Comeback von Dieburgs größtem Musik-Event

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Der neue Vorsitzende des Vereins „Schallkultur“, Daniel Sündermann (26, links), beratschlagt mit dem „alten Hasen“ Martin Völker (29).

Dieburg (jd) ‐  Schon Anfang des Jahres wurde die Botschaft verkündet: Dieburgs größte Musikveranstaltung feiert ihr Comeback.

Nach einer Pause im vergangenen Jahr gibt es 2010 wieder das vor allem bei jungen Leuten beliebte Festival „Traffic Jam“ auf dem Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker nördlich der Bahnlinie. Am 16. und 17. Juli ist es soweit – an beiden Tagen werden insgesamt wieder rund 6 000 Menschen mit langen Haaren und schwarzen Klamotten Stadtbild und Industriegebiet prägen. Wobei die meisten Musikfans an beiden Tagen abrocken zu den überwiegend harten Klängen: Rund 2 000 Camping-Tickets stehen zum Verkauf. Beim letzten „Traffic Jam“ waren sie ausverkauft.

Dass das kulturelle Highlight wieder Festival-Hopper aus der ganzen Republik und einigen Nachbarstaaten wie den Niederlanden nach Dieburg lockt, ist unter anderem der Verdienst von Martin Völker: Der Sohn der Fahrschul-Inhaberin gehört seit den Anfängen zum „Traffic Jam“-Team – vor zwölf Jahren gab es die erste Musikveranstaltung. „Das lief noch im beschaulichen Rahmen ab“, erinnert sich Völker, der zu dieser Zeit mit seiner Band „Outrage“ spielen wollte und dazu drei befreundete Gruppen einlud. Kaum 300 Leute kamen damals – doch aus diesem Mini-Festival entwickelte sich das für Dieburger Dimensionen riesige Event.

In diesem Jahr sind 20 Gruppen dabei

Nach und nach weitete sich „Traffic Jam“ aus, erweiterte sich auf zwei Tage, zog mehr und mehr Besucher an und erhöhte die Anzahl der Bands. In diesem Jahr werden an beiden Tagen zusammen 20 Gruppen auftreten, jeweils um 14 Uhr erklingen die ersten Gitarren-Riffs. Verschiedene Gründe hatte es, als der harte Orga-Kern von zehn Leuten im Jahr 2005 entschied, den Verein „Schallkultur“ eintragen und als offiziellen Ausrichter des Festivals fungieren zu lassen. „Der Verein sollte uns einfach eine Struktur geben“, sagt Völker. „Außerdem konnten wir von da an Spendenquittungen ausstellen.“

Lange Zeit war Martin Völker Vorsitzender, auch wenn er dessen basisdemokratisches Verhalten betont. Das erstreckt sich bis hin zur Auswahl der Newcomer-Bands, denen das Festival neben etablierten Größen der Alternative-Szene – im Rahmen des engen Budgets – eine Plattform bieten soll.

In diesem Jahr ist Völker zwar noch immer wichtiges Mitglied im Team und Zweiter Vorsitzender von „Schallkultur“. Der 29-Jährige hat das Amt des Vorsitzenden inzwischen aber an den 26-jährigen Daniel Sündermann weitergegeben. „Er ist couragiert und besonnen genug, um das Amt auszufüllen“, ist Völker von seinem Nachfolger überzeugt. Und lobt ihn als „manchmal fast etwas zu bescheiden“. Denn immerhin leiste er ungemein gute und wichtige Arbeit, vor allem aber: ungemein viel. „Das Festival ist ein Riesen-Aufwand – dennoch lieben wir das, was wir tun.“

Fast habe man sich auch im vergangenen Jahr noch durchgerungen, ein Festival auf die Beine zu stellen, erzählt Sündermann unterdessen. Letztlich habe man sich aber doch zur Pause entschlossen, nach zuvor zehn Jahren ununterbrochener Arbeit. Inzwischen ist das gesamte Team auf mehr als 30 Personen angewachsen, die sämtlich zwischen 16 und 30 Jahren alt sind. Gelebter Einsatz jugendlichen Engagements, wobei nicht nur Dieburger das „Traffic Jam“ stemmen. „Als der inzwischen leider verstorbene Mario Löbig das Jugendzentrum in Münster in die Hand nahm, bekam das einen besonderen Flair und auch wir Dieburger sind da häufig hin“, sagt Völker. So entstand nach und nach eine Zusammenarbeit mit jungen Münsterern, aber auch Eppertshäusern und Umstädtern. Die Macher des Spektakels sind durch Studium und Arbeit inzwischen zudem ins Umland, etwa nach Mainz, verstreut worden.

Traffic Jam als Feierstunde für die Freundschaft

Bis zum 16. Juli gibt es noch etliches an Arbeit zu verrichten, ehe gefeiert werden kann: Die Auswahl der Bands aus den 500 Bewerbungen ist zwar fast abgeschlossen, doch geht es weiter um Sponsoren, Gastronomie, Bühnentechnik und vieles mehr.

Man lege außerdem Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Dieburger Ordnungsamt, damit die Spuren einer solchen Großveranstaltung im Rahmen blieben. Mit Gewalt gebe es ohnehin keine Probleme, das Publikum sei friedfertig, sind sich Völker und Sündermann einig.

Trotz Strapazen und „enormem“ Druck (Völker) fallen „Schallkultur“-Chef Sündermann viele Gründe ein, weshalb sich der ehrenamtliche Einsatz für das als nicht-kommerziell bekannte Festival mit seinen günstigen Preisen lohnt: „Es ist schön, etwas auf die Beine zu stellen. Und nicht zuletzt würden wir uns ohne das ,Traffic Jam’ kaum noch sehen. Wir feiern damit in erster Linie unsere Freundschaft.“

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