Gesundheits-Symposium: Generalvikar Dietmar Giebelmann findet kluge Worte / Seat-Mitarbeiter hören mit Rauchen auf

„Die Arbeit ist doch für den Menschen da“

Wie bleibt der Arbeitnehmer körperlich und seelisch gesund? Diese Fragen beantworteten beim ersten Symposium zum betrieblichen Gesundheits-Management in der „Römerhalle“ (von links): Armin Probst, Dietmar Giebelmann, Erwin Rabe, Stefan Kreh und Dr. med. Thomas Wobrock. Rechts Organisator und Moderator Thorsten Keil. Foto: Dörr

Dieburg - . Zahlen sind wohl das, was viele Unternehmer letztlich am meisten überzeugt. Nehmen wir die Mitarbeiter von Seat Deutschland: Sie fehlen pro Jahr im Schnitt nur 2,3 Tage - der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,9 Fehltagen pro Arbeitnehmer. Von Jens Dörr

„Und das, obwohl bei uns ein Fehlen schon ab dem ersten Tag verbucht wird“, wie Stefan Kreh, Leiter Personal und Organisation von Seat Deutschland, herausstellt. Andernorts tauchen Mitarbeiter oft dann erst in den Statistiken auf, wenn sie drei Tage oder länger der Arbeit fernbleiben und dann ein Attest einreichen müssten. Die gesunden Seat-Mitarbeiter und die Gründe für ihre körperliche wie mentale Fitness waren eins der Themen des ersten Gesundheits-Symposiums am Maimarkt-Freitag in der „Römerhalle“. Organisation und Auswahl der fünf Referenten gingen dabei maßgeblich auf Thorsten Keil, Bezirksgeschäftsführer der Barmer GEK, zurück. Die Veranstaltung, dessen Erlös einem guten Zweck zugeführt werden wird, war in Keils Augen mit 60 zahlenden Teilnehmern bei ihrer Premiere erfolgreich. Jeder sei schließlich Multiplikator und könne die im Fokus stehenden Gedanken zum betrieblichen Gesundheits-Management weitertragen.

Investition lohnt sich

Seat-Mann Kreh stellte heraus, sein Unternehmen investiere pro Jahr 800 Euro zur Gesunderhaltung eines jeden Beschäftigten. Den Kosten, die man durch geringere Fehlzeiten spare, stünden zwar diverse höhere Ausgaben gegenüber - dennoch lohne sich der Einsatz im Sinne der Gesamtunternehmung. Kreh erinnerte daran: „92 Prozent der Unternehmen halten Maßnahmen des betrieblichen Gesundheits-Managements für einführenswert - doch nur 31 Prozent haben tatsächlich Angebote.“ Seat Deutschland treibe deren Einführung und Anwendung seit einigen Jahren intensiv voran - mit klaren Zielen: Verhaltensänderungen der Mitarbeiter, bessere Work-Life-Balance, gesteigerte Leistungsfähigkeit. Schon jetzt könne man im Vergleich von Untersuchungen und Befragungen zu Beginn und aktuell festhalten: 41 Prozent der Seat-Mitarbeiter fühlen sich körperlich besser, 39 Prozent seelisch. Inzwischen gibt es in der Belegschaft sage und schreibe 60 Prozent weniger Raucher als bei der Einführung der umfassenden Betreuung mit Vorträgen, Fitnessangeboten, Entspannungs-Workshops und Suchtmittelprävention. „Wir würden es jederzeit wieder machen und planen, noch mehr in diesen Bereich zu investieren“, so Kreh.

Privatdozent Dr. med. Thomas Wobrock konzentrierte sich unterdessen stärker darauf, den Zuhörern klar zu machen, dass psychische Erkrankungen wie Burn-Out und Depression stark zunähmen und inzwischen die häufigsten Gründe - bei Männern und insbesondere Frauen - für eine Frühverrentung seien. Um dagegen zu wirken, müsse Arbeit „verstehbar, bewältigbar und sinnhaft“ sein. Für die Psychiatrie in Groß-Umstadt teilte Wobrock am Rande mit, dass deren Auslastung derzeit bei 90 bis 110 Prozent liege. Am Standort Dieburg gebe es für Patienten eine mehrwöchige Wartezeit.

Erwin Rabe, Regionalgeschäftsführer Südhessen der Barmer GEK, legte den Fokus auf die Demografie, machte klar, dass Menschen, die länger in den Betrieben arbeiten sollten, dort auch verstärkt Angebote zur Gesunderhaltung vorfinden müssten. Dietmar Giebelmann, Generalvikar des Bistums Mainz, verzichtete wie Rochus-Vorstand Armin Probst auf eine Beamer-Projektion, las schlicht von einem Zettel ab. Giebelmann stellte in seinen klugen Ausführungen den „einfachen“ Arbeiter in den Mittelpunkt und zitierte Bischof Ketteler: „Der Mensch ist nicht für die Arbeit da, die Arbeit ist für den Menschen da.“

Die Veranstaltung, die in dieser Form eine Zukunft haben dürfte, schloss mit einer Diskussionsrunde der Referenten und anschließender Möglichkeit zum Netzwerken.

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