„Der Empfang ist die Visitenkarte“

Drei Damen vom Empfang (von links): Neben sechs weiteren Mitarbeitern fungieren Marita Brandt, Silvia Walter und Carolin Draser im St. Rochus Krankenhaus als erste Anlaufstelle. - Foto: Dörr

Serie St. Rochus Krankenhaus: Neun Mitarbeiter managen erste Anlaufstelle - Tag und Nacht. Von Jens Dörr

Dieburg - Der erste Eindruck zählt: „Der Empfang ist die Visitenkarte und elementar wichtig für unser Haus“, sagt Armin Probst, Vorstand der St. Rochus Stiftung. Wer ins Dieburger Krankenhaus geht, wird in vielen Fällen zuerst mit ihnen zu tun haben: den Damen und Herren von der Rezeption.

Sieben Frauen und zwei Männer geben dem St. Rochus in der Innenstadt sozusagen an vorderster Front ein Gesicht. An Marita Brandt, Silvia Walter, Carolin Draser, Ute Dony, Birgit Adam, Anja Trojan und Gabriele Taemmler sowie die beiden Hauptnachtwachen Heinz-Dieter Hummel und Matthias Rauscher werden oft zuerst Fragen, Nöte und ab und an auch Ärger herangetragen.

Stationen im Haus, Patienten, Lieferanten, Besucher: Sie alle begehren die Unterstützung des Teams vom Empfang, das tagsüber fest in weiblicher Hand ist. Gespräche Auge in Auge, Dokumentation, Registrierung und bis zu unglaubliche 250 Anrufe an einem Vormittag - das Risiko, in Müßiggang zu verfallen, besteht an der Zentrale nicht. „Ein Nein wird selten akzeptiert“, sagt Silvia Walter, die seit 1980 ununterbrochen im Dieburger Krankenhaus arbeitet. Insgesamt sogar noch länger: Von 1974 bis 1978 war sie bereits im Untersuchungslabor des Hauses tätig. Lediglich zwei Jahre Babypause gönnte sich Walter in ihrer bisherigen Rochus-Karriere.

Auch Marita Brandt ist schon lange dabei - seit dem 1. September 1990, um genau zu sein. „Wichtig ist, alles mit einem Schmunzeln zu nehmen“, sagt sie. Denn die Arbeit in der Zentrale sei nicht immer nur die helle Freude, auch wegen der Funktion als „erster Prellbock“, wie es Rochus-Geschäftsführerin Ute Sperling ausdrückt. Brandt findet aber: „In der Regel kommen uns die Leute freundlich entgegen.“

Ob mehr oder weniger Stress im täglichen Arbeitsalltag hänge laut der gelernten Zahnarzthelferin Brandt und Arzthelferin Walter auch vom Wetter ab: Bei Glatteis häufen sich die Knochenbrüche, bei großer Hitze die Kreislaufbeschwerden. Ein Patient mit Sportunfall wiederum - sofern noch „gehend“ - landet beispielsweise schnellstmöglich in der Chirurgie. Wird er mit dem Rettungswagen eingeliefert, steuern die Empfangsmitarbeiterinnen auch die Schranken. Und: Sie sind die Chefs über die begehrten Innenparkplätze - Diskussionen über angebliche Berechtigungen eingeschlossen. Auch hier helfe die sachlich-lockere Kommunikation, sind sich Brandt und Walter einig.

Was für manche Besucher des St. Rochus „nur“ der erste Wegweiser ist, sei in seiner Aufgabenfülle von großer Bedeutung für Außenwahrnehmung und internen Arbeitsablauf des ganzen Hauses, sind sich Ute Sperling und Armin Probst einig. Tagsüber von 6.15 bis 20.15 Uhr - und auch in der sich anschließenden Nachtschicht. Der Empfang des Dieburger St. Rochus Krankenhauses ist somit einer der wenigen Orte der Stadt, an dem rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr Menschen anderen Menschen helfend zur Seite stehen.

Und wenn es nachts doch etwas ruhiger zugeht, bleibt auch mal wieder Zeit, sich an eine der kuriosesten Begebenheiten der jüngeren Rochus-Geschichte zu erinnern: In den Neunziger Jahren büchste ein Jungbulle vom Dieburger Schlachthof aus – und randalierte auch im Krankenhaus.

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