Detektivarbeit als Droge

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Die Ehrenplakette der Stadt Dieburg hat Hans Dörr (Mitte) erhalten. Bürgermeister Dr. Werner Thomas (li.) und Dr. Harald Schöning gratulierten dem Heimatforscher.

Dieburg (mj) ‐ Die Ehrenplakette der Stadt Dieburg wird nur äußerst selten vergeben. Vier Auszeichnungen gab es bisher, jetzt gesellte sich zu dem kleinen erlesenen Kreis noch ein weiterer Träger hinzu: Hans Dörr.

Im Schloss Fechenbach wurde dem passionierten Heimatforscher die Ehre zuteil. Das Rahmenprogramm, zu dem unter anderem eine klassische Musikeinlage von Ingeborg Zimber und Manfred Müller sowie Vorträge, beziehungsweise Gedichte von Maria Bauer und Elisabeth Förster gehörten, hatte der Heimatverein organisiert.  Der Ehrung von Dörr ging ein einstimmiger Beschluss der Stadtverordnetenversammlung voraus. Wie deren Vorsteher Dr. Harald Schöning in seiner Laudatio sagte, habe der 78-Jährige zahlreiche Publikationen und Schriften über Dieburg verfasst. In allen Jahrbüchern des Heimatvereins sei er mit vielen Artikeln vertreten und in örtlichen wie überörtlichen Archiven bestens bekannt. „Hier ist wirklich einer vom Enthusiasmus der Geschichte gepackt“, konstatierte Schöning. Sein Dank ging dabei auch an den Heimatverein, dass dieser Gleichgesinnte zusammen bringt.

Laut Schöning präsentiert sich der ehemalige Lehrer, der in Dieburg geboren wurde und 40 Jahre in Schaafheim als Schulleiter wirkte, zum Glück nicht als einsamer Bücherwurm, sondern halte öffentliche Vorträge oder steige an Fastnacht als Stadtschreiber in die Bütt. Auch das Umland profitiere von seinem Wissensdurst, wie ein landesweites Symposium zeige, bei dem Dörr über das Babenhäuser Schloss referierte und parallel einen Vergleich zum kurfürstlichen Schloss in Dieburg herstellte.

Dieburger Vergangenheit ohne allzu große Lücken

Bürgermeister Werner Thomas sagte, dass er es als ehemaliger Lehrer besonders zu schätzen wisse, wie wichtig die Detektivarbeit Dörrs ist, wenn dieser Schriften in Latein oder Altdeutsch entziffert, die heute kaum noch jemand lesen könne. „Vor allem das Interpretieren macht die Sache dann spannend und bringt den Erfolg“, führte der Bürgermeister an. Er forderte dazu auf, sich mit den greifbaren Aufbereitungen Dörrs zu befassen, und aus der Geschichte zu lernen. Ein Dankeschön ging von allen Rednern auch an Elisabeth Dörr, die es immer akzeptiert habe, dass ihr Mann regelmäßig für viele Stunden in den Archiven verschwindet. In seiner Dankesrede schloss der Heimatforscher seine Frau ebenfalls mit ein. So wäre mancher Wanderurlaub verkürzt ausgefallen, weil auf dem Rückweg noch ein Abstecher ins Münchner Staatsarchiv folgte.

Wie Dörr gestand, ist die Geschichte eine Droge, von der man nur sehr schwer wieder loskommt. Vor allem die Dieburger Vergangenheit sei wahnsinnig interessant. Sie habe nur einen Fehler: „Es forschten schon zu viele. Die zu füllenden Lücken sind nicht mehr allzu groß.“ Ein Dankeschön hatte auch der Schaafheimer Bürgermeister Reinhold Hehmann parat: „Wenn unsere Ehrungsordnung es vorsähe hätte ich heute noch eine zweite Plakette dabei“, lobte er die Verdienste Dörrs um die Schaafheimer Heimatgeschichte, die dem Engagement in Dieburg kaum nachstehe.

Bei seinem Geschenk sei er wankelmütig gewesen: „Zuerst hatte ich an einen Golf-Kurs in Groß-Zimmern für Anfänger gedacht“, so Hehmann. Dann sei es aber - wohl auch um den Heimatforscher nicht von seinem Hobby abzubringen - ein Gutschein für das dortige Restaurant geworden.

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