„Die deutsche Wander-Niere gibt es nicht“

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Wolfgang Langer von der DSO informierte Abiturienten an der ADS über Organspenden.

Dieburg ‐  Kann man Tiere züchten und „ausschlachten“, um dann bestimmte Organe dem Menschen einzupflanzen? Werden Organspender bevorzugt, wenn sie selber einmal ein Spenderorgan benötigen? So lauteten zwei von vielen klugen Fragen, die Abiturienten der Alfred-Delp-Schule stellten - in der Hoffnung auf fachmännische Antwort durch Wolfgang Langer von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Von Jens Dörr

Langer enttäuschte sie nicht, nahm sich für Vortrag und Diskussion an der ADS - organisiert durch Lehrerin Anna-Maria Wagener-Rohde - rund anderthalb Stunden Zeit und ließ kaum Fragen offen. Kein Wunder: Der Referent, von Haus aus Anästhesist, beschäftigt sich professionell mit den Fragen, die viele Bundesbürger für sich noch nicht endgültig beantwortet haben.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die bundesweite Koordinierungsstelle für Organspende. Ihre Aufgabe ist die umfassende Förderung der Organspende und der Organtransplantation in Deutschland. Die DSO hat sich zum Ziel gesetzt, allen Patienten so schnell wie möglich die notwendige Transplantation zu ermöglichen.

Die DSO ist ausschließlich für die Koordinierung der postmortalen Organspende verantwortlich, wie Langer betonte. Zurzeit können Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm nach dem Tod gespendet werden. Diese Organe gehören zu den vermittlungspflichtigen Organen. Ihre Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung unterliegt den Regelungen des Deutschen Transplantationsgesetzes.

Spenderschutz wird groß geschrieben

Dessen Feinheiten interessierten die Schüler nach Langers Überblick zum Thema aber weniger als ganz konkrete Fälle: Was, wie eingangs erwähnt, sei denn nun damit, wenn großzügige Spender selbst auf ein Organ warteten? Langer griff die Frage auf, verwies auf die Gleichberechtigung mit Nicht-Spendern, brachte aber Verständnis für das Gefühl der Ungerechtigkeit bei den Schülern in einem solchen Fall auf: „Ich finde es durchaus problematisch, dass Leute teils mehrere Organe erhalten, obwohl sie selbst eine Spende mittels Patientenverfügung ablehnen.“

Die „deutsche Wander-Niere“ gebe es im Übrigen nicht, antwortete Langer auf eine andere Frage, ob man ein Organ auch mehrmals transplantieren könne. „Es gibt wegen Organmangels aber dahingehende Überlegungen“, sagte er. In diesem Zusammenhang stellte der DSO-Referent heraus, dass die Transplantations-Medizin ständig Fortschritte mache: „Wenn der Empfänger geimpft ist, kann man inzwischen zum Beispiel Hepatitis-B-Organe transplantieren.“ Hornhäute ließen sich mittlerweile sogar bis 72 Stunden nach dem Tod des Spenders transplantieren.

Eins stellte Wolfgang Langer explizit heraus: Der Empfängerschutz werde in Deutschland ebenso groß geschrieben wie der Schutz des Spenders. Es sei sichergestellt, dass der Patient bei der Entnahme eines Organs nichts spüre. Unter anderem davor aber hätten viele Bürger Angst, was die Zurückhaltung bei Organspenden in der Bundesrepublik mit erkläre.

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