, der Vollkornbäckerei, Sauer & Sohn Motorentechnik, dem Volkswagen OTLG-Lager oder dem Großkonzern Procter & Gamble (ehemals Wella) in Darmstadt an.

Erst der Freitagnachmittag erwies sich als entspannter: Zwar wurden beim Schulfest alle Firmenbesuche und Ergebnisse nochmals präsentiert, dennoch rückte die Geselligkeit in den Vordergrund.

Mit dem Verlauf der Projektwoche zeigte sich Förderschullehrer Thomas Tramer zufrieden. Zusammen mit den Praktika stellen die Besuche einen wichtigen Bestandteil der Berufsorientierung seiner Schüler dar. Da es sich bei der AFS um eine Einrichtung zur Lernhilfe handelt, ist dies nicht einfach.

Vor allem Förderung der Tugenden wichtige Sache

Viele Schüler haben am Ende nur den Förderschulabschluss in der Tasche, der noch unter dem Hauptschulabschluss liegt. „Vor allem die Förderung der Tugenden, wie Durchhaltevermögen, sind bei uns eine ganz wichtige Sache“, erzählt der Pädagoge.

Derzeit sind die Chancen auf eine Lehrstelle für die AFS-Schüler wieder besser, da es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gibt. Dennoch: „Parallel sind auch die Anforderungen gestiegen“, weiß Tramer.

Um die Chancen für eine Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern, gibt es neuerdings den berufsorientierten Förderschulabschluss. Dabei wählen die Förderschüler zusätzlich eine Projektarbeit mit einem bestimmten Thema aus. Vor einer Prüfungskommission findet dann eine Bewertung statt. Das Gremium schaut auf Inhalt, Präsentation oder Teamarbeit. „Wer darin ein gutes Ergebnis hat, kann seinen Förderschulabschluss deutlich aufwerten“, so Tramer. Damit lasse sich der Übergang zum Hauptschulabschluss oder in die Lehre erleichtern.

Sowohl die Lehrer der AFS als auch das Schulamt zeigen sich derzeit als äußerst bemüht, die Lernhilfeschüler zu vermitteln. Der weiterführende Weg kann eine Lehrstelle, eine Berufsgrundbildungsjahr oder die Übernahme bei den Berufsbildungswerken in Karben, Worms oder Mosbach am Neckar sein.

Am Wochenende nach Hause zur Familie

Bei zehn bis zwölf jungen Menschen der insgesamt 110 Schüler der Anne-Frank-Schule gelingt jährlich eine Vermittlung und damit ein erfolgsversprechender Abgang. Zu den besonderen Optionen zählen die Berufsbildungswerke in den oben genannten Städten. Wie in einem Internat lässt sich hier mit sozialpädagogischer Unterstützung sowie diversen Freizeitangeboten ein Beruf erlernen. Das geht über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahre. Am Wochenende geht es nach Hause zur Familie. Die Eingliederungsmaßnahme wird vom Arbeitsamt mitfinanziert.

Das Angebot ist aber nicht für jedermann offen: Nur wer sich als geeignet und motiviert zeigt, bekommt von den Beratern den Zugang bewilligt. „Wer das durchhält, darf sich freuen: Er hat eine Berufsbildung“, so Tramer.

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