Landkreis im Krisenmodus

Coronavirus: Sechs Fälle in Darmstadt-Dieburg - Besuchsverbot an Kliniken

Besuchsverbot herrscht inzwischen an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.
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Besuchsverbot herrscht inzwischen an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.

Der Kreis Darmstadt-Dieburg befindet sich wegen des Coronavirus im Ausnahmezustand. Die Verantwortlichen bleiben zuversichtlich.

Darmstadt-Dieburg – Sechs bestätigte Fälle einer Infektion mit dem Corona-Virus gibt es – Stand Sonntag, 16 Uhr – derzeit im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Das erklärte jetzt Landrat Klaus Peter Schellhaas bei einer Pressekonferenz in Groß-Umstadt, „zu der wir eigentlich überhaupt nicht zusammensitzen sollten“. Der Ort auf dem Gelände der Kreisklinik war allerdings thematisch angemessen, denn in großem Umfang ging es auch darum, welche medizinischen Ressourcen die Kreiskliniken für Covid19-Erkrankte bereitstellen können.

Landkreis Darmstadt-Dieburg fasst Beschlüsse zu Corona-Pandemie

Vor allem aber waren die einschneidenden Maßnahmen Thema, mit denen der Kreis den Verlauf der Infektion strecken und damit die Kurve abflachen will, um eine geregelte medizinische Versorgung der Betroffenen sicherzustellen. Hessenweit hat sich die Zahl der bestätigten Infektionen innerhalb von 24 Stunden von 191 auf 282 um 50 Prozent erhöht, und es wird allgemein von einer „Durchseuchung“ von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung ausgegangen.

Um das Zusammentreffen größerer Ansammlungen von Menschen und damit die Gefahr massenhafter Übertragungen einzuschränken, ist mit dem Krisenstab der Kreisverwaltung und einer Dienstversammlung der Kreisbürgermeister am Sonntagvormittag ein umfangreicher Maßnahmenkatalog beschossen worden. Der Landkreis lehnt sich damit zum Teil an Beschlüsse an, die bereits auf Landesebene gefasst worden sind.

Coronavirus: Polizei greift notfalls im Kreis Darmstadt-Dieburg ein

So sind grundsätzlich Versammlungen mit 100 oder mehr Besuchern verboten. Zwar sollen Zusammentreffen „mit hoher emotionaler Bedeutung“ (Schellhaas) wie Hochzeiten und Beerdigungen weiter möglich sein, aber auch dafür gilt die 100er-Grenze.

An zwei Orten in Hessen hat deshalb die Polizei bereits große Hochzeitsgesellschaften mit 400 Besuchern aufgelöst. Und Beerdigungsfeiern möge man möglichst im Freien und mit einem Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Teilnehmern durchführten, so der Landrat. Der Publikumsverkehr der öffentlichen Verwaltungen soll auf das unabweisbar Notwendige reduziert werden.

Auch Nahverkehr im Kreis Darmstadt-Dieburg wegen Coronavirus eingeschränkt

Alle kreiseigenen Sportstätten – gleich ob Hallen oder Plätze – sind ab sofort geschlossen. Schulen und Kitas stellen weitgehend ihren Betrieb ein. Die Schulen bleiben indes für Betreuungsangebote ebenso geöffnet wie einige Kita-Notgruppen, um die Einsatzbereitschaft von Eltern mit „kritischem“ Engagement zu sichern. Dazu zählen etwa medizinisches Personal, Rettungskräfte, Feuerwehr, Polizei und andere Ordnungskräfte. Die Bedarfsermittlung soll mit dem heutigen Montag beginnen.

Diese Einschränkungen werden auch Konsequenzen für den öffentlichen Nahverkehr haben, denn wenn keine Schüler mehr zum Unterricht pendeln, braucht es ja keine Schulbusse mehr. Auch die Bahn will ihren Regionalverkehr ausdünnen.

Kreisverwaltung in Darmstadt-Dieburg mit täglicher Konferenz zu Coronavirus

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Neben dem 18-köpfigen Krisenstab in der Kreisverwaltung soll die Lager auch in täglichen Telefonkonferenzen der Kreisbürgermeister mit dem Landrat eingeschätzt werden.

Auch Ruheständler helfen im Kreis Darmstadt-Dieburg gegen Coronavirus

Medizinisch sieht sich der Landkreis mit seinen beiden Kreisklinken in Groß-Umstadt und Seeheim-Jugenheim gerüstet. „Wir verhalten uns sehr restriktiv“, versicherte Pelin Meyer vom Klink-Management unter Verweis auf das bereits verkündete Besuchsverbot. 15 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten stehen für schwer Erkrankte bereit – schwerpunktmäßig in Seeheim-Jugenheim, wo Spezialist Patrick Schmenger mit seinem Team eine hoch qualifizierte Beatmungsstation betreibt.

Besuchsverbot herrscht inzwischen an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.

Insgesamt 43 Betten haben die Kreiskliniken für stationäre Covid19-Behandlung frei gemacht, indem sie alle nicht dringend notwendigen Operationen abgesagt haben. Es gibt eine Urlaubssperre, Kräfte im Ruhestand werden reaktiviert.

Der Landrat zeigte zwar Verständnis für den Wunsch vieler Menschen, sich testen zu lassen, erteilte aber einer Drive-In-Lösung am Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt eine Absage, „weil sich auf diese Weise die damit verbundene Bürokratie nicht erledigen lässt“.

VON SEBASTIAN RICHTER

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Quelle: op-online.de

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