Seit den 80ern geht's hoch her

„Der Safter ist Fastnacht!“

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Vorfreude auf die tollen Tage und die Straßenfastnacht: ein Teil des „Safter“-Teams (4. v. r. Johannes Jakob, 6. v. r. DJ Nico Niestatek), das in der Dieburger Kultlocation letzte vorbereitende Hand anlegte.  

Dieburg - Altes Angebot, neue Trinkgewohnheiten: „Die haben sich im Laufe der Jahre ziemlich geändert“, sagt Johannes Jakob. „Früher wurden mehr Piffchen und Bier getrunken, heute sind eher Mixgetränke angesagt. Von Jens Dörr 

“ In derlei Beobachtungen macht dem Kinderprinzen von 1988 so schnell niemand etwas vor: Der Sohn von „Safter“ Friedel Jakob schmeißt an den tollen Tagen die nur zu Fastnacht geöffnete gleichnamige Kultlocation im östlichsten Zipfel der Rheingaustraße, unweit des Marktplatzes. Samt 40 Mitstreitern, „ein alter Freundeskreis, die meisten sind Anfang 30“, führen sie ein Stück Dieburger Feiertradition fort, dessen Wurzeln in den 80ern liegen.

Leute tanzen auf Silo

Wo in der fünften Jahreszeit seit drei Jahrzehnten das Äla durch den kurios gestalteten Raum schallt, an der Theke die Hütchen (Asbach-Cola) inzwischen unumstrittene Nummer eins sind und von „Adam hat im Paradies ...“ über brummende Bären bis zur dekorativen „Zwiebel auf dem Kopf“ so ziemlich jedes Lied schmerzfrei besungen wird, handelte es sich einst vor allem um eine fruchtige Angelegenheit: Der „Safter“ gehörte zu einer Kelterei, „die Leute tanzen heute auf dem zubetonierten Silo, in dem damals die Äpfel lagerten“, erzählt Jakob.Dessen Vater Friedel mischte früher selbst mit, hat die Bewirtung samt Vorbereitungen und Logistik inzwischen der nächsten Generation überlassen. Anfangs legte noch der bekannte Dieburger DJ Robby im „Safter“ auf, heute bringt Nico Niestatek als Herr der Klänge die passenden Songs unters Narrenvolk. Räumlich gesehen etwas erhaben hat er dabei im hinteren Bereich des „Safter“ sein Domizil - doch auch die Gäste können sich einen Überblick verschaffen: Eine kleine Empore an der Seite ist eins der Markenzeichen der ungewöhnlichen „Dibboijer“ Partystatt. „Wir feiern sozusagen auf zwei Ebenen“, meint Jakob augenzwinkernd - wie sein Team und er die Sache überhaupt mit der richtigen Leichtigkeit angehen.

Was nicht heißt, dass sich das „Safter“-Team keine Mühe gäbe: Mit Liebe zum Detail bereiten die 40 Frauen und Männer - alle aus Dieburg und Münster („Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass kein Zimmner dabei ist“) - das Treiben vor, das an Straßenfastnacht vor allem am Samstag- und Montagabend, aber auch dienstags nach dem Umzug volle Fahrt aufnimmt. „Früher war der Rosenmontag der Haupttag, was man auch am Umsatz gemerkt hat“, so Jakob. Heute habe sich das gen Samstag verschoben. Stichwort Einnahmen: Reich werde mit dem „Safter“-Betrieb keiner: „Was wir einnehmen, reicht für ein Fest im Sommer und für eins im Herbst“, sagt der „Junior-Safter“.Auch abseits der Kultkneipe, in der sich der Freundeskreis in der heißen Phase im Zwei-, Drei-Stunden-Turnus in Fünferschichten abwechselt, verbringen Jakob, Niestatek und Co. derweil viel Zeit zusammen - etwa in der Fastnachtsgruppe Krotzequetscher, die sich aus den „Safter“-Aktivitäten heraus ergab. Nach dem Umzug am Dienstag heißt’s für einige, zum letzten Dienst der Kampagne anzutreten.

Um die Zukunft der stets extrem gut gefüllten Feierstätte müsse einem unterdessen nicht bange sein: „Unser Team hat es insgesamt schon auf 27 Kinder gebracht“, rechnet Johannes Jakob vor. Wenn die volljährig seien, könnte die nächste Generation den närrischen Klassiker fortführen. Denn, da ist sich der Freundeskreis einig: „Der Safter ist Fastnacht!“

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