Christlicher Geist, Mut zur Moderne

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Markus Bazan, der Bevollmächtigte des Vorstands der St. Rochus Stiftung, gestern beim Fest am Altenheim.

Dieburg -  Die Botschaft aus Mainz hörte man gerne: „Die Zukunft des Krankenhauses in Dieburg ist sichergestellt“, sagte Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann beim gestrigen Festakt, mit dem man 125 Jahre Klinik und zehn Jahre Altenheim in Trägerschaft der St. Rochus Stiftung feierte. Von Lisa Hager

Ein kleines Krankenhaus wie hier habe durchaus seine Chance, betonte er und erinnerte an die große Tradition der Einrichtung, die aus Bürgerengagement heraus entstand. „Es ist eine Bürgerstiftung, es ist also Ihre Stiftung und soll immer mit der Bevölkerung verbunden bleiben“, sagte Giebelmann.

Dank für das Engagement gab es von Dr. Werner Thomas, der daran erinnerte, dass Giebelmann schon vor Jahren vor dem Magistrat versprochen hatte, das Krankenhaus „offensiv zu sanieren“ und Wort gehalten hatte. „Vielleicht schaffen wir es ja und feiern in ein paar Jahren ein noch größeres Fest: Die Eröffnung des neuen Seniorenzentrums auf dem Konviktsgelände“, erinnerte er an die zweite große Herausforderung, die noch ansteht.

Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann bei seiner Ansprache. Im Hintergrund der Musikverein St. Peter und Paul.

Und in dem Zusammenhang wurde auch diese Botschaft von den rund 100 Festgästen, die im Zelt vor der Sommersonne Schutz gefunden hatten, wohlwollend aufgenommen. „Immer mehr Menschen wollen in den eigenen vier Wänden alt werden“, sagte Markus Bazan, Bevollmächtigter des Vorstands der Stiftung, der durchs Programm führte. „Und diese Wünsche sollen auf dem Konviktsgelände berücksichtigt werden. Wir müssen und wollen beim Konzept für das Konvikt mit der Zeit gehen.„ Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning sicherte im Gegenzug die Unterstützung der weltlichen Macht Dieburgs für die „endlich greifbaren Pläne für das Konviktsgelände“ zu: „Die Stadtverordnetenversammlung wird dem Projekt keine unnötigen Steine in den Weg legen. Sie können sich unserer Unterstützung sicher sein.“ Pfarrer Alexander Vogl betonte, dass das Krankenhaus aus dem christlichen Geist heraus, Kranke und Leidende zu pflegen, entstanden sei. „Die Umstände im Gesundheitswesen machen es uns nicht einfacher“, sagte er. Umso wichtiger bleibe der christliche Ansatz. Man brauche aber auch „Mut zur Veränderung, um sich attraktiv für die Zukunft aufzustellen“. Bazan erinnerte zum Abschluss des vom Musikvereins Peter und Paul umrahmten Festakts daran, dass vor kurzem ein Förderverein für die St. Rochus Einrichtungen gegründet wurde. „Essen und trinken Sie gut“, riet er daher den Festgästen, „das kommt auch dem Verein zugute.“

Hier geht´s zur Homepage des Dieburger Krankenhauses St. Rochus.

Der gestrige Festtag hatte mit einem Gottesdienst und anschließender Prozession zur Rochuskapelle am Krankenhaus begonnen. Nach einem Stehempfang im Hof der Klinik wurde später vor dem Altenheim in der Gerhart-Hauptmann-Straße weitergefeiert. Auch für die kleinen Gäste war gesorgt: Sie konnten sich in der Hüpfburg austoben oder sich schminken lassen. Einige der Altenheimbewohner beobachteten das bunte Treiben teilweise vom Rollstuhl aus. „Die Kleinen brauchen noch kein Seniorenzentrum“, sagte eine ältere Dame beim Zugucken an der Hüpfburg.

Inflation

Die Küsterin von St. Peter und Paul hat den Bürgermeister beim Gottesdienst am Morgen noch dran erinnert: Es gebe seit Jahrhunderten den Brauch, dass das weltliche Oberhaupt der Stadt am Tag des Heiligen Rochus den Kirchenvätern einen Obulus entrichte. „Ich hatte davon schon gehört“, sagte Dr. Werner Thomas gestern beim Fest am Altenzentrum. Nachforschungen im Stadtarchiv hätten aber nichts ergeben. Er stellte sich der Tradition dennoch und überreichte dem Klerus vier Flaschen Wein - so sei es üblich gewesen. Da hatte er aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. „Als guter Kaufmann muss ich sagen, dass Sie die Inflation nicht einberechnet haben“, scherzte Markus Bazan, Bevollmächtiger des Vorstands der Rochus-Stiftung. „Das müssten heute mehr sein."

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