Vereinssport im Freien jetzt noch stärker eingeschränkt

„Das ist doch alles Quatsch!“

Selbst draußen dürfen maximal fünf Kinder bis 14 Jahre kontaktlos miteinander Sport treiben – und der Trainer braucht einen aktuellen Negativtest.
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Selbst draußen dürfen maximal fünf Kinder bis 14 Jahre kontaktlos miteinander Sport treiben – und der Trainer braucht einen aktuellen Negativtest.

Dieburg – Die Bundes-Notbremse trifft seit dieser Woche mit voller Härte auch den Vereinssport: Selbst die von Aerosol-Forschern als risikolos eingestufte sportliche Aktivität im Freien ist bei einer Inzidenz von über 100 (was im Landkreis Darmstadt-Dieburg derzeit der Fall ist) nur noch sehr eingeschränkt erlaubt. Fußballer und Handballer in Dieburg und Groß-Zimmern müssen erneut umdisponieren, um Kindern unter 15 Jahren zumindest noch ein rudimentäres Bewegungsangebot machen zu können. Vor allem die neue Testpflicht für die Übungsleiter stößt sauer auf – und hat in einem Verein sogar zum Trainingsstopp geführt. Der FSV Groß-Zimmern hat beschlossen, das Fußball-Training fürs Erste wieder einzustellen. Betroffen sind G-, F-, E- und D-Junioren. Zudem hat der reine Fußball-Verein im Nachwuchs noch eine Krabbelgruppe und ein C-Junioren-Team. Letzteres war schon vor dem Inkrafttreten der bundesweiten Verschärfungen qua Altersstruktur lahmgelegt. Kinder bis 14 hatten in den vergangenen Wochen hingegen in größeren Gruppen trainieren dürfen. Nun sind es noch maximal fünf U15-Kids, die kontaktlos und an der frischen Luft zusammen kicken dürfte. Pro Fünfergruppe ist ein halbes Großfeld oder ein ganzes Kleinfeld zu reservieren.

Vor allem aber: Jeder Übungsleiter muss nun selbst vor einem solchen Kleingruppen-Training einen Corona-Test machen, dessen negatives Ergebnis höchstens 24 Stunden alt sein darf und das vor Ort auf Anfrage nachgewiesen werden muss. „Das ist doch alles Quatsch!“, bringt FSV-Jugendleiter Stefan Glock das auf den Punkt, was alle von unserer Zeitung befragten Vereinsvertreter mehr oder weniger diplomatisch äußern. Trotzdem wolle der Verein kein (Haftungs-)Risiko eingehen, sagt Glock, weshalb er allen FSV-Jugendtrainern den entsprechenden Auszug aus dem Infektionsschutzgesetz geschickt und der Verein zum Trainingsstopp geraten hat. „Obwohl alle Kinder und Eltern froh waren, dass es zuletzt wieder weiterging“, bedauert er die Entwicklung. Ein Hintertürchen hat der FSV seinen Trainern gelassen: „Wenn sie persönlich die Verantwortung übernehmen, dass sie sich an die Regeln halten, ist es ihnen freigestellt, unter den neuen Voraussetzungen ein Training anzubieten.“ Der SV Viktoria Klein-Zimmern will sein Fußball-Training für die bis 14-Jährigen „auf jeden Fall fortsetzen“, sagt Vorstandssprecher Erhard Höptner. „Die Kinder und ihre Eltern waren heilfroh, dass es wieder losgegangen ist. Dank des Großfelds und der beiden Kleinfelder könne man parallel vier Fünfergruppen kontaktfrei üben lassen. Die Testpflicht werde aber zur weiteren Belastung der ehrenamtlichen Trainer. Der Hessische Fußball-Verband schickte der Viktoria (wie auch anderen hessischen Vereinen) unter Mitwirkung eines Verbandssponsors am Wochenende übrigens ein „Hilfspaket“, in dem Einwegmasken und Handgel waren – aber keine Tests.

Der SC Hassia Dieburg und der SV DJK Viktoria Dieburg handhaben es zähneknirschend wie die Klein-Zimmerner: Sie setzen das Training der jüngeren Junioren nun kontaktlos in Fünfergruppen fort. Hassia-Jugendleiter Bernd Keim vermisst ebenso wie DJK-Vorsitzender Sven Große Klarheit darüber, ob ein negativer Selbsttest als Nachweis ausreicht oder vor jedem Training auch noch ein Besuch im Testzentrum nötig wird. Die entsprechende Vorgabe lässt Interpretationsspielraum. Für die Handballer der SG Grün-Gelb Dieburg – der Verein bildet auch eine Spielgemeinschaft mit dem TV Groß-Zimmern – formuliert es der Vorsitzende Matthias Grimm besonders scharf. Zwar seien die Handballer bereit, „sieben Jugendmannschaften unter 14 Jahren mit insgesamt 20 Trainern in Fünfer-Gruppen im Freien in Bewegung zu bringen“. Was man aber nicht verstehe: „Obwohl eine Ansteckung laut renommierten Aerosol-Forschern beim Sport so gut wie ausgeschlossen ist, braucht der Trainer, der auf Abstand im Freien dabeisteht, einen Test, der nur 24 Stunden gilt.“ Zeitgleich aber werde „die Testpflicht in den Betrieben unter dem diffusen Vorwand juristischer Bedenken nicht eingeführt, gelten für Schüler in Innenräumen bis zu einer Inzidenz von 165 die Laientests bis zu 72 Stunden“. Trotz allem versuche die SG nun, den Übungsleitern Selbsttests in ausreichender Zahl zur Verfügung zu stellen. „Denn wir empfinden es als wichtig, die Kinder weg vom Smartphone und raus aus den Innenräumen in die Bewegung an der frischen Luft zu bringen“, so Grimm.

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