Dämonischer Sandmann

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Der „andere“ Sandmann ist ganz und gar nicht lieb zu Kindern (v. l.): Der Vater (Manuel Engelhardt) überlässt den kleinen Nathanael (Vanessa Narolski) dem bösen Sandmann Coppelius (Janika Heinrich). 

Dieburg - Der Sandmann bringt die kleinen Kinder ins Bett. Abends vor dem Schlafengehen kommt er mit seiner Zipfelmütze und streut ihnen Sand in die Äuglein, damit sie schön träumen können. So ist es im bekannten Märchen von Hans Christian Andersen. Von Sebastian Kniza

Doch es gibt auch einen anderen Typ von Sandmann, der es gar nicht gut mit den Kindern meint.

Statt schönen Träumen sorgt dieser für Alpträume in E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“ und tritt als Dämon in Erscheinung. Das heile Bild vom liebevollen Sandmann löst sich hier auf in die grimmige Fratze der Figur des hämischen und verschlagenen Coppelius. Er will den Kindern die Augen ausreißen und sie bestrafen.

Gekonnt und sehr professionell setzten die Mitglieder der Theater- und Bühnenbild- AG der Alfred-Delp-Schule den Wechsel vom geliebten zum abstoßenden Sandmann dramaturgisch um. In den Hauptrollen glänzten Simon Wilk (Nathanael), Aileen Henrich (Clara) und Janika Heinrich als Coppelius.

Integration des Publikums

Die buchstäbliche Integration des Publikums in das Theaterstück wurde bei der Premiere am Freitagabend in der Schulaula perfekt gelöst, indem ein Teil der Bühne in den Zuschauerraum ausgeweitet wurde.

Mittendrin im Geschehen und ganz nah bei den Schauspielern. Die Zuschauer konnten nahezu die Emotionen greifen. Gänsehaut garantiert. Durch den Einsatz von Filmsequenzen, die die Schüler produziert hatten, entstand eine gegenwärtige und lebendige Interpretation von E.T.A. Hoffmanns Werk. Dadurch wurden Angst und Glück der Hauptfiguren visuell verstärkt.

Ein Trauma aus der Kindheit holt die Hauptfigur Nathanael wieder ein. Zufällig entlarvt er den Advokaten Coppelius als den geheimnisvollen Sandmann, der Nathanael im Zorn die Augen verbrennen will. Noch belastender für den Jungen ist der plötzliche Tod des Vaters, wobei der Sandmann offensichtlich auch seine Finger im Spiel hatte.

Liebe von Nathanael zu Clara verblasst

Die Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola trifft ihn bis ins Mark. Coppola ist der verhasste Coppelius aus vergangenen Tagen. Einzig Clara, die Geliebte von Nathanael, kann ein wenig helfen und versucht ihn aus dem Sog des Traumas zu befreien. Doch die Liebe von Nathanael zu Clara verblasst, verschwimmt in Angst und Ohnmacht. Abgelenkt und getäuscht durch eine leblose Puppe mit dem Namen Olimpia versinkt er zunächst in einer Scheinwelt. Er durchschaut das falsche Spiel und verfällt in Paranoia. Im Kreise seiner Familie erholt er sich nach langer Krankheit und findet zu Clara zurück. Das kurze Glück währt nicht lange. Plötzlich taucht der verhasste Sandmann Coppelius wieder auf und bringt Nathanael in die Wahnwelt zurück. Als letzten Ausweg aus seinem Martyrium wählt er den Freitod. Trotz der Tragik des Stückes gibt es noch ein Happy End, als der Märchen- Sandmann ähnlich wie am Anfang noch einmal auftritt, natürlich mit Zipfelmütze und dem Sandsäckchen in der Hand. Es gibt ihn also doch noch, den lieben Sandmann.

Weitere Aufführungen v sind am Montag, 18., Mittwoch, 20., Freitag, 22., und Samstag, 23. Februar, jeweils um 19.30 Uhr. Die Karten kosten fünf Euro und sind in der Bücherinsel, in der Gutenberg-Buchhandlung Plappert und in den Pausen an der ADS erhältlich.

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