Lektüre spenden und mitnehmen

Bücherschrank ist für alle offen

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Der öffentliche Bücherschrank ist da. Beim Aufstellen mit dabei (von links): Werner Wenz von der JVA-Leitung, Pastoralreferent Andreas Reifenberg und Friedhelm Pfuhl von der JVA-Schreinerei.

Dieburg - Seit kurzem können sich Dieburgs Bücherwürmer öffentlich bedienen – und das auch noch ganz legal: Ein offener Bücherschrank vor dem Rathaus lädt zur Selbstbedienung ein.

Welcher Buchliebhaber kennt das nicht: Gerade ist das gute Buch ausgelesen - da muss neuer Lesestoff her. Gern hätte man nun sofort für ein paar Tage neue Bücher, die dann auch wieder verschwinden, da die Regale zuhause brechend voll sind. Dafür gibt es nun eine patente Lösung: den offenen Bücherschrank. Die Stadtverordneten haben sich bereits 2012 einen öffentlichen Bücherschrank für die Bürger in der Nähe des Rathauses gewünscht. Zunächst sollten Paten gefunden werden, die sich darum kümmern, dass der Inhalt des Schrankes nicht verkommt, jugendfrei ist und der Schrank nicht zur Ablage von Unmengen alter Literatur wird.

Dann wurde nach einem geeigneten Schrank gesucht. Alte Telefonzellen als Schrank, ob englisch oder von der Telekom, wurden wieder verworfen. Doch dann kam der geeignete Tipp aus Reihen der Paten. Pastoralreferent Andreas Reifenberg, Seelsorger in der Dieburger Justizvollzugsanstalt stellte den Kontakt zur dortigen Schreinerei her. Friedhelm Pfuhl von der Schreinerei der JVA fertigte einen wetterfesten Schrank mit fünf Einschubklappen auf zwei Seiten. Als Vorbild diente ein Schrankmodell aus Hannover, das allerdings mit einem Dach weiterentwickelt wurde. Ein Schild mit Anleitung kreierte die JVA Eberstadt.

Mitnehmen, tauschen oder zurückbringen

Bereits in den 1990er Jahren entwickelte sich der Gedanke, Bücherschränke zu etablieren, die jederzeit öffentlich zugänglich sein sollten, um den Austausch von Literatur zu unterstützen. Ausgehend von Kunstinstallationen wurden erste Bücherschränke zur Nutzung als „kostenlose Freiluft-Bibliothek“ in Darmstadt und Hannover realisiert. In diese wetterfesten Bücherschränke kann jeder Bürger seine Bücher einstellen, um sie anderen Lesern anzubieten. Man darf jederzeit Bücher entnehmen und diese zum Lesen mitnehmen. Ob man sie zurückbringt, behält, tauscht oder nicht, entscheidet jeder Nutzer selbst.

Wenn es gelingt, die öffentlichen Bücherschränke an Orten zu errichten, die leicht erreichbar sind und genügend Zulauf haben, werden sie zumeist schnell akzeptiert. Der Gefahr von Vandalismus-Schäden, wie sie in einzelnen Fällen vorgekommen sind, kann in der Regel durch „Bücherschrankpaten“ begegnet werden.

Kooperationen mit JVA auch in Zukunft denkbar

Der Standort am Marktplatz wurde so gewählt, dass der Bücherschrank nicht nur gut erreichbar ist, sondern auch zum Lesen vor Ort einlädt. Die Bürger sind nun aufgerufen, eigene Bücher mit zu bringen und andere zur Ausleihe zu entnehmen. Jeder darf rund um die Uhr und bei jedem Wetter kostenlos Bücher einstellen, tauschen, ausleihen und mitnehmen.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas freut sich über die Kooperation mit der JVA. Der Bücherschrank und auch das Anleitungschild sind eine gute Möglichkeit im Rahmen der Arbeitstherapie und der Ausbildung Dinge von bleibendem Wert zu schaffen. Ein guter Schritt auf dem Weg für ein Leben nach der Haft. Wenn nun auch nicht jeder bei den Werkstätten der JVA Produkte bestellen kann, so sind solche Kooperationen auch in Zukunft denkbar und der Bücherschrank finden vielleicht noch „Ableger“.

eha

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