Nach dem Großbrand sind auch berufliche Existenzen in Gefahr

Dieburg - (eha)  Fassungslos stehen die Mitarbeiterinnen der Zahnarztpraxis Dr. Ingo Gerlach vor der schwarzen Fassade des Hauses. Experten des Landeskriminalamtes haben das Haus mit rotweißen Flatterbändern abgesperrt.

Der Großbrand hat am Mittwochmorgen nicht nur das Textilgeschäft samt Lager im Erdgeschoss komplett vernichtet, sondern auch die Praxisräume im ersten Stock des Hauses unbrauchbar gemacht. „Ich hatte einen Patienten auf dem Stuhl, die Betäubung begann gerade zu wirken, da sah ich Rauch vorm Fenster“, schilderte der 38-jährige Zahnarzt seine Eindrücke vom Brandtag. Unten auf der Straße stand eine Mitarbeiterin des Textilgeschäfts, die völlig aufgelöst war. „Sie hatte eine Art Nervenzusammenbruch, die war wie gelähmt“, sagt er. Und so nahm er alles in die Hand, alarmierte auch die benachbarte Hebammenpraxis - dort lagen gerade rund zehn Babys mit ihren Müttern bei einem Kurs auf der Matte - und sorgte bei seinen Mitarbeiterinnen für einen schnellen Rückzug.

„Zehn Minuten später wären wir alle nicht mehr herausgekommen“, sagt er. Die Hebammenpraxis nutzt nämlich auch den Eingang und das Treppenhaus des Gebäudes, in dem der Brand ausbrach. „Ich habe mir noch schnell meine externe Festplatte geschnappt“, sagt der Zahnarzt. „Sonst wären alle meine Patientendaten und Röntgenbilder weg.“ Zur Brandzeit war auch seine hochschwangere Frau mit in der Praxis. „Gottseidank ist dem Kind nichts passiert bei der Aufregung“, sagt Gerlach, der in zwei Wochen Vater wird.

Wie soll es jetzt aber bei ihm beruflich weitergehen? Er hatte seine „Ein-Stuhl-Praxis“ 2001 eröffnet und später ausgebaut. Zuletzt beschäftigte er eine zusätzliche Zahnarztkollegin und mehrere Helferinnen. „Ich werde drei Leute entlassen müssen“, sagt er bedauernd. Darunter wird auch die Zahnärztin sein. Denn die nächste Zeit wird nur in dem unversehrt gebliebenen Behandlungszimmer im Fachwerk-Nebengebäude gearbeitet werden können. „Ich muss zurück zu den Anfängen“, sagt er.

Den Wert des zerstörten Inventars in seinen Praxisräumen im Brandhaus schätzt er auf rund 350 000 Euro. An den täglichen Verdienstausfall mag er momentan gar nicht denken. Und so hofft er, dass das Haus schnell wieder aufgebaut werden kann, um den Schaden möglichst klein zu halten. Das aber ist noch unsicher: Aus dem Büro von Besitzer Peter Kolb verlautet, dass die Zukunft des Gebäudes noch ungewiss sei. Gutachter haben das ausgebrannte Gebäude untersucht, genaue Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Ebenso unklar ist die Brandursache. Am Donnerstag waren Spezialisten des Landeskriminalamtes vor Ort. „Die bisherigen Untersuchungen lassen eine technische Ursache als nicht unwahrscheinlich gelten“, sagt Polizeipressesprecher Karl Kärchner auf Anfrage. Mit einem konkreten Ergebnis könne im Laufe der nächsten Woche gerechnet werden.

Ausgeschlossen ist, dass der Brand in der Trafostation ausgebrochen ist. „Die ist nach Untersuchungen unserer Techniker komplett intakt und hat keinerlei Brandschäden“, sagt die Pressesprecherin der HSE.

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