Dieburg in Blau

„Darüber schwebt Magie“

+
Tänzerinnen der Dieburger Tanzschule Wehrle flanierten in Leuchtkostümen durch die Innenstadt.

„Dieburg in Blau“: Sechs Stunden sind fast schon zu kurz. Der Abend war eine herausragende Werbung für die Innenstadt.

Dieburg – Der Sommerabend „Dieburg in Blau“ hat sich bei seiner zehnten Auflage am Samstag erneut selbst übertroffen. Am Ende des Ereignisses, mit dem der Dieburger Gewerbeverein als Veranstalter und Finanzier auf vielfältige Weise das gesamte Stadtzentrum belebte, mischte sich nur ein Wermutstropfen in den häufig blau gefärbten Schoppen: Man wurde das Gefühl nicht los, dass die sechs Stunden zwischen 18 Uhr und Mitternacht angesichts der Fülle des gewerblichen, kulturellen und gastronomischen Angebots fast schon zu kurz gewesen waren.

Denn wo anfangen als Besucher in einer Innenstadt, die sich an allen Ecken und Enden von ihrer besten Seite präsentierte? Vielleicht bei jenen, ohne die es den im zweijährigen Turnus stattfindenden Dieburger Höhepunkt nicht gäbe. Konkret in erster Linie Evelin Allmann, Mirja Sauerwein und Jasmin Sauerwein: Die Unternehmerinnen, die sich im Vorstand des Gewerbevereins engagieren (Allmann seit vier Jahren als Vorsitzende) und in Dieburg eigene Geschäfte betreiben, organisierten „Dieburg in Blau“ einmal mehr federführend. Wobei „ihr“ Baby ohne das Zutun Dutzender anderer Betriebe des mit 205 Unternehmen derzeit vom Mitglieder-Allzeithoch grüßenden Gewerbevereins nicht jenen Glanz versprühen würde, an dem sich am Samstag die mehreren tausend Besucher berauschen durften.

Das reichte von buchstäblich blauen Ideen (Stoffträume in Blau, blaue Haarsträhnen, blaue Pasta und Cocktails) über direkt von den Innenstadt-Geschäften gebuchte Musiker bis hin zu jenen Künstlern, die der Gewerbeverein zentral engagiert hatte. Und immer wieder die Farbe des Abends: in der blau illuminierten Stadtpfarrkirche, ein herrlicher Ort zum Innehalten inmitten des Trubels; blaues Blattwerk an den Bäumen im Fechenbach-Park; das blau angestrahlte Schloss Fechenbach als stimmungsvolle Kulisse für den Markt ausgesuchter Kunsthandwerker.

Sabrina Wolfram zog bei „Dieburg in Blau“ mit ihrer Feuershow in den Bann.

Erstmals spielte vor dem Schloss unter freiem Himmel auch Pianist Antonio Macan –kein Rätsel, in welcher Farbe sein Flügel manchmal blinkte. In die Kategorie Hinhörer fielen auch die Big Band des Jazzclub Limburg auf dem Marktplatz, Chris Kessler im Hof von „Dirk’s Café Ostheimer“, Dressinger im Hof von Gabriela’s Fashion Store und All of us vor dem Salon „Pimp my hair“. Die kultigen Trommler der Drumlets, die drei Shows am Fastnachtsbrunnen spielten, rissen ebenfalls wieder mit und scharten hunderte Zuhörer um sich.

Hier wie da zu finden waren die Musiker von Imogen Gleichauf, die wie einige in Leuchtkostüme gewandete Paare der Tanzschule Wehrle, die Schauspieler des Straßentheaters Ensemble Krof, die Stelzenläufer von Hochformat und Jongleur Jan Moll umherzogen.

Nicht nur in musikalischer Hinsicht war es vollauf gerechtfertigt, dass „Dieburg in Blau“ beim zehnten Mal erstmals ins Programm des „Kultursommers Südhessen“ aufgenommen worden war. Im Museum zeigte Stefan Konrad die Kunst des Scherenschnitts, Andrey Redlich zeichnete in der Steinstraße Porträts. Bei Weltenbummler Thomy konnte ein paar Meter weiter jeder kreativ werden und aus buntem Tapeband die eigene Fantasie vergegenständlichen. Vor St. Peter und Paul „weideten“ blaue Schafe – Kunstobjekte von Berta-Maria Reetz.

Erstmals dabei war Antonio Macan. Er spielte im Fechenbach-Park Stücke auf dem Flügel.

Dafür, dass am Samstagabend spätestens zur zweiten Feuershow der in ihren Bann ziehenden Sabrina Wolfram und allerspätestens um Mitternacht beim Feuerwerk im Park niemandem mehr der Magen knurrte, sorgten nicht nur die Innenstadt-Gastronomen.

Auch Dieburger Restaurants aus dem weiteren Stadtgebiet zogen kurzzeitig ins Zentrum. Die herausragende Außendarstellung des lebendigen Dieburger Stadtkerns rundeten Gruppen wie die Fastnachter der Brunnebuzzer ab. In einem Hof am Marktplatz schufen sie einen urigen Rückzugsraum, wo Armin Hamich die Quetschkommode auspackte.

Auch der Blick in andere innerstädtische Höfe war am Samstag möglich – wenn man seinen Bummel ob des ungemein dichten Programms zeitlich geschickt koordinierte. Und das in sich aufsog, was der Gewerbevereins-Chefin als Erstes zu „Dieburg in Blau“ einfiel: „Über dieser Veranstaltung schwebt Magie!“

VON JENS DÖRR

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare