„Die Leiche kann gehen“

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Ausbruch aus dem Nervensanatorium? Die Physiker Newton (Saskia Millmann), Möbius (Gianni van Balen) und Einstein (Remus Rosenkranz) (v.l.n.r.) beraten sich kontrovers.

Dieburg (db) ‐ „Es sind eure Blicke, die mich etwas stören.“ Regisseur Christian Lampe betreibt Detailanalyse in der Dialogszene mit Michelle Lioutikov (Doktor Mathilde von Zahnd) und Laura Goedecke (Kriminalinspektorin).

Janine Trippel, die kurzzeitig Paulina Kettner ersetzt, liegt währenddessen die ganze Zeit regungslos auf dem Boden und spielt die ermordete Krankenschwester.  Christian Lampe positioniert derweil seine beiden Protagonisten: „Außerdem ist es wirkungsvoller, wenn ihr weiter nach vorne kommt, dort wo das Publikum sitzt. Und nicht hinter der Tür verstecken.“ Mittlerweile gehen die Vorbereitungen für die Theateraufführung des bekannten Literaturstoffs von Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ in die entscheidende Phase.

In dem Stück geht es um die Verantwortung der Wissenschaftler für die Konsequenzen ihrer Forschung. Diese ernste und durchaus aktuelle Thematik verpackte Dürrenmatt in eine spannende Kriminalkomödie.

Klausurfahrt für intensive Vorbereitung

Seit letztem Sommer befindet sich die Theatergruppe der Alfred-Delp-Schule in den Planungen für die 29. Aufführung an der gymnasialen Oberstufe. Nach der Stoffauswahl und Rollenbesetzung starteten die ersten Proben im Oktober. Hans-Dieter Hefele, der zusammen mit Christian Lampe die Theaterleitung übernimmt, ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden: „Immerhin wird an unserer Schule seit 1982 Theater gespielt. Da pendelt sich bei uns, als verantwortliche Lehrer schon ein wenig Routine ein.“ Von Anspannung oder Nervosität, ist auch bei den jungen Schauspielern keine Spur zu finden. Die „Klausurfahrt“ Mitte Januar in den Spessart gab den Protagonisten die wichtige Selbstsicherheit für die Bühne. „Die Schüler waren für eine Woche vom Unterricht befreit und so konnten wir uns ausschließlich mit unserem Stück beschäftigen“, erklärt Hefele.

Die Premiere zu „Die Physiker“ beginnt am Freitag, 26. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula der Alfred-Delp-Schule. Karten kosten fünf Euro und sind in der Bücherinsel und in den Pausen in der Schule erhältlich. Weitere Vorstellungen: Sonntag, 28. Februar, Mittwoch, 3. März, Freitag, 5. März und Samstag 6. März immer um 19.30 Uhr.

Auch die Bühnenbild-AG war in der Zwischenzeit fleißig: Rund 20 Schüler entwickelten die Idee für ein angemessenes Bühnenbild. „Die Kulisse gleicht einem Sanatorium, mit zwei Ebenen, die durch eine Treppe in der Mitte miteinander verbunden sind“, beschreibt Kunstlehrer Rolf Peters den bisherigen Stand des Aufbaus. Dass die Wände und die drei Türen in weiß gehalten sind, liegt nicht nur in der Natur der Sache, sondern ist auch im Sinne der Lichttechniker. Durch die übergezogene PVC-Folie gewinne das projizierte Licht deutlich an Intensität: „Wichtig, um Atmosphäre zu erzeugen, wenn zum Beispiel ein Mord passiert“ wirft Rolf Peters ein. Auch die Beschaffung der Kostüme und Requisiten steht auf der Aufgabenliste der Bühnenbild-AG. Das meiste stammt noch aus alten Aufführungen, wenn etwas fehlt, wird es in einem Gebrauchtwarenhaus und bei Oxfam organisiert.

„Oh, jetzt habß ich einen Hänger.“

Während Michelle und Laura auf der Bühne weiter proben, gehen hinter den Kulissen Saskia Millmann (Newton) und Gianni van Balen (Möbius) ihren Text noch einmal durch. Gianni hat auf das Zeichen des Regisseurs schon gewartet: Entrüstet und geschockt reißt er eine Tür auf und rennt die Treppe hinunter. Bestürzt wirft sich Gianni auf Janine Trippel und legt seinen Arm auf sie: „Monika“ schreit er entsetzt den Bühnenstrahlern entgegen - „Oh, jetzt hab´ ich einen Hänger“. Giannis plötzliches Handycap mündet in entspanntem Lachen. „Schon gut, die Szene haben wir im Grunde sowieso drin“, fährt Hans-Dieter Hefele dazwischen und dirigiert die Akteure zur nächsten Szene: „Fast hätte ich es vergessen - die Leiche kann jetzt gehen.“

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