Und jetzt geht’s zurück an die Leinwand

Ein Apfel in Bewegung: Sylvain Hénon (rechts hinten) zeigte Teilnehmern des Workshops am Sonntag, wie man diesen alltäglichen Gegenstand künstlerisch verarbeiten kann. - Foto: Hager

Dieburg (jd/eha) - Einblicke in die Welt von Kunst und Kreativität gewährten am Wochenende etliche Ateliers in Dieburg. Traditionell geht damit der Kultursommer Südhessen („KUSS“) zu Ende.

Bei Sue und Sylvain Hénon in der Steinstraße konnten kleine und große Besucher selbst zu Farbstiften und Pinsel greifen. Der Workshop stand – wie die ausgestellten Bilder der Schüler des Atliers – unter dem Motto „Bewegung“.

Neben Martin Konietsche, Elke Bergerin, Günter Grosch und Edith Kaiser hatte auch Ingrid Wendeler ihr Atelier geöffnet. Inspirationen holt sie sich sogar vom Sperrmüll: Kürzlich entdeckte die 73-Jährige dort die Überreste eines Holztischs - und verwendete die runde Platte als Unterlage für die „Amazone“. Aus Papier - und punktsymmetrisch dahinter angebracht der Schatten aus schwarzer Pappe - bildete sie die Kriegerin der Antike ab, lässt damit Homers Sage bis in ihr Atelier am Rinkenbühl Einzug halten.

„Tagen des offenen Ateliers“

Das Wochenende, an dem jeder Besucher in der Regel kostenlos seine Nase in die Ausstellungs- und teilweise auch Arbeitsräume stecken kann, findet jährlich im Rahmen des „Kultursommer Südhessen“ (KUSS) statt - und bildete neben einigen anderen Veranstaltungen dessen diesjährigen Abschluss. Sie selbst sei zwar nicht in jedem Jahr bei den „Tagen des offenen Ateliers“ dabei, sagte Wendeler beim Besuch des DA am frühen Samstagabend. Die Tage seien aber positiv zu sehen: „Gleich zu Beginn des Samstags hatte ich guten Zuspruch.“ Freunde, Bekannte, aber auch gänzlich Fremde, die über die offenen Ateliers in der Presse gelesen hatten, seien vorbeikommen. Mitunter sei der Spagat anspruchsvoll, sich beim Besuch mehrerer Personen gleichermaßen adäquat Zeit zu nehmen und auf Wunsch auch Kunst und Machart zu erläutern. „Allerdings habe ich die Ausstellung so aufgebaut, dass die Leute sich auch selbst beschäftigen, zum Beispiel im Collagenbuch blättern konnten“, so Wendeler.

Ingrid Wendeler – hier vor ihrem Werk „Amazone“ – beteiligte sich wie etliche andere Dieburger Künstler an den Tagen des offenen Ateliers am Wochenende.

Stichwort Collagen: Dass sich die gebürtige Karlsruherin, die die Räume am Rinkenbühl ausschließlich für ihre künstlerischen Tätigkeiten verwendet, sich den Collagen zuletzt verstärkt widmete, sei durch ihr „leidenschaftliches, nicht zweckgebundenes Sammeln von Fundstücken“ ausgelöst worden. Tapeten, Werbeprospekte oder Zigarettenschachteln - das alles hielt Einzug in Wendelers Arbeiten. Die temperamentvolle Frau, die Ausstellungsbeteiligungen unter anderem in Darmstadt (Justus-Liebig-Haus, mehrmals in der Orangerie) vorweist, sieht die Arbeit an den Collagen dennoch eher als Ausflug: „Ich kehre jetzt wieder zur Malerei zurück, es zieht mich wieder an die Leinwand“, stellt sie ab sofort ihr Hauptgebiet wieder in den Fokus.

Ingrid Wendeler, bei der die Besucher am Wochenende neben ausführlichen Erläuterungen auch die Möglichkeit hatten, alle Werke anzufassen, betont unterdessen: Ob Gemälde oder Collage, ob gegenständliches oder abstraktes Endprodukt: „Schön muss es nicht unbedingt sein - aber immer muss es Ästhetik haben.“

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