Lautstarker Protestmarsch

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Mit Schildern wie „Diese Familienpolitik gefällt uns nicht“ zogen rund 150 Eltern und Kinder vors Rathaus. Die Erhöhung der Gebühren für die Kinderbetreuungseinrichtungen war der Hauptkritikpunkt.

Dieburg - „Diese Familienpolitik gefällt uns nicht“, steht auf dem Schild, das ein Junge hoch hält. Lautstark betätigt er dazu seine gelbe Trillerpfeife. Ein Teil der Demonstranten, die am Donnerstagnachmittag vom Marktplatz vors Rathaus zogen, kann die Slogans auf den Plakaten noch gar nicht lesen: Hier machten Kindergartenkinder der Stadt und ihre Eltern mobil. Von Lisa Hager

Um die 150 großen und kleinen Protestler aus acht Kinderbetreuungseinrichtungen Dieburgs wollen den Stadtvätern zeigen, was sie von deren aktueller Familienpolitik halten. „Ich habe drei Kinder, aber es gibt nicht einmal einen Geschwisterbonus wie in anderen Gemeinden“, moniert eine Mutter, die ihre Sprösslinge in St. Martin hat. Zudem sei der Zuschuss für Familien mit geringem Einkommen abgeschafft worden, kritisiert sie. „Und im Vergleich zu anderen Kommunen sind die Hortplätze teurer.“

Hauptkritikpunkt der Eltern ist die zehnprozentige Erhöhung der Gebühren für die Kinderbetreuungseinrichtungen, die die Stadtverordneten im Juli nach einer Vorlage des Magistrats mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen haben (wir berichteten). „Und dazu kam noch die Erhöhung der Eintrittspreise ins Schwimmbad in den Sommerferien und die Abschaffung der kostenlosen Windelsäcke“, kritisiert Wolfgang Strittmatter vom Elternbeirat der Kita Knirpsenland. Er ist zusammen mit seiner vierjährigen Tochter vors Rathaus gezogen. In Eppertshausen beispielsweise gebe es immerhin noch einen kostenlosen Sack pro Monat für die Eltern, vergleicht er. Er hofft genauso wie Nicole Kolb, Elternbeiratsvorsitzende der Kita St. Josef, dass Bürgermeiste und Stadtverordnete zumindest noch einmal nachdenken und Zugeständnisse machen. „Wir hoffen, dass beispielsweise ein Geschwisterbonus eingeführt wird“, sagt Kolb. Wenn die Streichungen so weiter gingen, würden „Kinder zum Luxusartikel“ werden, das könne doch niemand wollen, sagt Strittmatter.

Bürgermeister Thomas wehrt sich gegen Vorwürfe

Bürgermeister Dr. Werner Thomas haben die Ohren von der lautstarken Demo nicht geklungen: Er war an dem Nachmittag bei einem Termin außer Haus. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Erhöhung wäre quasi „über Nacht“ eingeführt worden. „Die geplante Erhöhung ist schon im Vorfeld im Frühjahr mit den Trägern der Einrichtungen abgesprochen worden“, sagt er. Und nach dem Beschluss der Stadtverordneten Anfang Juli seien die Einrichtungen sofort informiert worden. Von einem „Überraschungseffekt“ könne also keine Rede sein. Und was den Geschwisterbonus angehe - also eine teilweise oder vollständige Gebührenbefreiung bei mehreren Kindern aus einer Familie in der Kita - sei dieser bereits 1993 abgeschafft worden.

Den Zuschuss für Geringverdienende habe die Stadt zwar gestrichen, diese Aufgabe aber nur an den Landkreis zurückgegeben, der dafür auch zuständig sei. Jetzt käme dieser Zuschuss von der Kreisverwaltung. Auch das Heranziehen der Kindergartengebühren der anderen Kommunen kann er nicht ganz nachvollziehen. „Jede Gemeinde staffelt anders, das ist schwer zu vergleichen.“ Allerdings kann er sich sehr gut vorstellen, dass man über eine Wiedereinführung der Geschwisterkindregelung im Magistrat noch einmal diskutieren werde.

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