„Das System ist ausgelutscht“

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Nach dem Schlossgartenfest ist vor dem Schlossgartenfest: Spätestens als die letzten Feuerwerksraketen gezündet waren, gingen schon die Planungen für das kommende Jahr los.

Dieburg - „Hat irgendjemand Lust auf Frühstück?“, fragt Wolfgang Dörr in die Runde. Hätte er sich fast sparen können. Die meisten der Helfer im Schlossgarten sind schon seit 8 Uhr morgens am Abbauen. Das macht hungrig. Immer mehr Bierbänke stapeln sich aufeinander. Von Dirk Beutel

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Immer mehr Gerstensaftgläser werden am Dienstagvormittag zusammengesammelt und eingeräumt. Die Theken sich bereits demontiert. Für den Laien erscheinen die Abbauarbeiten nach dem 50. Schlossgartenfest wie ein eingespielter Routinejob. Das Gegenteil ist der Fall: „Es wird immer schwieriger Helfer aus den eigenen Reihen zu rekrutieren“, sagt der DJK-Vorsitzende Wolfgang Gondolf und schnauft durch. Ihm stehen die Fußballer der Alten Herren zur Seite, um hinter dem großen Festzelt aufzuräumen. Hubertus Euler kann hingegen niemand mehr seiner Hassia-Kollegen erspähen. „Man ärgert sich jedes Jahr aufs Neue“, sagt der zweite Vorsitzende der Hassia. Den meisten sei gar nicht bewusst, dass Auf- und Abbauarbeiten und die ganze Organisation hinter den Kulissen länger dauern, als nur eben vier Tage. „Unsere Arbeit beginnt eine Woche vor und endet eine Woche nach dem Fest“, sagt Euler.
Es gab aber auch positive Erfahrungen: Wo die einen fehlten, sind andere gleich mehrfach in die Bresche gesprungen, um den Festbetrieb aufrechtzuerhalten. Wegen einem Personalengpass am Ausschank musste Dieter Mann, Vorsitzender der Kellerschen Männersänger, seiner Vereinskollegin Bettina Jochmaring etwa beibringen, wie man schnell und ordentlich ein Pils zapft. „Das konnte sie am Ende besser als ihr Mann“, sagt der Vorsitzende und lacht.

Mit dem Verlauf der 50. Ausgabe des Schlossgartenfestes ist der Chef des gleichnamigen Arbeitskreises, Wolfgang Dörr, insgesamt zufrieden. Wenn nur das trübe Wetter nicht gewesen wäre: „Der Samstag war nicht so gut besucht und der Sonntag wäre ohne Chris Roberts sogar tot gewesen.“ Ein durchschnittlich gut besuchtes Schlossgartenfest locke bis zu 5 000 Besucher pro Tag an. Doch dieses Jahr sei man „um einiges unter dieser Zahl“, schätzt Dörr. Noch können die Vereine nicht ermessen, wieviel Geld sie erwirtschaftet haben. Dörr geht von etwa zwölf Prozent weniger Gewinn in den Kassen aus.

Aber nach dem Schlossgartenfest ist vor dem Schlossgartenfest. Deshalb hat Dörr schon die Planungen für das kommende Jahr im Blick. Denn eins steht fest: Ein Fest von sieben Vereinen ausrichten zu lassen, ist eine Herausforderung. „Man will es zwar, kann es aber nicht allen recht machen“, sagt Dörr. Daher denkt die Stadt darüber nach, einen Festwirt für 2012 zu engagieren, der sich um die Bewirtung kümmert. Ein Modell, ähnlich dem der Haaner Kerb in Dreieichenhain. „Das System mit sieben Vereinen ist jedenfalls ausgelutscht“, sagt Dörr. In den nächsten vier bis sechs Wochen sollen Gespräche geführt werden.

Bald alles unter einem Dach?

Weil das Regenwetter die Besucherzahlen derart in den Keller drückte, könnte es sogar zu einer Lösung „Back to the Roots“ kommen. Und zwar indem die Bewirtung komplett in das große Festzelt verlegt wird. Das hieße: Das derzeit etwa 1 500 Besucher fassende Zelt würde durch ein größeres für bis zu 2 500 Menschen ersetzt. Auf diese Art hatten die Dieburger bis 1998 gefeiert. Dann hatte sich die wetteranfällige Mehrzeltvariante durchgesetzt.

Für das Jahr 2013 steht dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Dieburger Turnverein als Ausrichter fest, zumal man in diesem Jahr sein 150. Jubiläum feiern wird. Nicht nur das: Um die Helferrekrutierung zu erleichtern, soll das Schlossgartenfest früher, nämlich um das erste Juliwochenende herum stattfinden, wenn der Dieburger Stadtlauf in seine nächste Runde geht.

Polizei zieht gute Bilanz über die Festtage

Selbst die Polizei zieht für die Festtage eine verhältnismäßig gute Bilanz. Neben zwei Anzeigen wegen einfacher Körperverletzung kam es am Freitag gegen 23.33 Uhr zu einer gefährlichen Körperverletzung vor dem Weinzelt. Dort hatten unbekannte Jugendliche auf einen 18-Jährigen Groß-Zimmerner eingeschlagen (Zeugen melden sich unter   06071 / 9 65 60).

Am Sonntag nahm die Polizei gegen 3 Uhr einen 43-jährigen Groß-Zimmerner fest. Der Mann, der nach dem Besuch des Schlossgartenfestes auf dem Nachhauseweg war, hatte in der Dieburger Straße in Groß-Zimmern 14 geparkte Autos mit einem Schlüssel verkratzt. Der Schaden wird mit etwa
10. 000 Euro beziffert. Außerdem wurden zwei alkoholisierte Autofahrer hinter dem Steuer erwischt. Sie sind erstmal ihre Führerscheine los.

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