Sensationserfolg für die FDP

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Spätsommerstimmung an einem strahlenden Wahltag: Die Kandidaten schauten dem Treiben des Volkes vom Zaun des Fechenbachparks aus zu.

Dieburg - Das Thema Politik scheint an diesem strahlenden Sonntagnachmittag weit entfernt: Die Straßencafés der Innenstadt sind dicht besetzt, Radler genießen die milde Sonne, Heerscharen von Spaziergängern schlendern durch die Gassen und Kinder planschen mit den Händen im Brunnen vor dem Rathaus. Von Lisa Hager

Lediglich die Konterfeis von Merkel, Steinmeier, Westerwelle und Co., die vom Zaun des Fechenbachparks aus zuschauen, erinnern an die Besonderheit dieses 27. Septembers 2009: Bundestagswahl. Im Wahllokal 2 im Foyer des Rathauses ist man um 16.30 Uhr sehr zufrieden mit der Wahlbeteiligung. „Die liegt ganz im Trend“, sagt Wahlhelfer Friedel Jakob, während Kollegin Ingrid Reuscher gerade einem Wähler die Unterlagen über den Tresen reicht. Und dass der nächste ohne Wahlbenachrichtigung, aber mit Ausweis kommt, ist auch kein Problem. Schnell ist der Name in der Liste gefunden.

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Der Eindruck einer hohen Wahlbeteiligung bestätigt sich dann gegen 20.45 Uhr, als auch die Briefwähler ausgezählt sind und das vorläufige Endergebnis feststeht: 79 Prozent der Dieburger Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben. Damit liegen sie über dem Bundesdurchschnitt von 71 Prozent, aber unter der Beteiligung von 2005 in Dieburg (82,4). Der Bundestrend schlägt sich auch in Dieburg nieder, was das SPD-Ergebnis betrifft: Bei den Zweitstimmen verliert die SPD mit 20,8 Prozent über 11 Prozentpunkte. Die CDU kommt auf 35,2 (minus 3,6 Prozent gegenüber 2005). Damit verlieren die Christdemokraten in Dieburg mehr als im Bundestrend. Sensationeller Erfolg für die FDP: Mit 18,6 Prozent kann sie in Dieburg um sechs Prozentpunkte zulegen. Damit liegen die Liberalen hoch über dem Bundesergebnis (14,5 Prozent). Auch die Grünen legen in Dieburg zu: 13,7 Prozent der Wähler votierten für die Umweltpartei (2005: 11,7 Prozent). Damit haben die Grünen in Dieburg ein besseres Ergebnis als bundesweit (10,5 Prozent). Ihr Ergebnis von 2005 hat die Linke gestern mit 6,5 Prozent fast verdoppelt, liegt aber damit noch weit ab von den über zwölf Prozent, die sie bundesweit erzielt. Das Direktmandat hat Patricia Lips (CDU) für den Wahlkreis 187 wieder geholt. Sie erzielte mit 43,5 Prozent in Dieburg allerdings ein etwas schlechteres Ergebnis als 2005 (46 Prozent).

Aber auch der relativ unbekannte SPD-Bewerber Detlev Blitz hat mit 26,1 Prozent ein wesentlich schlechteres Ergebnis eingefahren als die SPD-Kandidatin von 2005, Dr. Erika Ober (38,2 Prozent). Die Ergebnisse mehr als verdoppelt haben dagegen die Direktkandidaten von FDP, Dr. Heinrich Kolb (11,2 Prozent), und Grüne, Dr. Thomas Rehahn (11,5 Prozent). Die Direktkandidatin der Linken, Sabine Leidig, schnitt mit 5,5 Prozent in Dieburg etwas besser ab als der Bewerber von 2005 (3 Prozent). Die beiden rechten Parteien spielen in Dieburg weiterhin keine Rolle: NPD und Republikaner landeten weit abgeschieden unter einem Prozentpunkt. Die Piraten kamen dagegen auf 2,7 Prozent. „Die haben wohl die Leute gewählt, die gar nicht wussten, was sie machen sollen“, kommentierte gestern Abend im Sitzungssaal des Rathauses ein „Wahlbeobachter“ das Ergebnis.

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