Neue Maßnahmen eingeleitet

Corona-Lage im Landkreis Darmstadt-Dieburg spitzt sich weiter zu

Zuschauer verfolgen ein wegen Corona verordnetes Fußball-Geisterspiel beim SC Hassia Dieburg vom Zaun aus
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Fußball-Zaungäste: Weil wegen der hohen Corona-Zahlen im Kreis Darmstadt-Dieburg bei Amateursportveranstaltungen seit vergangener Woche keine Zuschauer mehr zugelassen sind, haben diese Besucher das Bundesligaspiel der A-Junioren (Süd/Südwest) zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem 1. FC Nürnberg auf dem Platz von Hassia Dieburg, von hinter dem Zaun aus verfolgt. Die Lilien gewannen mit 2:1.

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat die 100er-Inzidenz überschritten und die Regeln verschärft. An mehreren Schulen und an der Umstädter Kreisklinik gibt es Corona-Fälle.

Dieburg/Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg – Die Inzidenz der Corona-Fälle im Kreis Darmstadt-Dieburg steigt und steigt, und die Behörden reagieren mit verschärften Maßnahmen. Mehrere Schulen im Kreis vermelden Corona-Fälle, und in der Geriatrie des Groß-Umstädter Krankenhauses sind zwölf Patienten positiv getestet worden; die Kreisklinik nimmt deshalb zunächst bis Mittwoch keine Notfälle mehr an.

Nur noch fünf Personen im öffentlichen Raum erlaubt

Am Freitag überschritt die Inzidenz im Landkreis Darmstadt-Dieburg erstmals seit Beginn der Pandemie die letzte Warnstufe von 75 Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Am Sontag (Stand 0 Uhr) lag sie laut Robert-Koch-Institut (RKI) schon bei mehr als 106. Der Landkreis hat deshalb diese Vorgaben erlassen:

» Öffentliche Veranstaltungen werden auf maximal 100 Teilnehmer begrenzt. Ausnahmen bedürfen einer Genehmigung des Gesundheitsamtes.

» Im öffentlichen Raum dürfen sich nur noch maximal fünf Personen oder Angehörige von zwei Hausständen treffen. Bei privaten Treffen oder Feiern empfiehlt der Kreis „dringend“, sich nicht mit mehr als fünf Personen oder einem weiteren Hausstand zu treffen.

„Die Lage ist bedrohlich. Ich appelliere nochmals eindringlich an jeden Einzelnen: Haltet die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) ein, vermeidet jegliche nicht notwendigen sozialen Kontakte, nehmt Rücksicht aufeinander“, sagte Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD).

Corona-Fälle in den einzelnen Kreiskommunen

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat eine Übersicht der Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie in den 23 Kreiskommunen (Stand: 23. Oktober) gegeben:

Alsbach-Hähnlein: 29 - Babenhausen: 73 - Bickenbach: 27 - Dieburg: 81 - Eppertshausen: 32 -Erzhausen: 29 - Fischbachtal: 5 -Griesheim: 81 - Groß-Bieberau: 16 - Groß-Umstadt: 86 - Groß-Zimmern: 62 - Messel: 11 - Modautal: 10 - Mühltal: 49 - Münster: 80 - Ober-Ramstadt: 52 - Otzberg: 34 - Pfungstadt: 11 - Reinheim: 41 - Roßdorf: 50 - Schaafheim: 27 - Seeheim-Jugenheim: 34 -Weiterstadt: 99

Corona-Fälle an mehreren Schulen in Dieburg und im Landkreis Darmstadt-Dieburg

An mehreren Schulen im Landkreis gibt es Corona-Fälle, darunter einer am Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt und zwei an der Landrat-Gruber-Schule (LGS) in Dieburg. Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Infektionszahlen könne es zu Verzögerungen bei der Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt kommen. „Wir empfehlen allen Betroffenen bis zur Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt, vorsorglich am Montag, 26. Oktober, zu Hause zu bleiben“, teilte der Landkreis mit. Die LGS konkretisierte diese etwas unklare Vorgabe am Wochenende auf ihrer Homepage: „Betroffen sind je eine Schülerin/ein Schüler der Klassen 10MT und 11BG5W“, heißt es dort. Und: „Nur Personen, die direkten Kontakt mit der positiv getesteten Person hatten, kommen in Quarantäne.“ Alle Ansteckungen hätten im privaten Bereich stattgefunden.

Kreisklinik in Groß-Umstadt nimmt keine Notfälle mehr auf

Nachdem in der Klinik für Geriatrie an der Kreisklinik Groß-Umstadt am Samstag zwölf Patienten positiv getestet wurden, hat die Covid-Task-Force des Krankenhauses die sogenannte Abmeldung zunächst bis einschließlich Mittwoch entschieden. „Abmeldung“ bedeutet, dass die Klinik die Rettungsleitstelle Darmstadt-Dieburg gebeten hat, Notfälle bevorzugt in anderen Häusern unterzubringen, solange sie dort versorgt werden können, wie die Betriebsleiter der Kliniken, Christoph Dahmen und Pelin Meyer erläuterten.

Auch vier Mitarbeiter aus der Geriatrie wurden positiv getestet. Weitere Testergebnisse stünden noch aus, bis heute soll es darüber Klarheit geben. Aktuell sei der Ausbruch auf die Geriatrie begrenzt, andere Klinikbereiche seien nicht betroffen.

Was zum Ausbruchsgeschehen in der Klinik geführt habe, werde derzeit ermittelt. „Es ist nicht hilfreich, darüber zu spekulieren, wie es zu dem Ausbruch gekommen ist“, mahnt die Klinik.

Die Groß-Umstädter Kreisklinik nimmt bis mindestens Mittwoch keine Notfälle auf.

„Die geriatrische Klinik unseres Hauses ist mit Blick auf die Patienten vergleichbar mit einem Alten-und Pflegeheim“, erläutert der Leiter der Geriatrie in Groß-Umstadt, Dr. Martin Schunck. In der Geriatrie werden ältere Menschen mit Mehrfach-Erkrankungen behandelt, also eine ohnehin kritische Patientengruppe. Bereits seit Donnerstag gilt an den Kreisklinik-Standorten in Groß-Umstadt und Jugenheim ein generelles Besuchsverbot.

Sicherheitsdienst überwacht Quarantäne

Das Apart-Hotel im Münsterer Ortsteil Breitefeld (ehemals Muna) ist seit Donnerstag Quarantänestation für 175 Menschen. 23 von ihnen sind dort als Infizierte isoliert. Ein Sicherheitsdienst soll garantieren, dass die Quarantäne eingehalten werde. Bei den Isolierten handelt es sich überwiegend um rumänische Beschäftigte eines fleischverarbeitenden Betriebs aus dem Kreis Offenbach. Der Arbeitgeber habe einen Lieferdienst organisiert, der sie mit Lebensmittel und dem Nötigsten versorge. (Von Ralf Enders)

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