„Die Hassia über viele Jahre mitgetragen“

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Landesehrenbrief: Schiedsrichter Wilfried Wick denkt auch danach nicht ans Karriereende

Dieburg - Noch 24 Stunden vor seinem großen Auftritt tat Wilfried Wick das, was er mit am liebsten tut - und jahrzehntelang auch einfach gut konnte: Fußballspiele pfeifen. Von Jens Dörr

Am Samstag war Wick bei den Hessenmeisterschaften der Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in Groß-Gerau im Einsatz. Am Sonntagvormittag nahm der 72-jährige Dieburger, Hassianer durch und durch, von Landrat Klaus Peter Schellhaas den Landesehrenbrief entgegen.

Bessere Laudatoren als Schellhaas und den Groß-Zimmerner Landtagsabgeordneten Manfred Pentz hätte sich Wick nicht wünschen können. Schellhaas ehrt gemeinhin kenntnisreich und emotional, war in jüngerer Vergangenheit häufig zu Gast am Wolfgangshäuschen; Pentz war früher selbst als Schiedsrichter auf den Sportplätzen der Region unterwegs und kann Wicks Leistungen umso besser einschätzen.

Die Leistungen des „Manns, den Sie alle kennen“ führte Schellhaas auf. Dass der Dieburger in seiner Karriere rund 3000 Spiele geleitet habe, stammte wohl aus einem Pressetext von vor einigen Jahren. Die Zahl strebt vielmehr den 4000 Partien entgegen. Auch jetzt, im hohen Unparteiischen-Alter, ist Wick einmal oder gar mehrmals wöchentlich unterwegs – bis zu 100 Spiele kommen da jährlich noch hinzu. Nicht „nur“ Partien und Turniere mit Junioren: Regelmäßig pfeift Wick auch noch in der Kreisliga D, zählt zu den regelmäßigen Spielleitern der Partien der zweiten Mannschaft des SV DJK Viktoria.

Großzügiger Spielleiter

Von der Kettelerstraße, wo er wohnt, hat es der Fußballverrückte bis dorthin wahrlich nicht weit. „In meiner Hochzeit als Schiedsrichter habe ich fünf oder sechs Spiele in der Woche geleitet“, erklärt Wick überdies.

Wicks Bilanz nach viereinhalb Jahrzehnten an der Pfeife -– der eigenen Einschätzung nach als meist „großzügiger Spielleiter“ – ist beeindruckend: In seiner Laufbahn pfiff der Dieburger weniger auf dem letzten Loch als vielmehr auf sehr hohem Niveau: Wick schaffte es als Schiedsrichter vor gut 30 Jahren bis in die Oberliga, damals dritthöchste Spielklasse und höchste Amateurliga. Auch als Schiedsrichterassistent war er in dieser Spielklasse unterwegs und leitete zudem regelmäßig Freundschaftsspiele mit Beteiligung von Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98, aber auch Fortuna Düsseldorf oder dem SC Freiburg. Prominentester „Kunde“ Wicks war Franz Beckenbauer, der nach seinem Gastspiel in den USA mit dem Hamburger SV ein Jubiläumsspiel in Aschaffenburg bestritt.

Der Hassia immer treu geblieben

Schellhaas würdigte Wicks Durchhaltevermögen auch vor dem Hintergrund, dass Wick der Hassia immer treu geblieben sei und der Job der Schiedsrichter in diesen Tagen, da regelmäßig schon Juniorenspiele wegen Schlägereien abgebrochen werden, kein einfacher sei. „Wilfried Wick hat die Hassia über viele Jahre hinweg mitgetragen und nahm auch die Schippe in die Hand, wenn angepackt wurde.“ Vor allem sei er aber durch seinen Einsatz an der Pfeife „für Kinder und Jugendliche“ wichtig gewesen.

Die Aussage „Das hat er nie laut getan“ bedarf allerdings einer Erklärung: Auf dem Platz nämlich zählt Wick mit einem durchaus lauten Organ nicht zu den zurückhaltenden Spielleitern, sondern gibt – wenn vonnöten -– durchaus deutliche Anweisungen. Was Schellhaas aber gemeint haben dürfte: Der Hassianer war keiner, der sich innerhalb des Vereins in den Vordergrund spielte, vielmehr seine Aufgabe kontinuierlich erledigte.

Selbst am Sonntag dachte Wilfried Wick, der weiter pfeifen will, nicht nur an sich: Nach dem 2:0-Sieg der ersten Mannschaft über die SG Raibach/Umstadt schenkte er dem Team von Spielertrainer Torsten Schnitzer eine Fünf-Liter-Flasche Bacardi - liebevoll dekoriert in Blau und Weiß, den Farben seines Vereinslebens.

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