Dicke Brummer im Einsatz

Dieburg - Viele Dieburger Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder einfach zum Erholen - den Wald. Zwar ist er nicht so aufgeräumt und sauber wie das heimische Wohnzimmer - soll er auch gar nicht sein - dennoch wird er täglich von Forstamtmitarbeitern gepflegt und betreut. Sie scheinen für die Bürger häufig unsichtbar zu sein und doch ist ihre Arbeit wichtig und unersetzbar. Doch was machen Forstamtmitarbeiter eigentlich und wie muss der Wald gepflegt werden? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER ANZEIGERs, die heute das Thema der Holzernte beleuchtet.

(ves) Durch enges Gestrüpp, unwegsames Gelände und verastete Bäume bahnt sich der Koloss seinen Weg. Dröhnend greift der Ausleger nach einem markierten Baum. Dieser wird innerhalb weniger Minuten am Stammfuß abgesägt, von allen Ästen befreit, der Stamm vermessen und in verschiedene Sortimente zerschnitten. Baum um Baum wird so in kurzer Zeit von einem Harvester verarbeitet. Die Kranreichweite dieser Maschine beträgt je nach Model neun bis 14 Meter. So kann sie jeden vom Förster markierten Baum entnehmen. Nachdem der Harvester einen größeren Bereich gefällt hat, ist der Forwarder - auch Rückezug genannt - an der Reihe. Er lädt mit seinem Greifarm die Sortimente auf und stapelt diese am Wegesrand, wo sie dann von LKW aufgeladen und zur Weiterverarbeitung gebracht werden.

Der Einsatz eines Harvesters wird vom Forstamt Dieburg in ergonomisch ungünstigen Beständen vorgenommen - dort, wo die Arbeit für die Forstwirte nur sehr eingeschränkt und unter Strapazen möglich wäre. „Wenn sich die Forstwirte durch dieses dichte Geäst arbeiten müssten, das wäre eine körperliche Quälerei“, so Forstamtsleiter Helmut Seitel. „Diese 30-50jährigen Nadelhölzer sind so verästet, hier ist der Einsatz einer Maschine nötig.“

Auch wenn man es kaum glauben kann: Der Maschineneinsatz ist schonender für den Bestand, als würde dieselbe Arbeit von Forstwirten vorgenommen werden. Bevor der Harvester kommt, markiert der Revierförster die genauen Rückegassen, also Fahrtwege, die die Maschine nutzen wird. Diese werden im Abstand von mindestens 20 Metern angelegt. Um den Waldboden vor dem Gewicht der Maschine zu schützen und Wurzelschädigungen vorzubeugen, werden nur Breitreifen eingesetzt. Von den gefällten Baumkronen wird Reisigmaterial auf den Rückegassen verteilt - so entsteht ein Reisigteppich. Dieser verteilt den Druck der Maschine gleichmäßiger auf den Boden.

Insgesamt werden mit der Maschine dieses Jahr 15 000 Festmeter verarbeitet. Sie arbeitet schnell und effizient. Ein Stück, für das die Waldarbeiter ungefähr zehn Tage benötigen, schafft die Maschine an einem Tag. „Somit sind auch die Störeffekte für das Wild und die Waldbesucher wesentlich geringer“, sagt Referendarin Katrin Teuwsen.

„Die Arbeiter an diesen Maschinen sind geschultes Fachpersonal“, erzählt sie weiter. „Sie sind ausgebildete Forstwirte und müssen eine zusätzliche Ausbildung absolvieren, um diese Maschinen bedienen zu dürfen.“ Es ist ein anstrengender und langer Arbeitstag für die Harvesterführer. „Man ist den ganzen Tag allein mit sich und der Maschine, das ist nicht jedermanns Sache“, so Teuwsen. „Wir vom Forstamt Dieburg haben nur einen Schichtbetrieb, dieser erfolgt tagsüber. Mancherorts kommen die Harvester auch nachts unter Beleuchtung zum Einsatz.“

Entwickelt wurden diese Maschinen vor über 20 Jahren in Skandinavien. Aber erst nach den Stürmen Vivian und Wiebke, die im Februar 1990 wüteten, hielten die Harvester auch Einzug in Deutschland. Hier wurden sie zur Beseitigung der Sturmschäden eingesetzt, in deren Sturmflächen sie sicher aufarbeiten können, ohne das Personal gefährdet wird. Seitdem haben diese Maschinen bereits eine große Weiterentwicklung durchgemacht. „Bisher wurden die Harvester überwiegend im Nadelholz eingesetzt“, berichtet Teuwsen, „aber zunehmend wird auch die Laubholzaufarbeitung durchgeführt.“

Die Kosten für einen Harvester betragen je nach Model rund 300 000 Euro, für einen Forwarder immerhin die Hälfte. Die Maschinen, die im und rund um den Dieburger Forst zum Einsatz kommen, gehören Fremdfirmen. Das Forstamt Dieburg nimmt jedes Jahr eine Ausschreibung in Hessen vor. Nach Vergabe des Auftrages reisen die Maschinen auf einem Tieflader zum Einsatzort an. „Wir haben in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit der Unternehmen gemacht“, freut sich Seitel. Der jetzige Einsatz der beiden Maschinen ist fast beendet. „Sobald im Herbst der erste Frost eintritt, kommt der Harvester wieder zum Einsatz“, so Teuwsen. „Durch den Frost ist der Boden zusätzlich vor Beschädigungen geschützt.“

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