Dieburg ist erste „Qualitätsstadt“

Stadt und 18 Unternehmen wurden jetzt beim ersten öffentlichen Termin in Dieburgs neuer Römerhalle ausgezeichnet

Dieburg - Frisch riecht es noch, in Saal, Foyer und Toiletten der „Römerhalle“. Von Jens Dörr

Ihre erste öffentliche Veranstaltung – wenn auch eine Anmeldung erforderlich und sie besuchermäßig limitiert war – brachte die von Rathaus und Pächter Tobias Niestatek vermarktete neue gute Stube Dieburgs am Dienstag hinter sich. Erfolgreich, darf man sagen, auch wenn die Außenarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, sich draußen geräuschvoll der Betonmischer ergoss und in der Halle – den Gastronomiebereich ausgenommen – alles noch etwas kahl wirkte. Die erste private Veranstaltung, eine Hochzeit, war bereits am vergangenen Wochenende über die Bühne gegangen (der DA berichtete). Die Stichproben unter den insgesamt 150 Besuchern jedenfalls ergaben eine positive Resonanz zu Optik und vorläufigem Ambiente.

Wenn das Wandeln in der neuen Halle zumindest für die Einheimischen ebenso interessant war wie der eigentliche Anlass des Kommens, so waren die Gäste aus der Fremde doch eher aufs Programm fokussiert: Staatssekretär Steffen Saebisch aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung zeichnete vier hessische Städte, darunter Dieburg, sowie 56 hessische Unternehmen als „Qualitätsstädte“ und „Qualitätsbetriebe“ aus. Die Stadtverwaltungen und Betriebe hatten sich der „ServiceQualität Deutschland“ angenommen, einem dreistufigen innerbetrieblichen Qualitäts-Management-System, das auf Dienstleistungsbetriebe zugeschnitten ist. Sie sollen durch Zielformulierungen und das Einführen bestimmter Prozesse einen noch besseren Kunden-Service verwirklichen.

Was das im Konkreten heißt, erläuterte unter anderem Sylvia Tautz von der Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung. Sie muss es wissen, denn ihre Ein-Frau-Abteilung unterwirft sich künftig zusammen mit dem Magistrat, dem Einwohnermeldeamt, dem Standesamt und dem Presseamt freiwillig den optimierten Arbeitsprozessen. „Wir haben zum Beispiel das Ziel formuliert, E-Mails innerhalb von zwei Arbeitstagen zu beantworten“, so Tautz. Gemein sei allen genannten Ämtern das Ziel, die Erreichbarkeit auch über Telefon noch lückenloser zu garantieren. „Jeder Bereich hat aber auch eigene Maßnahmen und Ziele entwickelt“, ergänzte Tautz. Sie alle sollen dem Kunden einen noch angenehmeren Eindruck im Umgang mit dem Dienstleister Stadtverwaltung vermitteln. Das Standesamt etwa möchte es zur Regel machen, dass jedes Brautpaar mit einem kleinen städtischen Präsent bedacht wird. Das stehe aber noch unter Finanzierungsvorbehalt, sagte Tautz.

Dieburg war die erste hessische Stadt, die die formalen Anforderungen einer „Qualitätsstadt“ erfüllte. Der Hessische Tourismus-Verband, der die Durchführung der Qualifizierung (innerbetriebliche „Qualitäts-Scouts“, Schulungen) und Zertifizierung nach „ServiceQualität Deutschland“ innehat, präsentiert die Gersprenz-Stadt zwar in einem Premieren-Quartett mit Gelnhausen, Oberursel und Rüdesheim. Dieburg aber hatte sich bestätigen lassen, die Nummer eins gewesen zu sein und darf das in Eigen-Regie auch so kommunizieren.

Vor allem aber geht es nun darum, nach formaler Auszeichnung die optimierte Service-Qualität im Alltag zu leben.

Auf der Stadtverwaltung hat man damit ebenso begonnen wie in 17 Dieburger Unternehmen (Liste siehe separate Box). Christina Hartmann-Neuberger vom Architektur- und Sachverständigenbüro Hartmann-Neuberger in der Gerhart-Hauptmann-Straße erfuhr von der Qualitätsoffensive bei einem der Unternehmer-Treffs und hat inzwischen etwa ihre Verträge und Angebote verbessert. „Da geht es vor allem um die Vereinfachung der Sprache“, so Hartmann-Neuberger. Was sich unter stärkerer Evaluierung der Kundenzufriedenheit verbirgt, schilderte sie verständlich: „Man muss schlicht des Öfteren mal nachfragen.“ T. T. Immobilien in der Rheingaustraße tut das sogar mit einem ausführlichen Fragebogen. Ein unpünktlicher Makler hat auf diese Weise keine Chance mehr, sein Service-Defizit zu vertuschen.

Ganz begeistert von der Service-Offensive zeigte sich auch Karl-Heinz Rosenkranz vom Innovationszentrum Dieburg in der Altheimer Straße. Er kam bei einer Mitgliederversammlung des Gewerbevereins erstmals mit dem Thema in Kontakt. Sylvia Tautz habe letztlich in ihm „die Flamme entzündet“, nicht nur selbst teilzunehmen, sondern auch andere Unternehmer dafür zu begeistern – und zugleich auch für den stark gewachsenen Gewerbeverein. „Damit machen wir auch weiter, für mich ist das noch nicht beendet“, sagte Rosenkranz und ließ dabei die Tatenfreude regelrecht sprühen. Auch Bürgermeister Dr. Werner Thomas war bei der Zertifizierungsfeier einen Hauch euphorisch: „Wir können stolz auf unsere Stadt und ihr Gewerbe sein“, betonte er.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare